Region: Ein besonderer Geburtstag: Der Aachener Tierpark wird 50 Jahre alt

Region: Ein besonderer Geburtstag: Der Aachener Tierpark wird 50 Jahre alt

Wenn er so neben den Hängebauchschweinen hockt, dann könnte er fast neidisch werden, so sehr genießen sie das Hier und Jetzt. Dreckig, grunzend, mit dem voluminösen Bauch über den Boden schrappend sind sie zwar nicht von ausgesuchter Schönheit, aber immer glücklich und zufrieden.

„Sie sind einfach die pure Gemütlichkeit“, sagt Wolfram Graf-Rudolf und schaut ihnen zu, wie sie hingebungsvoll im Obstteller wühlen. Die machen sich keinen Kopf um irgendetwas. Und genau darin unterscheiden sich die schwarzen Borstentiere von „ihrem“ Zoodirektor.

Bildnummer: 60682684 Datum: 06.11.2013 Copyright: imago/blickwinkel Erdmaennchen, Surikate (Suricata suricatta), im Morgenlicht, Namibia, Keetmanshoop suricate, slender-tailed meerkat (Suricata suricatta), in morning light, Namibia, Keetmanshoop BLWS350322 x0x xkg 2013 hoch Tier Tiere Saeugetier Saeugetiere Raubtier Raubtiere Schleichkatze Schleichkatzen Erdmaennchen Afrika afrikanisch suedliches Afrika Suedwestafrika suedwestafrikanisch Namibia namibisch Surikate Natur Einzeltier einzelnes Tier einzelne Tiere ein Tier 1 Tier einzeln einzelne einzelner einzelnes Ganzkoerperportraet Ganzkoerperportraets Ganzkoerperportrait Ganzkoerperportraits Ganzkoerperansicht Ganzkoerperansichten Wildlife Wildtier Wildtiere Fauna Nahaufnahme Nahaufnahmen Wachsamkeit wachsam wachsame wachsamer wachsames Maennchen machen macht Maennchen aufrecht aufrecht stehen aufrecht stehend sonnig sonnige sonniges sonniger in der Sonne im Sonnenschein Sonnenschein Licht und Schatten Hochformat Seitenansicht von der Seite seitlich Blickkontakt Blick zur Kamera Blick in Kamera animal animals mammal mammals carnivor carnivores beast of prey beasts of prey predator predators viverrid viverrids suricate suricates slender-tailed meerkat slender-tailed meerkats Africa African Southern Africa Southwest Africa South West African Namibian nature one animal single animal single animals 1 animal full-length portrait full-length portraits full length wild animal wild animals undefined closeup closeups close up close ups close-up view watchfulness watchful sit up and beg sitting up and begging sitting up on its hind legs sitting up on the hind legs grovelling erect standing erect erected standing erected sunny sunshiny sunnily sunshine light and shadow vertical format side view lateral eye contact looking at camera looking toward camera 60682684 Date 06 11 2013 Copyright Imago Angle Erdmaennchen Surikate Suricata suricatta in Morning light Namibia Keetmanshoop suricate Slender Tailed Meerkat Suricata suricatta in Morning Light Namibia Keetmanshoop x0x xkg 2013 vertical Animal Animals Mammal Mammals Predator Predators Schleich cat Schleich cats Erdmaennchen Africa African south Africa South West Africa South West Namibia namibisch Surikate Nature Individual animal single Animal Individuals Animals a Animal 1 Animal single Individuals single single Ganzkoerperportraet Ganzkoerperportraets ganzkoerperportrait ganzkoerperportraits Ganzkoerperansicht Wildlife Wild animal Wild animals Fauna Close-up Close-ups Vigilance vigilant Wachsame Growing Amer watchful Males make makes Males upright upright Stand upright standing Sunny sunny sunny Sunny in the Sun in Sunshine Sunshine Light and Shadow Portrait Side view from the Side the side Eye contact Glance to Camera Glance in Camera Animal Animals Mammal mammals Carnivor Beast of Prey Beasts of Prey Predator Predators viverrid viverrids suricate Suricates Slender Tailed Meerkat Slender Tailed Mezereon Meerkats Africa African Southern Africa Southwest Africa South WEST African Namibian Nature One Animal Single Animal Single Animals 1 Animal Full length Portrait Full length Portraits Full length Wild Animal Wild Animals undefined closeup Closeups Close up Close Oops Close up View watchfulness Watchful Sit up and Beg Sitting up and begging Sitting up ON its Hind Legs Sitting up ON The Hind Legs groveling erect thing erect erected thing erected Sunny sunshiny Sunshine Light and Shadow Vertical Format Side View Lateral Eye Contact Looking AT Camera Looking Toward Camera

Vor genau 50 Jahren, am 22. Oktober 1966, wurde der Tierpark im Drimborner Wäldchen eröffnet. Heute ist der Euregio-Zoo Treffpunkt für kleine und große Aachener, ein soziales Zentrum, mit dem mehr als 130 Vereine vernetzt sind, eine grüne Oase im Osten der Stadt und Wohnort von 890 Tieren.

Anforderungen verändert

Und auch wenn die Ziegen, Beos, Schildkröten und der Helmkasuar noch immer dort wohnen, so hat sich das Gesicht des Parks doch in den vergangenen 50 Jahren extrem gewandelt.

Die Anforderungen an Zoos haben sich in diesen 50 Jahren verändert. Das Tier als Ausstellungsstück hinter Gittern gehört der Vergangenheit an, stattdessen dürfen Besucher die Tiere in einem natürlichen Lebensraum beobachten. Dieser Entwicklung ist der Aachener Zoo beispielhaft gefolgt und hat dafür einige Auszeichnungen erhalten: 2004 listet Greenpeace den Aachener Zoo unter den besten 22 Zoos in Deutschland, der Schweiz und Österreich auf.

