Aachen/Übach-Palenberg: Ein fast unglaubliches Fahndungsfoto

Aachen/Übach-Palenberg: Ein fast unglaubliches Fahndungsfoto

Ein fast unglaubliches Fahndungsfoto auf der fieberhaften Suche nach einem Serienvergewaltiger beweist, wie sicher sich der Täter fühlt: Er ist inzwischen derart enthemmt, dass er mit bereits komplett entblößtem Unterkörper durch eine Stadt streift, um sich sein nächstes Opfer zu suchen.

Die Ermittler sind in großer Sorge, denn dieser Täter geht mit jeder Tat skrupelloser vor. Am Mittwochabend wurde der Fall des Mannes, der einmal in Aachen und einmal Übach-Palenberg versucht hat, eine Frau zu vergewaltigen, und es in Aachen einmal geschafft hat, mit einem ausführlichen Filmbeitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ vorgestellt.

Wer kennt diesen Mann? So soll der Serienvergewaltiger aussehen. Die Opfer beschrieben ihn allerdings teilweise unterschiedlich. Foto: Polizei

Der Täter müsse so schnell wie möglich gefasst werden, sagt Dietmar Stückmann, Aachener Kriminalhauptkommissar, im ZDF-Studio: „Es ist zu befürchten, dass er bald wieder zuschlägt.“ Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass er bereits häufiger zugeschlagen hat, als bislang bekannt ist, weil Opfer aus Scham nicht zur Polizei gegangen sind oder die Ermittler eine Tat noch nicht diesem Täter zugeordnet hätten. Stückmann appellierte an möglicherweise betroffene Frauen, sich bei der Polizei zu melden.

Hinweise erhofft sich die Polizei auch darauf, wie der Mann sich bewegt: Hat er ein Auto? Nutzt er Bus und Bahn? Auszuschließen sei nicht, dass es sich um einen Niederländer handele — alle drei Tatorte liegen in unmittelbarer Nähe zur Grenze.

Bei seinem bislang letzten Übergriff schlug der Täter in Übach-Palenberg zu. Es ist der 25. März 2015. Die Szene, die die Überwachungskamera einer Spielhalle gegen 23 Uhr festgehalten hat, zeigt die fast unglaubliche Situation: Der Mann hält seine Hose inklusive Unterwäsche offenbar schon in der linken Hand. Zielsicher geht er kurz vor 23 Uhr einen gut beleuchteten Fußweg entlang — nur drei Meter von seinem späteren Opfer entfernt, das er bereits fest im Visier hat.

Die junge Frau ist gerade auf dem Weg nach Hause. Sie geht über die Straße und telefoniert mit ihrem Freund, bewegt sich mehr und mehr auf ihren späteren Peiniger zu, bemerkt den halbnackten Mann neben sich aber gar nicht. Kurz nachdem die beiden aus dem Aufnahmebereich der Überwachungskamera verschwinden, fällt der Mann sie an und versucht, sie zu vergewaltigen. Sie schreit so laut, dass ein Anwohner sie hört und ihr zu Hilfe eilt. Der Täter entkommt.

Die Spurenlage ist eindeutig: Es ist der gleiche Mann, dessen Spuren schon bei zwei Vorfällen in Aachen genommen worden waren. Doch die Ermittler sehen sich mit einer für sie vollkommen neuen Sachlage konfrontiert: Dass der Täter bereits halbnackt Ausschau nach einem Opfer halte, sei neu, sagt Stückmann. Ungewöhnlich sei aber auch, dass er dabei zu einer Zeit vor einer Spielhalle vorbeigeht, die noch geöffnet ist. „Er musste jederzeit damit rechnen, dass Kunden kommen.“ Dieses Risiko hat er offenbar in Kauf genommen.

Die Eskalation im Vergleich zum Vorgehen bei den vorherigen beiden Fällen in Aachen ist unübersehbar. Beim ersten Mal, etwa ein Jahr zuvor am 17. April 2014, wird eine 17-jährige Schülerin in Aachen-Richterich kurz vor Mitternacht von ihm verfolgt. Als er sie eingeholt hat, sieht sie, wie er sich selbst befriedigt. Angewidert will sie fliehen. Erst da packt er sie und versucht, sie zu vergewaltigen. Heftige Gegenwehr durch die Schülerin genügt, um den Angriff abzuwehren.

Ein halbes Jahr später, am 26. Oktober, gelingt das einer 25-jährigen Studentin am Rande der Aachener Vaalser Straße nicht. Sie wird auf der vielbefahrenen Straße an einem Parkplatz eines Blumengeschäfts nahe des Westfriedhofs in ein Gebüsch gestoßen und dort trotz Gegenwehr brutal vergewaltigt. Als der Mann von ihr ablässt, flüchtet sie und stoppt halbnackt und völlig aufgelöst ein vorbeifahrendes Auto. Der Täter entkommt.

1500 Euro Belohnung

Auf Hinweise zu seiner Ergreifung hat die Staatsanwaltschaft Aachen eine Belohnung von 1500 Euro ausgesetzt. Bei der Beschreibung des Täters gibt es laut Polizei widersprüchliche Angaben. Eine Frau ist sich sicher, dass der Täter Deutscher ist, die anderen sprechen von einem südländischen Akzent. Eindeutiger sind die Angaben zur Größe von etwa 1,75 Meter, der sportlich-kräftigen Figur und dem Alter von 25 bis 30 Jahren. Hinweise werden unter Telefon 0241/9577-88990 erbeten.

Mehr von Aachener Zeitung