1. Region

RWTH Aachen: Ein besonderer Gast zur 100. Vorlesung der Kinderuni

RWTH Aachen : Ein besonderer Gast zur 100. Vorlesung der Kinderuni

Im Rahmen der Kinderuni hat Armin Maiwald einen Vortrag zum Thema „Verbindungen“ im Gepäck. Der Maus-Miterfinder möchte Kindern die Augen öffnen – aber auch Spaß steht auf der Tagesordnung.

Geklebt, genietet oder gefaltet – es gibt Tausende Möglichkeiten, Dinge miteinander zu verbinden. Doch wie halten sie zusammen? Das ist eine spannende Frage, die Armin Maiwald am Freitag, 21. Oktober, an der RWTH angehen wird. Im Rahmen der Kinderuni hält er die 100. Vorlesung zum Thema Verbindungen.

Die Idee für das Vorlesungsthema beruht auf einer langen Geschichte. Vor vielen Jahren hatte Maiwald einen Lehrauftrag an der Hochschule für Künste in Berlin, wo die Studierenden etwas über Verbindungen lernen sollten. „Damals habe ich die Studierenden aufgefordert, herauszufinden, aus wie vielen unterschiedlichen Verbindungen ein normales Feuerzeug besteht. Was dabei herauskam, war recht erstaunlich“, erzählt der 82-Jährige und erinnert sich, dass das eine recht schwierige Angelegenheit war. Da Verbindungen allen im Alltag ständig begegnen und gleichermaßen betreffen, kam der Gedanke, das Thema an der RWTH Aachen aufzugreifen.

Komplexe Themen so herunterzubrechen, dass sie jeder versteht – das ist eine Stärke von Armin Maiwald. Angefangen als Mann hinter der Kamera, als Regisseur und Autor, wurde er später zu der Figur und Stimme, die die Geschichten der „Sendung mit der Maus“ erzählt. Basis für jede Sendung und jeden Film ist eine solide Recherche, aus der eine Geschichte gebastelt wird.

„Die Herausforderung bei so einem jungen Publikum ist, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Da wir nicht voraussetzen können, dass ein Kind alle Sendungen gesehen hat, müssen wir jedes Mal wieder bei null anfangen“, sagt Maiwald. Daher müsse auf die Reihenfolge der Bilder und Sätze genau geachtet werden: „Wir gehen immer von etwas Bekanntem aus und gehen dann Stück für Stück ins Unbekannte.“

Fragen hat der 82-Jährige schon viele beantwortet. Die Neugier der Kinder, die Welt zu erforschen, sei immer sehr groß gewesen, sodass auch heute noch nach jeder Sendung zwischen 1000 und 2000 Zuschriften – die allesamt mithilfe des Zuschauerbüros beantwortet werden – mit neuen, aber bereits gestellten Fragen an die Macher geschickt werden.

Los ging es vor knapp 50 Jahren mit ganz einfachen Fragen, die dann im Laufe der Zeit immer komplizierter wurden. So habe sich die Neugier mit der fortschreitenden Digitalisierung und Technisierung etwas mehr auf neue, andere Dinge fokussiert, beispielsweise auf die Funktionsweise eines Computers oder des Internets, und weniger auf das „alltägliche Leben“.

Dass Fragen zweimal im Rahmen der „Sendung mit der Maus“ beantwortet werden, kann Maiwald nicht ausschließen: „Manche Themen wie zum Beispiel Atomkraft sind ziemlich kompliziert und können unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Aber es gibt auch Fragen, auf die die Antwort heute eine andere ist als vor 40 Jahren. In der Sparte ,Früher-Heute-Geschichten‘ wurde beispielsweise vor ein paar Wochen gezeigt, wie sich die Herstellung eines Autoreifens entwickelt hat“, sagt der Maus-Miterfinder: „Da die Dinge sich immer weiterentwickeln und man auch nicht alles wissen kann, ist keine Frage unnötig.“

Obwohl die Sendung nur 30 Minuten dauert, ist deren Produktion sehr aufwendig. Die Recherche kann je nach Thema über mehrere Monate dauern. Daraus eine verständliche Geschichte zu erzählen, ist ebenso kompliziert. Daher werden einfache und komplizierte Fragen abwechselnd beantwortet. Der Film mit der längsten Recherche war folgender: „Was macht Vitamin C mit meinem Körper?“ Rund drei Jahre Vorbereitung seien notwendig gewesen, um an das klinische Wissen zu gelangen und Proben unter dem Mikroskop zeigen zu können. „Der Dreh hat – nachdem alles vorbereitet war – nur drei Tage gedauert.“

Eine große Hilfe im Rahmen der Recherchen war hin und wieder auch die RWTH Aachen. „Immer, wenn die Fachkompetenz der Universität benötigt wurde, sind wir auf offene Türen gestoßen“, sagt Maiwald. Dass der 82-Jährige mit dem Ehrendoktor der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH ausgezeichnet wird, – oder beschenkt wird, wie er selbst sagt – kam dennoch sehr überraschend. „Die Maus, die vor 50 Jahren erfunden wurde, hat einen großen Anteil an der Weiterentwicklung und Existenz von Technikwissenschaften“, sagt RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger. Mit dieser Auszeichnung wird Maiwalds außergewöhnliche Leistung im Bereich Maschinenwesen sowie sein gesamtes Lebenswerk gewürdigt. Maßgeblich für diese Entscheidung war zudem sein gesellschaftlicher Beitrag und Engagement.

In diesem Zusammenhang sei die Idee entstanden, dass Maiwald im Rahmen der Auszeichnung die Kinderuni-Vorlesung halten könnte. „Als Vater und Erfinder der ,Sendung mit der Maus‘ ist Herr Maiwald geradezu prädestiniert, die Vorlesung zu halten. Die Maus mit den Lach- und Sachgeschichten hat von Anbeginn an technische Zusammenhänge erklärt und viele junge Menschen für Technik begeistert“, sagt Rüdiger. Darüber hinaus erklärt der Maus-Miterfinder Kindern schon seit mehr als 50 Jahren die Welt und ihre Funktionsweise.

Auch wenn die naturwissenschaftlichen Studiengänge an der RWTH sehr beliebt sind, stehen die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) oftmals im Hintergrund, weil das Interesse an damit verbundene Themen bei vielen nicht so vorhanden ist. In Zukunft werden aber Menschen gebraucht, die sich mit Technik und allem, was damit verbunden ist, auseinandersetzen. „Mit der Vorlesung möchte ich versuchen, den Kindern die Augen zu öffnen, so dass sie ihre Umwelt genauer betrachten und sich darüber Gedanken machen, wie die Dinge zusammengehalten werden“, sagt Maiwald. Die Umgebung und die Dinge, die um den Menschen herum passieren, sollten nicht für selbstverständlich gehalten werden. Daher sei es essenziell, auch schon kleinen Kindern große, komplexe Themen vorsichtig näherzubringen.

Die wichtigste Voraussetzung ist aber, dass die Kinder bei der Vorlesung Spaß haben. „Wenn Kinder hinterher auch nur ein Stichwort aus der Veranstaltung mitnehmen, von dem sie vorher noch nichts gewusst haben, dann habe ich schon etwas erreicht. Je mehr hängen bleibt, desto besser“, sagt der 82-Jährige und weist darauf hin, dass die Kinder an dem Nachmittag nicht zwingend etwas lernen müssen. Genau wie bei der „Sendung mit der Maus“ werden nur Anregungen gegeben, sich die Welt genauer anzuschauen. Wie das Programm am Freitag genau aussieht und was er mit den Kindern genau vorhat, wollte Maiwald noch nicht verraten.