2007 wird der Tierpark in den Verband der Zoologischen Gärten aufgenommen, in den nur wissenschaftlich geführte Zoos mit strengen Artenschutzrichtlinien und Zuchtprogrammen kommen. Die hügelige Geparden-Anlage mit der afrikanischen Bambushütte erhält 2015 den „Biber“ des Berufsverbandes der Zootierpfleger.

Für Wolfram Graf-Rudolf, seit 2000 Direktor des Aachener Tierparks, sind das Ehrungen, die ihn in seiner Arbeit unterstützen und ihn in dem Weg bestärken, den er vor mehr als 15 Jahren mit seinem 30-köpfigen Team eingeschlagen hat. „Für mich stehen die Tiere immer an erster Stelle“, sagt der gelernte Tierpfleger. „Auch wenn das arrogant klingt, ich baue die Gehege nicht für die Besucher, sondern für die Bewohner.“

Dass er mit diesem Konzept Menschen anzieht, ist ein positiver Effekt: Die Besucherzahlen haben sich innerhalb von 15 Jahren auf 400.000 Besucher pro Jahr verdoppelt. Längst ist der Euregio-Zoo nicht nur bei den Aachenern beliebt, es kommen Familien aus den Nachbarländern, dem Heinsberger Raum oder aus Düren.

Dabei gibt keine anspruchsvollen Großtiere, keine Giraffen, keine Elefanten und auch keine Tiger. „Das gefährlichste, was wir haben, ist der Helmkasuar, und unsere größten Tiere sind die Kamele“, sagt Graf-Rudolf. Spektakulär sieht anders aus.

Der Aachener Zoo will sich aber auch nicht mit den großen Zoos im Ruhrgebiet, in Köln oder Düsseldorf messen. Kapuzineraffen statt Gorillas, Geparden statt Löwen. Und anstatt auf das immergleiche Repertoire in den kleineren Zoos zu setzen, sucht Wolfram Graf-Rudolf nach dem Originellen, das aber auch praktikabel und nicht zu kostenintensiv ist.

Verein gründet sich 1960

Dass der heutige Park so erfolgreich ist, ist aber nicht nur dem jetzigen Zoodirektor zu verdanken, sondern den ganzen Mitstreitern, die in den Jahrzehnten zuvor die Grundlage für das heutige Gelände gelegt haben. Schon 1960 gründet sich der Verein der Tierparkfreunde im Ausflugslokal Drimborner Wäldchen.

Drei Jahre lang legt sich der Verein ins Zeug, bis die Stadt den Tierfreunden das Areal überlässt. 1964 beginnt der Verein mit dem Anlegen der Gehege und Wege auf gerade mal einem Zehntel der Fläche und kann den Tierpark 1966 eröffnen — mit Fasanen, Ziegen, Schafen, Damhirschen, Eseln und sogar einem indischen Zeburind.

Im Aufwind befindet sich der Park auch durch den Einfluss des Aufsichtsratsvorsitzendem Franz Stettner (ab 1977 Zoodirektor). Der Bürgermeister und Landtagsabgeordnete hat einen großen Anteil daran, dass die Stadt schon 1971 eine Vergrößerung des Parks bewilligt. Er gründet den ersten Kinderbauernhof auf dem Gelände und setzt auf pädagogische Ideen wie die Zooschule.

Als Wolfram Graf-Rudolf 2000 das Amt übernimmt, hat er ein eigenes Konzept schon im Kopf. Und er weiß, wie man es umsetzen kann. Womit man Medienrummel erzeugt, das hat der Macher raus. 2000 spielen die Menschen wie verrückt das Mohrhuhnspiel am Computer. Ein Stall mit ein paar echten schottischen Mohrhühnern in Aachen (die natürlich niemand abballern darf) sorgt für so viel Aufmerksamkeit, dass die Besucher strömen und sogar der Erfinder des Spiels den Tierpark besucht.

Das Mohrhuhn war eher ein gelungener Werbegag, doch auch die Tiere, die später dazukommen, wie die Erdmännchen, Waschbären, die Zebramangusten oder die Brillenpinguine, zeigen, wohin der Weg führt. Tiere, die sich leicht beheimaten lassen, die nicht zu hohe Ansprüche haben, dafür aber den Besuchern viel Spaß beim Beobachten machen.

Regenwürmer ausbuddeln

Heute findet der Besucher im Tierpark Arten vor, die er früher überhaupt nicht kannte. Wer interessierte sich vor ein paar Jahren schon für das Sozialverhalten von Erdmännchen oder für die kleinen südafrikanische Brillenpinguine, wie sie nach Fischen tauchen? In Aachen sind Gruppentiere heimisch geworden, die zwar nicht besonders viele Zentimeter groß sind, dafür aber ein reiches Feld für Beobachtung bieten.

Eine Viertelstunde vor dem Gehege der Kapuzineräffchen, und man weiß, wie viel Vergnügen es machen kann, sich durch die Erde zu wühlen und Regenwürmer aus dem Boden zu ziehen. Und wer bis dahin noch nicht wusste, wer hier das Sagen hat, dem wird es spätestens beim Anblick von Frederik klar. Erst wackelt er kontaktfreudig mit den Augenbrauen.

Und wenn der Rudelführer sicher ist, dass man guckt, legt er mit seiner Imponiershow los und lässt alles spielen, was er an Muckis zu bieten hat. Wahrlich, man muss kein Gorilla sein!

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