Köln: Drogenhunde im Knast: Wenn Gina bellt, rauschen die Toiletten

Köln: Drogenhunde im Knast: Wenn Gina bellt, rauschen die Toiletten

„Wir haben hier keinen Drogenhandel im Kilo-Bereich. Was hier kursiert, sind winzige Mengen um die 0,1 Gramm”, sagt Frank Pohlen, Sicherheitschef der JVA Köln-Ossendorf, dem größten Gefängnis Nordrhein-Westfalens.

Die kleinen Krümel können in jeder Hosennaht verschwinden, in Zahnpastatuben oder ausgehöhlten Tischkanten.

Das Drogenproblem ist so groß, weil das Corpus Delicti so klein ist. Dennoch haben die Drogenschmuggler und Konsumenten in Köln-Ossendorf und den anderen Gefängnissen Nordrhein-Westfalens echte Probleme bekommen: Sie heißen Gina, Maja, Anni und Irma.

Die neuen Drogenspürhunde, seit einem Jahr in den Gefängnissen eingesetzt, erschnüffeln ein Versteck nach dem anderen. Die vier Hundedamen sind Teil eines Modellprojekts, über dessen Zukunft NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) nun entscheiden muss. „Wir werden die Auswertung des Modellprojekts abwarten”, sagt ein Justizsprecher am Dienstag in Düsseldorf. „Die bisherigen Erfahrungen scheinen aber positiv zu sein. Es spricht Einiges dafür, das Projekt fortzusetzen.”

In Köln sind bis zu 1200 Gefangene in der gewaltigen Anstalt untergebracht. Viele von ihnen haben ein Drogenproblem. „Bei uns ist das im Frauenhaus besonders heftig”, sagt Gefängnis-Chef Michael Thewalt. Wenn die belgische Schäferhündin Gina mit ihrem Hundeführer Darius Szeliga in einem der mehr als 200 Meter langen Gefängnisflure auftaucht, nötigt die Hundedame den schweren Jungs sofort Respekt ab: Eine entgegenkommende Gefangenenkolonne weicht dicht an die Wand aus, obwohl Gina freundlich mit dem Schwanz wedelt.

Heute hat sich Gina eine Werkstatt für junge Gefangene vorgenommen. Eine Kiste Holz und ein Tischkicker interessieren sie besonders. Plötzlich legt sie sich flach auf den Boden: Treffer. Mit einer roten Beißwurst wird der Hund belohnt. Diesmal war es ein Test: Ob Ginas Nase einwandfrei funktioniert, wird regelmäßig überprüft.

Großstadt-Knäste wie in Köln sind ein „Sammelbecken für Drogenabhängige”, sagt Thewalt. „Das ist unsere Klientel.” Dass manche Gefangene den Knast genauso abhängig verlassen, wie sie ihn betreten haben, war schon der alten Landesregierung ein Ärgernis. Um den schwunghaften Drogenhandel zu bekämpfen, kamen die speziell trainierten Hunde zum Einsatz.

Der Erfolg sei frappierend, berichten Thewalt und Pohlen: „Das geht schon mit dem Abschreckungseffekt los: Der Hund muss nur einmal bellen, dann rauschen die Toilettenspülungen und der Wasserverbrauch steigt an.”

Winzige Mengen in Zahnpasta

Gina erschnüffelt selbst winzige Mengen der einschlägigen Rauschgifte - sogar, wenn sie in einer geschlossenen Tube inmitten von Zahnpasta versteckt sind. Fünf bis zehn Mal im Monat landet Gina mit ihrer Nase einen Volltreffer. Aber sie findet auch leere Drogenverstecke und Anhaftungen von Drogen - für das Gefängnispersonal sind das wichtige Informationen. „Die Zahl der positiv auf Drogen getesteten Urinproben hat sich halbiert, seit Gina da ist”, berichtet Thewalt.

„Die Ergebnisse sind hervorragend. Für uns ist das ein absolutes Erfolgsmodell. Wir haben uns dafür ausgesprochen, es auszuweiten”, sagt der Gefängnis-Leiter. Letztlich sei es auch für die Gefangenen ein Gewinn: „Die meisten wollen von dem Zeug weg”, berichtet Pohlen. „Für Einige ist die Inhaftierung eine lebensrettende Maßnahme. Mancher Junkie ist total verelendet, wenn er hier auftaucht”, sagt Thewalt. „Nach ein paar Wochen mit ausreichend Schlaf und drei Mahlzeiten am Tag erkennen sie die nicht wieder.”

Drogenfrei ist das Kölner Mega-Gefängnis aber mit Gina nicht geworden: „Drogenfrei ist hier nur unser Hochsicherheitstrakt”, sagt Thewalt. „Aber das ist eine Anstalt in der Anstalt.”

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