Aachen: Ehepaar mit Samuraischwert getötet: Sohn vor Gericht

Aachen: Ehepaar mit Samuraischwert getötet: Sohn vor Gericht

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres kaufte Arkadius S. ein etwa 50 Zentimeter langes Samuraischwert. In den Tagen danach nähte er sich eigenhändig einen Wickelrock, dazu ein passendes Oberteil und einen wollenen Mantel.

Einen Tag vor Silvester zog der 36-Jährige die Sachen an, nahm das Schwert und machte sich nachts zwischen 23 und 24 Uhr zu Fuß von seiner Wohnung auf zu seinen Eltern im Aachener Stadtteil Preuswald.

Dort tötete er „ohne das je verstehen zu können“, wie er am Montag vor dem Aachener Schwurgericht angab, die beiden 62-Jährigen auf eine derart bestialische Art und Weise, dass einem der zwei Laienrichter beim Anschauen der Polizeifotos der Kreislauf weg blieb. Die Kammer vertagte kurz darauf die Sitzung auf den kommenden Prozesstag am Mittwoch.

Die Tat sei nach wie vor für ihn „unfassbar“, beschrieb der blass, aber adrett und gefasst wirkende Beschuldigte die Tatgenese. Strafrechtlich wird dem gelernten Veranstaltungstechniker zweifacher Totschlag vorgeworfen, den er im Zustand der Schuldunfähigkeit aufgrund einer „drogeninduzierten“ Psychose - wie es in der Anklageschrift heißt - begangen haben soll. Das Gericht muss in dem Einweisungsverfahren nun über seine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie entscheiden.

Er habe sie nicht töten wollen, bekräftigte der in einem weißen Hemd vor der Kammer unter dem Vorsitz von Richter Arno Bormann auf der Anklagebank neben seinem Anwalt Björn Hühne sitzende Mann des öfteren. Dann aber nagten wieder Selbstzweifel in dem musikvernarrten - er betätigt sich in seiner Freizeit als DJ und hat eine umfangreiche Plattensammlung - und eigentlich ganz den schönen Dingen zugeneigten Beschuldigten. Vor allem bei Nachfragen des Gerichts zum detaillierten Tatablauf antwortete er meist zögerlich.

Denn der Tatablauf ist in einer Weise brutal, wie es selbst gerichtsgewohnte Beobachter nur selten zu hören bekommen. So zählte Staatsanwältin Stefanie Herweg ungerührt auf, wie viele Schnitte und Stiche die beiden Opfer trafen. Seine Mutter zerrte S. von der Treppe der Souterrainwohnung, auf die sie sich kriechend geflüchtet hatte, zurück in die Wohnung. Den Vater traf es bei dem Gemetzel unter anderem am Kopf und am Brustkorb. Die Angegriffenen verbluteten innerhalb kürzester Zeit.

Ein Erklärungsansatz kristallisierte sich am Montag heraus: Von seiner Freundin verlassen, habe S. immer mehr dem Alkohol und Drogen zugesprochen, sei auch zur Beobachtung im Alexianerkrankenhaus - einer bekannten Aachener Einrichtung für Suchtgefährdete - gewesen.

Wochen vor der Tat sei der Druck seiner Mutter, er solle doch wieder dorthin ins Krankenhaus gehen, immer größer geworden. Die Mutter habe sogar den Notarzt bestellt, obwohl er sich eigentlich gut gefühlt habe, berichtete der 36-Jährige. Das habe er als eine Art Stalking empfunden und die Eltern aus der Wohnung verwiesen.

Warum er dann in dieser schrecklichen Art und Weise über sie herfiel, wurde bislang nicht klar. Der Prozess wird am 3. Juni fortgesetzt.

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