Die Aufkleber am Karl-Kaufmann-Weg: Eifelverein soll nicht mehr an ehemaligen Vorsitzenden mit Nazi-Nähe erinnern

Die Aufkleber am Karl-Kaufmann-Weg : Eifelverein soll nicht mehr an ehemaligen Vorsitzenden mit Nazi-Nähe erinnern

Den Eifelverein holt die Verbundenheit einiger früherer Vereinsvorsitzender mit den Nationalsozialisten ein. Gegenstand der aktuellen Diskussion ist ein Wanderweg, der nach Karl Leopold Kaufmann benannt ist. Der sei „ein kleines Rädchen in der Maschinerie der großen Volksgemeinschaft der Nazis“, sagen die Kritiker.

Den Eifelverein holt die Verbundenheit einiger früherer Vereinsvorsitzender mit den Nationalsozialisten ein. Schon vor zwei Jahren wurde ein Weg umbenannt, der zuvor den Namen des überzeugten Nationalsozialisten Josef Schramm trug, der von 1938 bis 1948 und von 1954 bis 1973 Vorsitzender des Eifelvereins war. Bei einem anderen Namensgeber wurde diese Umbenennung trotz einer ähnlichen Problematik damals abgelehnt: Karl Leopold Kaufmann, 1904 bis 1938 Vorsitzender des Eifelvereins. Das hat jetzt eine Protestaktion nach sich gezogen.

Der Karl-Kaufmann-Weg schlängelt sich durch das Ahrtal, führt über die Hocheifel und den   Eifelberg „Hohe Acht“. Weiter geht es über Daun in die zentrale Vulkaneifel, man überquert die Kyll und erreicht schließlich Trier als Endpunkt. Landschaftlich ist das sehr idyllisch, jährlich bewegen sich Tausende Wanderfreunde auf dem Pfad, der nach dem früheren Vorsitzenden des Eifelvereins benannt ist. Der Karl-Kaufmann-Weg ist knapp 200 Kilometer lang, er verläuft von Nord nach Süd, von Brühl nach Trier. Es gibt immer viel zu sehen, jetzt sind auch noch ein paar Hundert Aufkleber dazugekommen.

Zuständig für die Botschaften am Wegesrand ist die bis dato unbekannte „Wandergruppe Eifelgold“, so steht es jedenfalls in einem anonymen „Bekennerschreiben“, das in diesen Tagen verschickt wurde. Die Identität der Spaziergänger ist unbekannt. Sie hatten nach eigener Auskunft 500 kleine Informationsschilder dabei, die sie auf dem Karl-Kaufmann-Weg anbrachten. „Bildungspolitische Nachhilfe für den Eifelverein“ hat die Gruppe ihre Protestaktion genannt und die Umbenennung des Wanderwegs gefordert. Denn jener Kaufmann, der zwischen 1904 und 1938 den Vorsitz im Eifelverein hatte, „sei ein kleines Rädchen in der Maschinerie der großen Volksgemeinschaft der Nazis“ gewesen. Das habe der Eifelverein selbst in seiner Zeitschrift vor zwei Jahren festgehalten, steht in einem Begleittext der Wandergruppe. Der promovierte Jurist Kaufmann war Landrat, zunächst im Kreis Malmedy, später im Kreis Euskirchen. Er starb 1944 bei einem Luftangriff auf Bonn.

Die „geschichtsbewussten Wanderfreunde“ haben auf dem Karl-Kaufmann-Weg 500 Zitate angebracht, um auf dessen Gesinnung hinzuweisen. Zum Beispiel: „Geschlossen steht das Eifelvolk im Grenzland hinter seinem Führer. Wie wird es diesen seinen größten Tag vergessen, da der Führer zum ersten Mal in den herrlichen Bergen der Eifel geweilt hat“, steht auf einem Zettel. Das und ähnliche Zitate stammen aus dem Vereinsblatt des Eifelvereins der Jahrgänge 1933 bis 1938, einer Zeit also, als Kaufmann der Vorsitzende des Vereins war. Und auch das: „Ich bitte Sie, mit mir auszurufen: Das große Deutschland und sein großer Führer: Siegheil!“ Das Zitat wird Kaufmann zugeordnet, als der Eifelverein seinen 50. Geburtstag 1938 in Trier feierte.

