Erste Bilanz: Ein Toter und 800 Millionen Euro Schaden durch Sturm „Eberhard“

Erste Bilanz : Ein Toter und 800 Millionen Euro Schaden durch Sturm „Eberhard“

Nach dem Wüten von Sturmtief „Eberhard“ haben Polizei, Feuerwehr und Versicherungen am Montag eine erste Bilanz gezogen: Die Schäden betragen bis zu 800 Millionen Euro. Ein Mensch wurde getötet, mindestens 27 verletzt – auch in unserer Region.

Die Zerstörungen durch „Eberhard“ dürften die Versicherer eine gewaltige Summe Geld kosten. Der weltgrößte Rückversicherungsmakler Aon schätzt die versicherten Schäden auf 700 bis 800 Millionen Euro, wie er am Montag in Hamburg mitteilte.

Auf den Straßen und bei der Bahn normalisierte sich die Lage erst allmählich. Am Mittwoch droht derweil schon wieder das nächste Unwetter. Wind bis Stärke elf sei dann erneut möglich, teilte der Deutsche Wetterdienst mit.

„Eberhard“ wecke Erinnerungen an das Sturmtief Friederike, das Anfang 2018 durch Europa gezogen war, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums. Ganz so verheerend seien die Schäden diesmal aber wohl nicht. Die Windgeschwindigkeiten seien bei „Eberhard“ etwas niedriger gewesen. „Friederike“ hatte vor gut einem Jahr europaweit zehn Menschenleben gefordert und einen Schaden von rund einer Milliarde Euro angerichtet.

Im Kreis Düren musste alleine die Polizei zwischen Samstagmittag und Montagvormittag rund 70 Mal wegen des Sturmes ausrücken. Bei witterungsbedingten Unfällen waren auch Schwerverletzte zu verzeichnen.

So wurde am Sonntagnachmittag eine ältere Frau in Hürtgenwald schwer verletzt, als ein Holzzaun gerade in dem Moment umstürzte, als sie danach schauen wollte. Eine 29-jährige Autofahrerin kam am Sonntagmorgen zwischen Untermaubach und Straß wegen des Sturms von der Straße ab. Ihr wagen prallte gegen einen Baum, auch sie kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Auch in Alsdorf stürzte ein Baum um und traf ein Auto. Foto: dag;/D. Meyer-Roeger

Regelrecht von der Fahrbahn wehte es dann einen 40-Tonner-Lastwagen am Montagmorgen bei Vettweiß-Gladbach. Zur Bergung des in einen Graben gerutschten Gefährts musste ein Kranwagen anrücken. Der Schaden wurde auf rund 50.000 Euro geschätzt. Kurz darauf musste die B56 zwischen Aldenhoven und Dürboslar gesperrt werden, weil ebenfalls ein Lastwagen in den Graben gerutscht war. Der Schaden belief sich dabei sogar auf rund 80.000 Euro.

Am Montagvormittag bereitete zudem Schneefall vielen Autofahrern Probleme. So stellten sich etliche Autos und Lastwagen an Steigungen quer, etwa in Kreuzau, Nideggen und Hürtgenwald.

An der Blücherstraße in Düren riss der Sturm rund 300 Quadratmeter Dachhaut von einem Mehrfamilienhaus, das derzeit saniert wird und daher unbewohnt ist. Das Dach begrub einen Pkw und eine Laterne unter sich.

Bei Aachen stürzten an drei Stellen Bäume auf die Schienen und blockierten den Zugverkehr, die Strecke zwischen Aachen und Mönchengladbach war mehrere Stunden lang blockiert. Rund um Aachen stürzten Äste auf die Autobahnen 4 und 44. Die Autobahn 44 zwischen Alsdorf und Broichweiden war am Nachmittag für längere Zeit nur einspurig befahrbar.

Auch in der übrigen Städteregion hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, entwurzelte und geknickte Bäume zu beseitigen. In Würselen hatte der Sturm eine Photovoltaikanlage losgerissen, die auf eine Werbetafel stürzte. Das Freizeitbad Aquana schloss seine Türen, nachdem eine Dachplatte abgerissen worden war.

Insgesamt fuhr die Feuerwehr in Aachen bis Sonntagabend rund 120 Einsätze, die Polizei fast 290. So riss der Sturm an der Trierer Straße große Teile aus einer Hausfassade.

