Aachener Bergsteiger in den Alpen verunglückt: Ein Absturz, den keiner fassen kann

Aachener Bergsteiger in den Alpen verunglückt : Ein Absturz, den keiner fassen kann

Daniel Krommen war ein erfahrener Bergsteiger und Klettertrainer im Alpenverein Aachen. In der vergangenen Woche ist der erfahrene Sportkletterer in den Südtiroler Alpen ums Leben gekommen. Der Schock sitzt tief.

Die Mitglieder der Aachener Sektion des Deutschen Alpenvereins sind schockiert. „Mit großem Schreck und schwerem Herzen“ nehmen sie auf ihrer Internetseite Abschied von Daniel Krommen (37), der am Freitag voriger Woche am Ortler abgestürzt ist.

Der Aachener war ein erfahrener Sportkletterer, trainierte die Kadergruppe für den Landesverband NRW, arbeitete in der Kletterhalle in Aachen und machte regelmäßig Hochtouren in den Alpen. Seine Freunde können nicht fassen, dass ausgerechnet er abgestürzt ist. „Wir wundern uns alle“, sagt Nils Giesbertz, beim DAV in Aachen ebenfalls bei den Sportkletterern engagiert. „Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung war er dieser Tour locker gewachsen“, sagt Jochen Schäfer, Leiter der Aachener Kletterhalle. Und, was beiden wichtig ist: „Er war kein Draufgänger.“

Die Route gilt als leichte Hochtour

Am Donnerstag vor einer Woche war Daniel Krommen zusammen mit seinem Dürener Kletterpartner (22) in Südtirol in die Ortler-Tour eingestiegen. Geplant war eine Überschreitung des 3905 Meter hohen Berges über den Hintergrat. Die Route dauert elf Stunden, verlangt deswegen viel Kondition und Trittsicherheit im Fels, wird aber in Routenführern für Hochgebirgstouren in die Kategorie „leicht“ eingeordnet. Es gibt nur wenige Kletterpassagen, meist geht man ohne Seilsicherung auf altem, festen Schnee oder steigt in felsigem Gelände aufwärts. Eine beliebte Tour. „Der Hintergrat ist in der Regel sehr überlaufen“, warnt die Routenplaner-Webseite bergsteigen.com.

Am Ortler tödlich verunglückt: Der erfahrene Aachener Bergsteiger Daniel Krommen, Sportklettertrainer im Alpenverein. Das Bild, das seine Ehefrau uns zum Abdruck zur Verfügung gestellt hat, zeigt ihn auf einem Fernwanderweg auf Island. Foto: privat/DAV

Daniel Krommen und sein Partner stiegen am ersten Tag bis zur Hintergrat-Hütte auf, um am nächsten Morgen früh – noch im Dunkeln – in die lange Tour starten zu können. „Vor dem Start haben sie in die Wetter-App geschaut“, sagt Schäfer. So hat es ihm der 22-jährige Dürener nachher erzählt. Die Wettervorhersage sei nicht gut gewesen. Aber erst am späten Nachmittag sollte demnach das wirklich schlechte Wetter mit Nebel und Schnee in den Höhen über 2350 Metern einsetzen. Bei einer Elf-Stunden-Tour wären sie da längst wieder unten gewesen. Auch der Hüttenwirt habe sie nicht von ihrer Tour abgehalten. „Beide sind keine Draufgänger“, sagt Schäfer. „Und beide haben schon Touren abgebrochen, wenn es nicht passte.“

An diesem Morgen gingen sie los, brachten alle schwierigen Schlüsselstellen auf dem Hintergrat Richtung Gipfel hinter sich und standen, wie die Bergwacht später sagen sollte, 100 Meter unterhalb des Gipfels, als das Unglück geschah. Es soll eine ebenere Stelle gewesen sein. Warum Daniel Krommen dort abstürzte, ist völlig unklar. Er fiel in die Minnigerode-Rinne, eine 650 Meter tiefe und teils 50 Grad steile Flanke im Südosten des Ortlers, an dessen Ende der Gletscher liegt. Der 22-Jährige rief den Namen des Abgestürzten. Er erhielt keine Antwort mehr.

Rettungshubschrauber kommt nicht durch die Wolken

Der Dürener rief die Bergwacht um Hilfe. Doch die konnte wegen der dichten Wolken nicht sofort bis zur Unglücksstelle in etwa 3800 Metern hinauffliegen. Erst Stunden später, gegen 16 Uhr, tat sich eine Wolkenlücke auf, die der Pilot des Rettungshubschraubers nutzte. Völlig unterkühlt wurde der Dürener ins Tal in eine Klinik geflogen.

Doch die widrigen Wetterverhältnisse mit Nebel und einsetzendem Schneefall machten eine Suche nach Daniel Krommen unmöglich. Auch am Samstag musste die Suche wegen Nebels ergebnislos abgebrochen werden. Übers Wochenende fielen 40 Zentimeter Neuschnee auf dem Ortler. Es kam zu Lawinenabgängen.

Erst am Dienstag konnte endlich ein Hubschrauber die Rinne nach dem Abgestürzten absuchen. Vergeblich. Daniel Krommen bleibt vermisst. Die Bergwacht geht davon aus, dass er in die Spalte zwischen Rinne und Gletscher gestürzt ist.

„Man kann in den Bergen nie sicher sein. Ein Restrisiko bleibt“, sagt Schäfer. „Es ist Schicksal.“

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