Gießen/Aachen: Dreifachmord: Die aufwendige Spurensuche im Fall „Riconelly“

Gießen/Aachen : Dreifachmord: Die aufwendige Spurensuche im Fall „Riconelly“

DNA-Material, Handydaten und Einkaufsbelege haben die Ermittler auf die Spur der mutmaßlichen Dreifachmörderin aus Aachen gebracht, die zur Zeit in Gießen vor Gericht steht. Am Dienstag sprach ein Kriminalbeamter über die umfangreichen Untersuchungen und falschen Ermittlungsansätze nach den drei Taten in Mittelhessen und Düsseldorf.

Anhand der Beweise und nach der Befragung von Zeugen sei klar gewesen, „dass sie für uns dringend tatverdächtig ist”, sagte der Leiter der zuständigen Sonderkommission vor dem Landgericht über die Suche nach der 35 Jahre alten Tatverdächtigen.

Die Aachenerin soll im April 2016 im mittelhessischen Gießen einen 79-Jährigen und einen Monat später in Düsseldorf eine 86-Jährige und deren 58 Jahre alte Tochter umgebracht haben - aus Habgier. Die Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Die Vorsitzende Richterin verlas stattdessen einen Brief der Frau, in dem sie die Taten bestreitet.

Zunächst hatten die Ermittler die Angeklagte im Verdacht, einzig den 79 Jahre alten Mann - ihren früheren Nachbarn - getötet und bestohlen zu haben. Der Getötete war in seiner Region als Zauberer unter dem Namen „Riconelly“ aufgetreten. Um die Tat zu vertuschen, soll sie dessen Wohnung mithilfe von Benzin angezündet haben. „Für uns war klar, dass das Opfer den Täter gekannt und in seine Wohnung gelassen haben muss”, sagte der Chef-Ermittler.

Die Tür sei nicht aufgebrochen gewesen. Der Kreis der möglichen Verdächtigen war nach seinen Worten allerdings groß. Denn es habe im Viertel des 79-Jährigen die Runde gemacht, dass dieser viel Bargeld in seiner Wohnung aufbewahre.

Schließlich geriet die Angeklagte mit ihren widersprüchlichen Angaben in den Fokus der Ermittler. Bei einer Wohnungsdurchsuchung dann die Überraschung: Die Ermittler entdeckten eine Schmuckschatulle sowie zwei EC-Karten. Gegenstände, die sie den zwei toten Frauen in Düsseldorf zuordnen konnten. Die Kollegen dort waren nach Angaben des Zeugen zunächst davon ausgegangen, dass es sich bei dem Fall um einen sogenannten erweiterten Suizid handelte. Die Ermittler nahmen an, dass die Tochter erst ihre Mutter und dann sich selbst tötete.

Die Ermittlungen in dem Fall galten schon als abgeschlossen und wurden aufgrund der neuen Spuren wieder aufgenommen, wie der Kriminalbeamte aussagte. Stück für Stück suchten die Ermittler nach weiteren Indizien, die den Verdacht gegen die Angeklagte erhärten konnten.

Bilder einer Überwachungskamera in der Nähe des Düsseldorfer Tatortes zeigen „eine vermummte Person” an einem Geldautomaten. Ein Tuch, das die Gestalt um den Mund trug, soll einem der Opfer gehört haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es die Angeklagte war, die mit den von den Frauen erbeuteten EC-Karten insgesamt 210 Euro abgehoben hatte.

Der Kriminalbeamte sah „gewisse Ähnlichkeiten, insbesondere, was die Statur anbelangt”. Einem Gutachten zufolge könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei der vermummten Person um die Angeklagte handele.

Das Gericht will in dem Verfahren noch mehr als 120 Zeugen befragen. Ein Urteil wird Ende Mai erwartet.

(dpa)
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