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Überreste aus dem Kalten Krieg: Drei Atomschutzbunker in der Eifel können bei Tagestour besichtigt werden

Überreste aus dem Kalten Krieg : Drei Atomschutzbunker in der Eifel können bei Tagestour besichtigt werden

Hinter tonnenschweren Toren und meterdicken Mauern Bunker erkunden: Angesichts des Ukraine-Krieges kann das abenteuerlich und beklemmend zugleich sein. In der Eifel gibt es dafür nun mehrere Möglichkeiten.

Drei frühere Atomschutzbunker in der Eifel können im Herbst bei Bustouren besichtigt werden. Veranstalter ist ein Verbund von Bunker-Dokumentationsstätten. An den Touren am 4. und 18. September sowie am 9. und 23. Oktober können jeweils bis zu rund 50 Interessenten teilnehmen, wie Mitveranstalter Jörg Diester der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Los geht die Zeitreise in den Kalten Krieg mit Erklärungen von Experten beim ehemaligen „Ausweichsitz“ der Bundesregierung beim rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler südlich von Bonn. Dann werden in Nordrhein-Westfalen der einstige Atomschutzbunker der Düsseldorfer Landesregierung in Kall und der ehemalige Bunker der Landeszentralbank NRW in Mechernich besucht.

Die Tour sei bundesweit einmalig, sagte Mitveranstalter Jörg Diester. Der Autor mehrerer Bücher über Bunker ergänzte, die Rhetorik des Kalten Krieges erlebe momentan eine traurige Renaissance. „Alte Konfliktmuster zwischen Ost und West spielen rund um den Krieg Russlands in der Ukraine wieder eine Rolle und die Gefahr einer Eskalation ist greifbar.“

Beim einst geheimen Regierungsbunker der Bundesrepublik im Ahrtal sind von ehedem 17 Kilometern Länge mit 1800 Zimmern nur noch 200 Meter als Museum mit tonnenschweren Toren, Arbeits- und Schlafräumen erhalten. Diester sagt: „Wir gehen aber auch hinter das Gitter in den entkernten Bereich und lassen das auf uns wirken.“

Bei der zweiten Station, dem einstigen Schutzbau der Landesregierung NRW in Kall, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: „Komplett eingerichtet so, wie der Bunker 1992 aufgegeben wurde, können die Tourteilnehmer alle Bereiche der Technik, Unterbringung und Arbeitsräume durchwandern“, erklärte Mitveranstalter Diester.

Im ehemaligen Atomschutzbunker der NRW-Landesbank in Mechernich, einst versteckt unter einer Schule gebaut, geht es hinter schweren Stahltüren und meterdickem Beton laut Diester „um Geld, Zahlungskreisläufe und Währungsstabilität“. Dieser Bunker habe zur Tarnung sogar einen fiktiven Ortsnamen bekommen: Steinfurt. Ein solches Dorf gibt es aber an dieser Stelle gar nicht.

„Der Aufbau des alten Krisenmanagementsystems zwischen Bund und Ländern lässt sich somit ganz real und authentisch erleben“, erklärt der Bunkerexperte. „Mit Aufgabe der Zivilschutzbauten 2007 ist der letzte Baustein dieses einst komplexen Systems Geschichte – zu der es nun viele Fragen gibt.“ Angesichts des Ukraine-Krieges habe sich „das öffentliche Bewusstsein auch mit Blick auf Zivilschutzkonzepte radikal verändert. Auch das wird die „Eifel-Bunker-Tour“ aufgreifen.“

(dpa)