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Aachen: Ein neuer Weihbischof mit Lust am Leben

Aachen : Ein neuer Weihbischof mit Lust am Leben

Mehr Stille in der Kirche, mehr Zuhören und weniger Worte: Diesen Wunsch äußerte der neue Aachener Weihbischof Karl Borsch bei seiner feierlichen Weihe am Samstag im Aachener Dom.

Auf diese Weise könne mehr Wirkung und Stahlkraft für die Kirche ausgehen. Borsch tritt die Nachfolge von Weihbischof Gerd Dicke an, der nach dem Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren aus dem Amt schied.

Karl Borsch wurde 1959 in Krefeld-Hüls geboren, studierte Jura in Bonn, anschließend bis 1990 Theologie in St. Georgen und Freiburg. 1992 wurde er in Aachen zum Priester geweiht.

Nach Kaplansjahren in drei Hückelhovener Pfarren war er von 1996 bis 2002 als Sekretär von Bischof Mussinghoff in Aachen tätig. Zuletzt wirkte er als Direktor des Aachener Theologenkonviktes in Bonn.

Dank an Gerd Dicke

Mehr als 1100 Gläubige wohnten der Weihe bei, die Bischof Heinrich Mussinghoff zusammen mit dem scheidenden Weihbischof Dicke und Weihbischof Karl Reger vornahm.

In der Chorhalle hatten die Ehrengäste Platz genommen, unter ihnen der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, Bischof Jorge A. Ossa Sota als Vertreter der kolumbianischen Bischofskonferenz, der Vikarbischof der griechisch-orthodoxen Metropolie, Evmenios Tamiolakis, und der Bischof von Hasselt, Paul Schruers.

Nach dem Einzug der Geistlichen verlas Dompropst Hans Müllejans die päpstliche Ernennungsurkunde für Karl Borsch, datiert vom 21. November vergangenen Jahres. Unter dem Beifall der Anwesenden dankte Bischof Mussinghoff noch einmal dem emeritierten Weihbischof Dicke für seine Treue in 33 langen Dienstjahren.

„Suchet zuerst das Reich Gottes. Das ist der Wahlspruch unseres neuen Weihbischofs”, sagte Mussinghoff. Gottes Herrschaft und Reich bestünden jedoch nicht in militärischer Macht und wirtschaftlicher Kraft, nicht in wissenschaftlicher Überlegenheit und kultureller Fülle, sondern in der Demut und Bescheidenheit des Gottessohnes, dessen „irdisches Leben zwischen der Armut der Krippe und der Nacktheit des Kreuzes ausgespannt” sei.

„Wir spüren und ahnen heute auch als Bistum, was es heißt, an die Armutsgrenze zu geraten. Manche jagen nach Ansehen und Ruhm, nach Geld und Gut. Manche tun das auf Kosten anderer”, so der Bischof.

Nachdem der Weihekandidat mehrfach das Versprechen: „Ich bin bereit”, abgegeben hatte, legte er sich zu den Stufen des Altars flach auf den Boden und die Gläubigen baten mit der Allerheiligenlitanei um den Segen Gottes für ihn. Nach der Salbung des Weihekandidaten mit Chrisam und der Überreichung des Evangeliars verlieh ihm Mussinghoff den Bischofsstab als Zeichen des Hirtenamtes, den Ring als Zeichen der Treue und die Mitra als Zeichen der Heiligkeit.

Es war deutlich sichtbar, wie nun die innerliche Anspannung dem Neugeweihten wich und ein Lächeln zurückkehrte. Mit der Weihe ist die Ernennung zum residierenden Domkapitular verbunden. Stab, Ring und Brustkreuz wurden vom Aachener Goldschmiedemeister Hubertus Förster gefertigt.

In seiner Ansprache sagte der neue Weihbischof: „Die Bischofsweihe ist keine Auszeichnung und keine Beförderung. Sie nimmt den Geweihten wohl radikaler in den Dienst - in das Amt des Hirten”.

Hüschs Weisheiten

Karl Borsch stammt vom Niederrhein, und beim anschließenden Empfang in der Aula Carolina berief sich Generalvikar Manfred von Holtum auf den niederrheinischen Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch, der einmal schrieb: „Meine Kindheit ist ein Urwald, durch den ich mich heute noch mit mehreren Macheten durchschlage. Mit der Machete der wilden Lust, der Machete der Sanftmut und der Machete der Versöhnung.”

Die Machete der Lust werde Karl Borsch beiseitegelegt haben, mutmaßte von Holtum. „Falsch”, konterte der neue Weihbischof. „Mit großer Lust am Leben und an der neuen Aufgabe stehe ich vor Ihnen. Und ich freue mich, wenn davon etwas spürbar wird in dem, was ich sage und in dem, was ich tue.”