Im Kreis Heinsberg hatten die Feuerwehren mehr als 300 Einsätze zu verzeichnen. Zwei Menschen wurden in Hückelhoven von Mauerteilen und Dachziegeln getroffen und verletzt. In Gangelt stürzte ein großer Ast auf ein fahrendes Auto, die Insassen blieben unverletzt.

In Bestwig im Hochsauerlandkreis starb ein Autofahrer, in Hürth wurde ein 48-Jähriger schwer verletzt, als Bäume auf Autos fielen.

Probleme auf Straße und Schiene in NRW

Auf den Straßen und bei der Bahn gab es in Nordrhein-Westfalen auch am Montag noch große Probleme: Der am Sonntag aus Sicherheitsgründen gestoppte Zugverkehr kam nur langsam wieder in Gang. Am Nachmittag war etwa noch die Strecke zwischen Wuppertal und Solingen gesperrt. „Da räumen wir noch auf“, sagte ein Bahnsprecher. ICE-Züge wurden über Düsseldorf umgeleitet. Auf der Schnellfahrstrecke Frankfurt-Köln fielen laut Bahn einzelne Züge aus.

Da viele Pendler offenbar auf das Auto umstiegen, gab es am Morgen im Berufsverkehr zeitweise fast 500 Kilometer Stau, wie der WDR meldete.

Mehr als 20.000 Kräfte allein der Feuerwehr hatten am Sonntag landesweit bei mehr als 10.000 Einsätzen mit umgestürzten Bäumen, herumfliegenden Teilen und abgedeckten Hausdächern gekämpft, wie die Sprecherin des Innenministeriums am Montagmittag in einer vorläufigen Bilanz sagte.

Unter den Verletzten waren allein sieben Feuerwehrleute. In Bochum wurde eine Feuerwehrfrau von einem Baum getroffen und verletzt. In Solingen verletzte sich ein Feuerwehrmann, als er einen Baum kleinsägen wollte. In Bonn wurden zwei Polizisten in der Nähe einer Baustelle von aufgewirbelten Holzteilen getroffen und verletzt. Sie mussten ins Krankenhaus.

Die nächsten Tiefs ziehen schon heran

Das Wetter gibt in Deutschland keine Ruhe. „Weitere Sturmtiefs werden in dieser Woche erwartet“, sagte Meteorologe Marco Manitta vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Montag. Nach „Dragi“ am Samstag und „Eberhard“ am Sonntag greifen voraussichtlich am Dienstag „die Ausläufer von Sturmtief ,Franz’ auf Deutschland über“. Bis zum Wochenende werde es „windig bis stürmisch bleiben, teils mit Regen“, sagte der Meteorologe. „Das unbeständige Wetter setzt sich fort.“

In den nächsten Wochen könnten Spaziergänge im Wald wegen der Schäden durch „Eberhard“ lebensgefährlich werden. Viele Bäume hätten ihre Standfestigkeit verloren oder stünden unter Spannung, weil andere Bäume auf sie gestürzt seien. „Ich würde im Moment nicht in den Wald gehen“, sagte ein Sprecherin des Landesbetriebes Wald und Holz NRW.

Bahnkunden übernachten in Zügen

Tausende Bahnkunden erwischte der Sturm auf der Strecke, als der Zugverkehr am Sonntagnachmittag wegen umgestürzter Bäume und eines Stellwerkschadens in Essen landesweit gestoppt wurde. Viele Bahnfahrer strandeten. Am Dortmunder Hauptbahnhof reichte die Schlangen vor den beiden Infoschaltern fast durch die ganze Halle. Die Bahn bot den gestrandeten Bahnreisenden für die Nacht in Dortmund, Hamm und Köln Aufenthaltszüge an.

In Köln hätten zeitweise bis zu 150 Reisende das Angebot genutzt, sagte ein Bahnsprecher am Morgen. In Dortmund seien es deutlich weniger Reisende gewesen. Mit Betriebsbeginn am frühen Morgen seien die Aufenthaltszüge wieder geschlossen worden. Zugleich habe die Bahn in NRW am Sonntag mehrere tausend Taxi- und Hotelgutscheine ausgestellt.

Am Kölner Dom brach eine Verankerung in rund 40 Metern Höhe oberhalb der Domschatzkammer ab. Daher sei aus Sicherheitsgründen die Domschatzkammer bis auf weiteres geschlossen und der davorliegende Bereich der Domplatte gesperrt worden, teilte das Domkapitel mit.

(dpa/red/dpa)
Mehr von Aachener Zeitung