Manfred Rippinger, der Geschäftsführer des Eifelvereins, ärgert sich über die „Verunstaltungen“ der unbekannten Aktivisten. „Das ist schon eine merkwürdige Art und Weise, mit uns in einen Dialog zu treten.“

Nicht nur Medien wurden über den Protest auf dem Wanderweg informiert, auch beim Historiker und Journalisten Frank Möller ging das absenderlose Schreiben ein. Möller sagt, er hege durchaus Sympathie für die Initiative. „Ich bin sehr erfreut darüber.“ Er findet, dass die Umbenennung des Weges längst überfällig sei. Der Kölner hat sich mit der Geschichte des Eifelvereins im Nationalsozialismus intensiv beschäftigt. Sein Urteil über den Verein fällt nicht sonderlich schmeichelhaft aus. Er nennt den Umgang des Vereins mit der eigenen Geschichte „verdruckst“.

Der Forscher hat längst veröffentlicht, wie sich der Verein, dessen Vorstände sich zu Zeiten des Nationalsozialismus bevorzugt aus Bürgermeistern, Landräten, Studienräten oder lokalen Gewerbetreibenden zusammensetzten, bereitwillig zu den neuen Machthabern bekannten. Für den engen Schulterschluss zwischen Nazis und Verein habe vor allem der Schleidener Landrat Josef Schramm gesorgt, erinnert Möller. Schramm war schon vier Jahre stellvertretender Vorsitzender des Eifelvereins, als er 1938 an die Spitze aufrückte. „Ein überzeugter Nationalsozialist“, sagt Möller.

Schramm wurde auch nicht aus dem Verein ausgeschlossen, als die finstere Epoche vorbei war. Vielmehr hatte er noch bis zum Anfang der 90er Jahre, bis zu seinem Tod, Einfluss auf den Verein. Das alles sei dem Eifelverein schon lange bekannt. „Um einen kleinen eigenen Aufsatz zu ihrer Geschichte zu veröffentlichen, haben sie 75 Jahre nach Kriegsende gebraucht“, sagt er. Und auch Karl Leopold Kaufmann sei ein problematischer Namensgeber.

Im Oktober 2015 hatte sich die Mitgliederversammlung des Eifelvereins entschlossen, die Namen der Hauptwanderwege zu überprüfen. Das Motiv war damals, so sagt es Geschäftsführer Rippinger, griffige, einprägsame Namen zu finden. „Hierbei standen ausschließlich Aspekte der Werbung in Vordergrund.“ Es sei nicht darum gegangen, die Biografie der Namensgeber zu bewerten. Seitdem erinnert der Hauptwanderweg 4 von Kreuzau nach Trier nicht mehr an den nationalsozialistischen Eifelvereinsvorsitzenden Josef Schramm. Er heißt nun „Felsenweg“.

Der nach Karl Leopold Kaufmann benannte Weg behielt „auf nachdrücklichen Wunsch verschiedener Ortsgruppen“, seinen Namen. „Geschichtspolitisch bewegt sich der Eifelverein weiter auf Irrwegen“, sagt Möller.

Mathilde Weinandy ist noch ein paar Tage Vorsitzende des Eifelvereins, bei der anstehenden Neuwahl kandidiert sie nicht mehr. Im Verein, sagt sie, habe man lange und intensiv über das Thema „Karl Kaufmann“ diskutiert. „Die damalige Mehrheit war für eine Beibehaltung des Namens.“ Die Bürgermeisterin von Prüm vermutet aber, dass das Thema noch einmal auf die Tagesordnung des Eifelvereins gesetzt wird. „Ich gehe davon aus, dass der Name Karl Kaufmann entfernt wird.“ Es könnte also sein, dass sehr zeitnah die Aufkleber der Wandergruppe durch den neuen Namen für den aktuellen Karl-Kaufmann-Weg ersetzt werden.

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