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„Maske 19“: Ein Codewort gegen häusliche Gewalt

„Maske 19“ : Ein Codewort gegen häusliche Gewalt

Ein Projekt zum Schutz vor häuslicher Gewalt: Wer künftig „Maske 19“ sagt, soll in NRW etwa in Apotheken Hilfe erhalten.

Finanzielle Sorgen, Kurzarbeit, Zusammensein auf engem Raum. Die Einschränkungen während der Coronavirus-Pandemie haben wohl zu mehr Fällen häuslicher Gewalt geführt. Jedenfalls legen das Umfragen und Berichte der Telefonseelsorge nahe. In einer wissenschaftlichen Online-Befragung berichteten 3,1 Prozent von rund 4000 Frauen, in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen mindestens eine körperliche Auseinandersetzung erlebt zu haben, etwa Schläge. Ähnlich viele Frauen gaben an, vergewaltigt worden zu sein. Bei 6,5 Prozent wurde die Kinder den Aussagen der Mütter zufolge gewalttätig bestraft.

Die NRW-Landesregierung will nun mit einem aus anderen Ländern bekannten Angebot Betroffenen in Not helfen. Der Landtag nahm in dieser Woche einen Antrag der Fraktionen von CDU- und FDP dazu an. Er sieht vor, dass die Landesregierung ein Modellprojekten mit dem Codewort „Maske 19“ wie in anderen europäischen Ländern anzustoßen.

In Spanien können Opfer ein Codewort („Mascarilla19“) in jeder Apotheke und auch in vielen Supermärkten nennen und so auf ihre Situation aufmerksam machen. Den Code „Mascarilla 19“ versteht dort jeder Apotheker, der daraufhin per Notruf die Behörden alarmiert. Auch in Frankreich und Belgien gilt das Codewort längst in Supermärkten und in der Apotheke.

Betroffene – insbesondere sind es Frauen und Mädchen – sollen auch in Deutschland mit der Nennung des Codeworts „Maske 19“ in Apotheken oder beim Friseur auf ihre Notsituation aufmerksam machen. Die Polizei werde dann umgehend informiert.

Das sei wichtig, weil viele Opfer nicht wüssten, woher sie Hilfe bekommen können, sagt Heike Troles, frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. „Obwohl sich die Zahlen häuslicher Gewalt in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Monaten nicht erhöht haben, ist es geboten, weitere Präventionsmaßnahmen zu schaffen.“ Gerade in der Sondersituation der Corona-Krise, aber auch darüber hinaus, „müssen wir Betroffenen die Möglichkeit geben, Hilfsprogramme so niederschwellig wie möglich in Anspruch nehmen zu können“.

Eine ähnliche Idee gibt es in NRW bereits: Das Projekt „Ist Luisa hier?“ hat seit 2016 ist mittlerweile in mehr als 40 Kommunen aktiv und kann als Kampagnenvorlage dienen, um demnächst in NRW „Maske 19“ als Codewort zu etablieren. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich Gäste in Bars und Clubs an das Personal wenden, wenn sie sich belästigt oder bedroht fühlen, um ohne weitere Erklärung Hilfe zu erhalten.