Düsseldorf: E-Autos auf Busspuren? Aachen sagt Nein

Düsseldorf : E-Autos auf Busspuren? Aachen sagt Nein

Hans Bothen ist ein Pionier. Der Bochumer ist einer der wenigen Autobesitzer in Nordrhein-Westfalen, die mit dem Nummernschild zu erkennen geben, dass sie ein Elektroauto fahren. „BO-HB 666 E“ steht auf den Kennzeichen — mit dem „E“ für Elektromobil am Ende. Eine echte Rarität. Ob es Privilegien für Elektroautos gibt, etwa die freie Nutzung von Busspuren und Gratis-Parken, wird in Aachen geprüft.

Knapp 60 Euro für Gebühren und neue Nummernschilder hat der 54-Jährige bezahlt, Vorteile bringt ihm das nicht. „Ich will zeigen: Hier fährt ein Auto mit Strom“, sagt Bothen.

Seit Ende September können die Kommunen diese Spezialkennzeichen ausgeben — in NRW hält sich die Nachfrage bislang in Grenzen. Derzeit gibt es gerade einmal 3000 E-Fahrzeuge im ganzen Bundesland. Im Raum Aachen, Düren und Heinsberg sind es genau 502, die meisten davon in der Städteregion Aachen.

Die neuen Kennzeichen und damit verbundene Vorteile sollen nach dem Willen der Bundesregierung helfen, den mehr als schleppenden Verkauf von Elektroautos anzukurbeln. Bis zum Jahr 2020 sollen eigentlich eine Million-E-Autos auf den deutschen Straßen fahren. Anfang dieses Jahres waren laut Kraftfahrtbundesamt aber erst 19.000 Elektro- und etwa 108.000 Hybridfahrzeuge zugelassen.

Wer ein Auto mit E-Zeichen fährt, könnte Busspuren benutzen und kostenlos parken — wenn die Kommunen ihm diese Privilegien gewähren. Die Möglichkeit dazu gibt ihnen eine Verordnung zum Elektromobilitätsgesetz. Doch der Deutsche Städtetag hat grundsätzliche Bedenken und befürchtet „Trittbrettfahrer“.

Durch eine Freigabe für E-Autos sinke „die Hemmschwelle, mit dem Pkw Bussonderspuren zu benutzen“. Die Stadt Aachen schließt sich dieser Argumentation an. „Die Nutzung der Busspuren durch E-Autos kommt aus Sicht der Verwaltung nicht in Betracht“, sagt Axel Costard, Sprecher der Stadt.

Ein weiteres mögliches Privileg könnten niedrigere Parkgebühren oder — zeitlich begrenzt — freies Parken für E-Autos sein. Der Städtetag beurteilt auch solche Überlegungen skeptisch: Es gebe ja „beim Platzbedarf keinen Unterschied zu anderen Fahrzeuge“, sagt Hauptgeschäftsführer Stephan Articus.

In Aachen wird in der Verwaltung ein kostenfreies Parken für zwei Stunden für E-Fahrzeuge derzeit dennoch geprüft. „Das wird in der ersten Hälfte des kommenden Jahres in die politische Beratung gehen“, sagt Costard. Einige Punkte müssten aber noch diskutiert werden. Fraglich sei etwa, ob das neue E-Kennzeichen für die Nutzer vorgeschrieben sein müsse, und ob auch Hybrid-Fahrzeuge von der Regelung profitieren sollen. Geprüft werde auch, ob eine solche Lösung ohne hohe Kosten etwa für die Beschilderung umzusetzen sei.

Auch andere Städte in Nordrhein-Westfalen halten nicht viel von Elektrofahrzeugen auf Busspuren. Die Freigabe für E-Autos dürfe nicht dazu führen, dass der öffentliche Nahverkehr behindert wird und es zu Verspätungen kommt, heißt es beispielsweise im Essener Rathaus. Die Ruhrgebietsstadt hat etwa zehn Kilometer Busspuren. Die böten bei einer Gesamtlänge des Essener Straßennetzes von rund 1500 Kilometern „nur einen geringen verkehrlichen Vorteil“ für E-Autos, sagte ein Stadtsprecher. Ein nachhaltiger Kaufanreiz lasse sich so nicht erzeugen. In Essen wurde bisher auch noch gar kein E-Kennzeichen ausgegeben.

Es gebe auch technische Pro­bleme, wenn E-Fahrzeuge auf Busspuren einscheren sollen, betont die Stadt Düsseldorf. Die Elektroautos müssten sich bei dem Signalsystem anmelden können, das die Ein- und Ausfahrt von Bussen auf die Spuren regelt, erläuterte ein Sprecher der Stadt Düsseldorf, die bisher zwölf E-Kennzeichen ausgegeben hat.

Das könnte die Frequenz für die Beschleunigung des Busverkehrs blockieren. „Diese Konkurrenz ist sicher nicht gewollt“, sagt der Sprecher. In Münster, wo immerhin schon 67 E-Kennzeichen beantragt wurden, wird derzeit geprüft, welche Vorrechte E-Autos eingeräumt werden können.

E-Auto-Fahrer Bothen setzt auf den Werbeeffekt des E-Kennzeichens. „Ich werde jetzt öfter angesprochen.“ Dann hält er ein Plädoyer für den Elektrowagen, den er seit zwei Jahren fährt. „Das Thema wird zu sehr unter Umweltaspekten diskutiert. Dabei sind das richtig tolle Autos, die viel Fahrspaß bieten.“ Wer möchte, darf dann eine Probefahrt machen.