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Arlon: Dutroux-Prozess auf der Zielgeraden

Arlon : Dutroux-Prozess auf der Zielgeraden

Im Mordprozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux hat der Vater eines der ermordeten Mädchen die Bestrafung aller Angeklagten gefordert.

In einem bewegenden Plädoyer sagte Paul Marchal am Montag, er könne sich vorstellen, dass der die Angeklagten im Gerichtssaal schützende Glaskäfig langsam mit Wasser gefüllt werde. „Aber es beruhigt mich, dass dies nur eine Vorstellung ist und meine Vernunft die Oberhand behält”, fügte er hinzu.

Die in der vergangenen Woche begonnenen Plädoyers in dem seit März dauernden Verfahren gehen jetzt ihrem Ende entgegen. Voraussichtlich am Mittwoch werden Dutroux und seine drei mutmaßlichen Komplizen das Wort zu einer letzten Stellungnahme erhalten.

Das Gericht lehnte am Montag einen Antrag des Dutroux-Verteidigers Xavier Magnée ab, 95 neuen Fragen nachzugehen. In seinem Plädoyer hatte der Anwalt der Polizei vergangene Woche schwere Versäumnisse bei der Aufklärung der Geschehnisse gemacht.

So hätten Beamte die Umtriebe einer Mafia in Dutroux Heimatstadt Charleroi geduldet, die in Prostitution verwickelt gewesen sei. Der Vorsitzende Richter Stephane Goux vertrat dagegen die Ansicht, dass die Geschworenen über das notwendige Wissen verfügten, um über Schuld oder Unschuld der vier Angeklagten zu entscheiden. Wäre der Richter dem Antrag gefolgt, hätten die Verhandlungen nach Magnées Angaben für „sechs Monate bis ein Jahr” suspendiert werden müssen.

Nach der bisherigen Planung werden sich die zwölf Geschworenen am nächsten Montag zur Beratung über ihren Urteilsspruch zurückziehen. Sie müssen auf über 20 Einzelfragen antworten, die ihnen am Donnerstag präsentiert werden sollen.

Wie viel Zeit die Jury für ihre Entscheidung benötigt, ist nicht abzusehen. Die Strafen im Falle von Schuldsprüchen werden erst nach einer weiteren Beratung der Jury gemeinsam mit dem Richter festgesetzt.