Selfie-Skandal am Klinikum: Drei weitere Mitarbeiter entlassen

Selfie-Skandal am Klinikum : Drei weitere Mitarbeiter entlassen

Der Skandal um entwürdigende Fotos, die Pfleger im Uniklinikum Aachen von Patienten gemacht und verbreitet haben, hat größere Dimensionen, als bislang bekannt. Die weitestgehend abgeschlossenen Ermittlungen ergaben, dass etwa doppelt so viele Opfer wie zunächst gedacht betroffen sind.

Inzwischen wisse man von etwa einem halben Dutzend, sagte Jost Schützeberg von der Aachener Staatsanwaltschaft. Auch die Zahl der Fotos habe sich nach der Auswertung der sichergestellten Datenträger „massiv“ erhöht.

Aufgrund der neuen Erkenntnisse hat das Uniklinikum drei weitere Mitarbeiter entlassen. Das teilte ein Sprecher des Hauses am Mittwochmorgen schriftlich mit. Die weiteren Entlassungen seien die Konsequenz aus dem sichergestellten Bildmaterial der Ermittler, das der Uniklinik „zur personalrechtlichen Würdigung zur Verfügung gestellt“ worden sei.

Angesichts der neuen Erkenntnisse wird nach Angaben Schützebergs gegen einen weiteren Beschuldigten ermittelt. Zunächst waren vier Mitarbeiter des Pflegedienstes im Visier der Staatsanwaltschaft. Die Taten ereigneten sich zwischen dem Jahresende 2013 und dem Jahresbeginn 2014. Im September 2014 war das Uniklinikum durch anonyme Hinweise auf die Vorfälle aufmerksam geworden und hatte kurz darauf vier Mitarbeitern fristlos gekündigt.

Ein weiterer Mitarbeiter verließ „in gegenseitigem Einvernehmen“ einen Monat später das Haus. Mit den drei aktuellen Entlassungen haben die Vorfälle für acht Mitarbeiter berufliche Konsequenzen. „Ein Anfangsverdacht besteht aber nur gegen fünf Beschuldigte“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das heißt, dass offenbar nicht alle Pfleger, die berufliche Konsequenzen zu tragen haben, sich möglicherweise auch juristisch strafbar gemacht haben.

Nach Recherchen unserer Zeitung hatten Pfleger der Notaufnahme im Uniklinikum sogenannte Selfies mit Patienten gemacht, die zu diesem Zweck geschminkt und verkleidet worden waren. Eine Einwilligung der dementen oder anderweitig in ihrem Bewusstsein eingeschränkten Patienten lag nicht vor. Es wurden auch Fotos von nackten Körperteilen einzelner Patienten gemacht. Dazu kamen Fotos, auf denen Mitarbeiter des Pflegedienstes nachts beim vermeintlichen Drogenkonsum zu sehen sind. Die Aufnahmen waren in einer größeren Gruppe des Kurznachrichtendienstes WhatsApp verbreitet worden.

Strafrechtlich geht es bei den Vorwürfen gegen die nun fünf Beschuldigten um die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“. Verfolgt werden kann dieser Straftatbestand nur, wenn die Opfer Anzeige erstatten. Die Betroffenen zu ermitteln, war angesichts ihres gesundheitlichen Zustands naturgemäß schwierig.

„Wir sind in diesem Fall auf die Angehörigen angewiesen“, sagt Schützeberg. Es hätten sich aber schon einige bei der Polizei gemeldet, deren Angehörige zum fraglichen Zeitpunkt in der Notaufnahme des Klinikums behandelt worden waren. Durch diese Entwicklung seien die Ermittler inzwischen „auf einem guten Weg“ alle Opfer zu identifizieren.