Loveparade-Prozess: Ein Angeklagter lehnt Einstellung des Verfahrens ab

Loveparade-Prozess : Ein Angeklagter lehnt Einstellung des Verfahrens ab

Der Loveparade-Prozess wird trotz der vom Gericht vorgeschlagenen Verfahrenseinstellung möglicherweise fortgesetzt. Am Mittwoch wurde bekannt, dass einer der zehn Angeklagten den Vorschlag des Gerichts, das Verfahren einzustellen, ablehnt.

Dessen Anwalt habe für den Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent erklärt, dass dieser sich keine Einstellung des Verfahrens vorstellen könne - weder mit noch ohne Geldzahlung, sagte der Sprecher des Landgerichts Duisburg, Matthias Breidenstein, in Düsseldorf.

Das Gericht hatte vor zwei Wochen nach 96 Verhandlungstagen eine Einstellung des Verfahrens vorgeschlagen. Begründung war unter anderem, dass nach dem bisherigen Verlauf die individuelle Schuld der Angeklagten als gering oder allenfalls mittelschwer anzusehen sei.

Bis einschließlich 5. Februar haben Staatsanwaltschaft und die Angeklagten noch Zeit, sich zu dem Vorschlag zu äußern. Der Lopavent-Mitarbeiter ist der erste Beteiligte, der sich öffentlich dazu positioniert. Das Gericht kann das Verfahren in jedem einzelnen Fall nur mit der Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten einstellen, wie der Sprecher weiter erläuterte. Im Fall des Lopavent-Mitarbeiters würde daher das Verfahren gegen ihn in jedem Fall weitergeführt, sollte er bei seiner Ansicht bleiben.

Neben Planungsfehlern hält das Gericht ein kollektives Versagen vieler Personen am Veranstaltungstag mitverantwortlich für das Unglück. Als Beispiele nannte das Gericht Mitte Januar die Einrichtung einer Polizeikette auf der Zugangsrampe, nicht abgestimmte Öffnungen der Vereinzelungsanlagen sowie Entscheidungen am Veranstaltungstag entgegen vorheriger Absprachen. „Es gibt ganz viele Schuldige“, hatte der Vorsitzende Richter Mario Plein als weitere Begründung für den Einstellungsvorschlag genannt.

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg gab es am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände ein so großes Gedränge, dass 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt wurden. Seit Dezember 2017 läuft gegen sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters ein Strafprozess. Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten findet die Hauptverhandlung in einem Düsseldorfer Kongresssaal statt.

(dpa)
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