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Köln/Düsseldorf: Drogenschmuggler folgen den Touristen

Köln/Düsseldorf : Drogenschmuggler folgen den Touristen

Die Rauschgiftwelle aus den Niederlanden schwappt immer stärker nach NRW.

Zoll und Bundesgrenzschutz haben im Jahr 2003 in 8970 Schmuggelfällen Strafverfahren eingeleitet. Das waren 10,5 Prozent mehr als im Vorjahr, in dem bereits ein Rekord-Zuwachs von 15 Prozent verzeichnet worden war.

Insgesamt wurden an der 440 Kilometer langen Grenze zwischen Losheim in der Eifel und Gronau im Münsterland sowie auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln 2003 Drogen im Wert von 36 Millionen Euro beschlagnahmt, 20 Prozent mehr als 2002.

Vorrat unerschöpflich

Nach Erkenntnissen der Fahnder scheint der Vorrat an preiswerten Drogen in Holland, besonders in Amsterdam, unerschöpflich.

Der für den NRW-Zoll zuständige Kölner Oberfinanzpräsident Hartmut von Alm sieht als Grund für den enormen Anstieg den heißen Sommer.

„Im Gefolge der riesigen Ströme von Touristen und Tagesausflüglern haben sich wohl auch Dealer, Kuriere und Selbstversorger aus ganz Europa in Richtung Drogenmekka Niederlande auf den Weg gemacht.”

Der Vorsteher des NRW-Zollfahndungsamtes in Düsseldorf, Werner Köhler, sagt, dass mittlerweile mehr als ein Drittel aller Drogenaufgriffe an den deutschen Grenzen in NRW gemacht werden. „Die Dunkelrate schätze ich auf 95 bis 98 Prozent”, befürchtet er. Köhler: „Wir haben jetzt über Jahre hinweg Recht behalten, dass es immer schlimmer wird.”

Die Menge des sichergestellten Rauschgifts betrug knapp zwei Tonnen, rund fünf Prozent mehr als 2002.

Bei Heroin, dem harten Stoff, der für die meisten Drogentoten verantwortlich ist, stieg die sichergestellte Menge um fast zwei Drittel auf 205 Kilogramm gegenüber 125 Kilogramm 2002.

Allein im Zuständigkeitsbereich der Dienststelle Aachen wurden bis Ende September knapp 14 Kilo Heroin, 90 Kilo Haschisch, zehn Kilo Kokain, knapp 68 Kilo Marihuana und über 18.000 Ecstasy-Tabletten sichergestellt.

Als neue Entwicklung registrierte Köhler, dass immer häufiger Haschisch und Marihuana in Mengen um fünf Kilogramm (Schwarzmarktwert rund 30.000 Euro) über die Autobahnen aus den Niederlanden nach Ungarn und Tschechien geschmuggelt werden.

Der riesige Flughafen Amsterdam-Schiphol ist das Eingangstor für Kokain aus Süd- und Mittelamerika. Dort werden nach Angaben niederländischer Fahnder an die 2000 Kuriere pro Woche vermutet, bis zu 70 pro Maschine.

Da die Niederländer künftig sehr viel stärker kontrollieren wollen, befürchtet Köhler einen verstärkten „Umgehungsschmuggel” über die Flughäfen Düsseldorf und Köln.

Zur Bekämpfung der Drogenkriminalität sind in NRW acht mobile Kontrollgruppen unterwegs, zu denen jeweils 15 Zöllner sowie ein Rauschgiftspürhund gehören.

Sechs Tage vor Heiligabend erwischten sie auf der A 61 bei Venlo ein Rentnerehepaar aus Hagen im Alter von 63 und 60 Jahren, die ihr Weihnachtsgeld mit dem Schmuggel von 2,2 Kilogramm Haschisch und 600 Gramm Marihuana im Schwarzmarktwert von fast 20.000 Euro aufbessern wollten. Der Stoff war in Behältern mit Kaninchenfutter versteckt.

Das Paar war bereits 1989 wegen Drogenhandels zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mit Tempo 200 raste auf der A3 bei Emmerich ein 30-jähriger Marokkaner der Zollkontrolle davon.

Nach wilder Verfolgungsjagd und anschließender Flucht zu Fuß wurde er auf einem Bauernhof gestellt, wo er sich auf einem Getreideanhänger versteckt hatte.

Im Kofferraum seines Leihwagens waren 40 Kilo Haschisch versteckt - Schwarzmarktwert über 200 000 Euro.