Aachen: Ein ganz besonderer Blick auf das Karlsjahr

Aachen: Ein ganz besonderer Blick auf das Karlsjahr

2014 ist Karlsjahr. Niemand kommt in diesen Tagen am großen Frankenherrscher vorbei. Ein gemeinsames Kulturprojekt von Theater K und Domkeller lädt sogar dazu ein, selbst in die Rolle von Karl dem Großen zu schlüpfen. „Being Charlemagne“ heißt das Projekt. „Nimm die Insignien der Macht und stell dir vor: Du bist Karl.“, steht im Untertitel. Für das Projekt wurde in der Galerie S neben dem Domkeller eine „Karls-Box“ aufgebaut.

Aachener und auswärtige Besucher können auf dem nachgebauten Thron Platz nehmen, sich die Krone aufsetzen und als Karl filmen lassen. „Das Projekt ist für viele Interpretationen offen“, erklärt Annette Schmidt vom Theater K das Konzept. „Es ist möglich, Karl in seinem historischen Kontext zu sehen. Man kann ihn alternativ aber auch die aktuelle Lage kommentieren lassen.“ Sie selbst, erzählt Schmidt, habe bei der Vorbereitung gemerkt, wie viele Lesarten der Charakter zulässt, wie „weich die Geschichte in der Auslegung ist. Das geht schon mit der Beschreibung seines Aussehens los.“

Ein Update für die Figur

Mitorganisator Milos Sous betreut das Kulturprogramm des Domkellers und die Hofkonzerte sowie die Galerie S. Er fügt hinzu:„Wir kennen so viele Deutungen von Karl dem Großen, auch Missdeutungen und Missbrauch. Bei diesem Projekt bekommen Besucher die Möglichkeit, ihr persönliches Update zu dieser Figur zu schaffen.“ Den Thron gestaltete Mohammed Ahmad, außerdem ergänzen zwei Kunstwerke die Karls-Box. Vera Sous schuf ein Wappen, das ein Schweinekopf und Schweinepfoten auf purpurfarbenem Samt zieren. Stefan Brasse schuf ein Tableau, das den berühmten Karlsthron im Dom in seine Einzelteile zerlegt.

Das Kunstprojekt „Being Charlemagne“ ist zweigeteilt. Im ersten Teil, der am kommenden Freitagabend startet, begeben sich Schmidt und Sous auf die Recherche nach dem Karlsbild der Aachener. Bis August ist die Karls-Box an verschiedenen Aktionstagen geöffnet, die Ergebnisse werden jeden Abend mit Einsetzen der Dämmerung auf dem Hof auf eine Leinwand projiziert.

Dieser Teil der Arbeit fließt auch in den zweiten Teil ein, der ab August als multimediale Tanz-Theater-Performance im „Space“ des Ludwig Forums zu sehen ist. Kurz vor Beginn des Projektes ist die Anspannung bei beiden groß. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Schmidt. Doch was ist, wenn den Aachenern selbst wenig Erhellendes zu ihrem großen Stadt-Patron einfällt? „Dann ist das eben das Ergebnis der Recherche“, meint Annette Schmidt.

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