Aachen: Ein Haus auf 99 Pfählen

Aachen: Ein Haus auf 99 Pfählen

Was lange währt, wird endlich gut. Am, Freitag griffen der Yunus-Emre-Gemeinde-Vorsitzende Abdurrahman Kol, sein Stellvertreter Osman Haraduman, Bürgermeisterin Hilde Scheidt, DGB-Chef Ralf Woelk, die Imame Ebubekir Golpinar und Yakub Kochan beherzt zur Schüppe, um den ersten Spatenstich für den Neubau der Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße zu setzen.

Es wurde aber auch Zeit, schließlich hatte die Gemeinde mehr als zwei Jahrzehnte in einer umgebauten Tankstelle Gottesdienste abgehalten. In etwa drei Jahren soll die neue Moschee fertig sein.

„Das Yunus-Emre-Zentrum wird nicht nur als Gotteshaus dienen, es soll allen für soziale und kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen, nicht nur Muslimen”, versicherte Kol. Er bedankte sich bei allen, die den Neubau ideell und finanziell unterstützt haben, bei der Stadt und der Verwaltung besonders, „weil uns nie Stolpersteine in den Weg gelegt wurden”. Da könne sich manch andere Stadt eine Scheibe von abschneiden, sagte der Gemeindevorsitzende unter anhaltendem Beifall der vielen Gemeindemitglieder.

Vor Kols Rede sang Imam Yakub Kochan aus dem Koran einige Suren und bat danach die Stammväter Abraham, Ismael und Jakob um Unterstützung für das ehrgeizige Ziel, an der Stolberger Straße ein repräsentatives, der Architektur des Viertels angepasstes Zentrum hochzuziehen. Sogar den Propheten Isa Ben Miriam (Jesus Christus) und natürlich den Propheten Mohammed rief er um Beistand an.

Auch DGB-Chef Ralf Woelk war gekommen, um den Muslimen, von denen nicht wenige gewerkschaftlich organisiert seien, die Solidarität des DGB und der Mitgliedsgewerkschaften gegen Neonazi-Umtriebe zu versichern. Denn Neonazis haben für einen Septembertag eine Demonstration gegen den Neubau des Gotteshauses angekündigt. „Gottes Segen” wünschte Bürgermeisterin Hilde Scheidt und bedankte sich bei den Gemeindemitgliedern, dass sie 20 Jahre lang nie aufgegeben hätten. „Die Moschee wird ein Herzstück im Ostviertel werden”, daran glaubt die Grünen-Politikerin fest. Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane überbrachte die Grüße von Dekan Josef Voß, der zur gleichen Zeit mit einem protestantischen Kollegen den Tivoli einsegnete. „Gemeinsam lässt es sich einfacher und besser gehen”, lobte Mertens die Zusammenarbeit der Religionen.

Mitreißend war die Predigt von Imam Ebubekir Golpinar. Er zog die Zuhörer in seinen Bann. Die Moschee wird wegen der Bodenbeschaffenheit auf 99 Pfählen entstehen, „das sind 99 Säulen, und genauso viele schöne Namen gibt es für Allah”, sagte er. Mit donnernder Stimme fragte er in die Schar der Gläubigen: „Werdet ihr der Moschee treu bleiben oder werdet ihr weglaufen?” Ein vielstimmiges „Nein” war die Antwort. Endlich durften die Spaten eingesetzt werde, dann bohrte eine mächtige Maschine das erste von 99 Löchern für die Pfähle.