Debatte nach Karnevals-Zwischenfall: Doppelnamen in NRW eher selten

Debatte nach Karnevals-Zwischenfall : Doppelnamen in NRW eher selten

Im Karneval lästerte der Komiker Bernd Stelter über den Doppelnamen Kramp-Karrenbauer. In NRW sind solche Langnamen nicht sehr verbreitet. Aus Sicht von Experten hat das auch praktische Gründe.

Doppelnamen sind in Nordrhein-Westfalen nicht sehr stark verbreitet. Vielfach heißt die Familie immer noch allein nach dem Mann. Im größten NRW-Standesamt Köln stellte 2018 ein Zehntel der Frauen, die danach den Nachnamen des Mannes führen, ihren eigenen dazu. Bei den Männern entschieden sich sogar nur 2 Prozent dafür, den Namen der Frauen als Doppelnamen mitzuführen, teilte das Standesamt mit.

28 Prozent der frisch verheirateten Frauen und Männer führten demnach ihren alten - unterschiedlichen - Nachnamen weiter. 72 Prozent der 2018 getrauten Paare wählten einen gemeinsamen Familiennamen - ganz überwiegend den des Mannes.

Gegen den Doppelnamen könnte aus Sicht von Praktikern die Last des Alltags sprechen: „Wer regelmäßig mit seinem Namen unterschreiben muss, wird sich hüten, einen Doppelnamen zu bestimmen, da dann nur der Doppelname eine rechtsverbindliche Unterschrift darstellt“, sagte ein Sprecher des Standesamtes Essen. In der großen Ruhrgebietsbehörde mit rund 2500 Hochzeiten pro Jahr entscheiden sich nur 6 bis 9 Prozent der Eheleute für den Doppelnamen. In Düsseldorf führen nach Schätzung des Standesamtes etwa 10 Prozent der Männer und Frauen nach der Hochzeit einen Doppelnamen.

Während Namensentscheidungen nach der Geburt nur in ganz seltenen Ausnahmefällen später noch verändert werden können, macht es der Gesetzgeber den Trägern von Doppelnamen leicht: Sie können den Namen widerrufen, bestimmt das BGB. In diesem Fall gilt nur noch der gemeinsame Familienname, auf den sich die Partner geeinigt haben.

Ähnliche Ergebnisse hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache Ende vergangenen Jahres in einer bundesweiten Studie mit 174 befragten Standesämtern herausgefunden. Danach wurde in etwa drei Viertel der Fälle der Name des Mannes zum gemeinsamen Familiennamen. Nur 6 Prozent der Paare entschieden sich für den Namen der Frau. Einen Doppelnamen wählten etwa 8 Prozent der Verheirateten.

Laut der bundesweiten Studie behielt bei rund 12 Prozent der Paare jeder Partner seinen eigenen Namen - deutlich weniger als in der Großstadt Köln.

Das Geläster des Komikers Bernd Stelter über den Doppelnamen der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte in der diesjährigen Karnevalssession zu einer heftigen Debatte über Namenswitze, politische Korrektheit im Karneval und das Verhältnis zwischen Frau und Mann geführt.

(dpa)