Schleiden: Ein Festakt mit großer Symbolkraft

Schleiden : Ein Festakt mit großer Symbolkraft

Es war ein wenig formeller Festakt mit großer Symbolkraft, als sich am Neujahrstag die Schranke am Wachhäuschen zur früheren NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel hob.

Hier hatten vor zwei Wochen noch belgische Soldaten Dienst geschoben. Damit wurden der Truppenübungsplatz und die Ordensburg nach 60-jähriger militärischer Nutzung für Besucher freigegeben. Der bisher gesperrte Truppenübungsplatz macht etwa ein Drittel des Nationalparks Eifel aus.

Nach dem Abzug des belgischen Militärs wird die zivile Nutzung nun gemeinsam mit dem Nationalpark aufgebaut. In die von den Nazis als Eliteschule gebaute frühere „Ordensburg” ziehen unter anderem die Nationalparkverwaltung und ein Besucherzentrum ein.

„Guter Tag für Region”

„Der 1. Januar 2006 ist ein guter Tag für die Region”, rief der „Konversions-Mann” beim Kreis Euskirchen, Manfred Poth, in das Megafon. Trotz aller Zweifel sei die nahtlose zivile Anschlussnutzung gelungen. Bis zur Auslastung der 70.000 Quadratmeter Nutzfläche ist es noch ein weiter Weg: Die ersten Projekte sollen in zwei Jahren umgesetzt sein.

Ordensburg und Truppenübungsplatz sind mit dem Abzug der Belgier Eigentum des Bundes. Neue Nutzungen werden mit dem Bund in einzelnen Vereinbarungen geregelt.

Zu den ersten Besuchern am „Tag eins nach dem belgischen Militär” zählte Karl Heup. Für ihn war es ein ganz besonderer Tag. Er braucht jetzt niemanden mehr um Erlaubnis zu fragen, wenn er sein Heimatdorf Wollseifen - vielmehr das, was davon übrig ist - besuchen will.

„Es ist ein besonderes Gefühl”, sagt er. Als die Briten vor 60 Jahren Burg Vogelsang als Stützpunkt übernahmen und das Gelände für den Truppenübungsplatz beschlagnahmten, störte das Dorf Wollseifen, das mitten in dem Areal lag. Die rund 550 Bewohner erhielten den Befehl, ihre Häuser in drei Wochen zu räumen.

„Der Krieg war zu Ende, keiner hatte gedacht, dass wir da noch weg mussten”, erinnert sich Heup an dieses prägende Ereignis seiner Kindheit. Vom Dorf stehen noch Reste der Kirche, der Schule und eines Trafogebäudes. Die Häuser wurden bei militärischen Übungen zerschossen.

Während andere Besucher in Richtung Ordensburg strömten, hatten die Wollseifener an diesem denkwürdigen Neujahrstag ihr eigenes Programm. „Wir werden gleich nach Wollseifen gehen”, sagte Heup.

Andere Besucher schlossen sich geführten Wanderungen mit Nationalpark-Rangern an. Dort, wo früher die Panzer über das 33 Quadratkilometer große Gelände donnerten, erstreckt sich ein neues Wanderwegenetz über rund 50 Kilometer. Für die Nutzung gibt es strenge Regeln. An die Markierung mit Pflöcken müssen sich die Wanderer strikt halten: Außerhalb der Wege könnte Munition herumliegen.

Die Rundgänge über das Areal der ehemaligen Ordensburg unter sachkundiger Führung gehören jetzt zum festen Angebot. Es ist ein Anfang. Doch bis zu den angestrebten 300.000 Besuchern pro Jahr auf der Burg ist es noch ein langer Weg.