Düsseldorf: Doppelmord in Düsseldorf: Stiefsohn der Drahtzieher

Düsseldorf: Doppelmord in Düsseldorf: Stiefsohn der Drahtzieher

Eine bevorstehende Enterbung ist offenbar das Tatmotiv für den Doppelmord in Düsseldorf-Hassels vor rund acht Monaten. Ein 56-jähriger Mann aus Hessen soll zwei junge Männer dazu veranlasst haben, seinen 81-jährigen Stiefvater und dessen 39-jährige Tochter in Düsseldorf umzubringen, teilte die Polizei am Freitag mit.

Zusammen mit zwei 21 und 22 Jahre alten Mittätern wurden die Tatverdächtigen am Mittwoch und Donnerstag von Spezialeinsatzkommandos der Polizei im Landkreis Fulda festgenommen. Die beiden Opfer waren Mitte Juni 2010 in deren Düsseldorfer Wohnung mit Kopfschüssen getöteten worden. Die Mutter des 56-jährigen Detlef W. war bei dem Überfall ebenfalls in der Wohnung, wurde aber in einen Nebenraum gesperrt.

Mit der Festnahme der drei Tatverdächtigen kann die Düsseldorfer Polizei einen Erfolg der monatelangen Ermittlungen vermelden. Vor dem Übergriff in dieser Woche habe es bereits „umfangreiche Überwachungsmaßnahmen” von Detlef W. gegeben, sagte der Leiter der Mordkommission, Udo Moll. Auf die Spur des Mannes seien die Ermittler gekommen, nachdem in den Unterlagen der Opfer Hinweise auf finanzielle Streitigkeiten und eine bevorstehende Enterbung gefunden wurden. Dabei sei es um ein Erbe von etwa einer Million Euro gegangen.

Bordellbesitzer W. schweigt

Dieses mögliche Motiv von W. konnten die Ermittler allerdings zunächst nicht beweisen. Erst ein abgehörtes Telefonat des Mannes mit einem der Mittäter, in dem über die Tat in Düsseldorf gesprochen wurde, brachte neue Erkenntnisse. Bei Hausdurchsuchungen am Dienstag und Mittwoch in Hessen mit mehreren Spezialeinsatzkommandos wurden die drei Tatverdächtigen dann festgenommen. Während W., ein Bordellbesitzer aus Burghaun, der vor Jahren bereits wegen eines Verstoßes gegen das Waffenrecht aufgefallen war, nichts zu den Vorwürfen sagen möchte, hat der 22-jährige Johannes K. die Tat gestanden.

Demnach soll W. die beiden jungen Männer, zwei arbeitslose Drogenabhängige, zu der Tat angestiftet haben und ihnen einen niedrigen vierstelligen Geldbetrag geboten haben. Zusammen fuhren die drei am frühen Morgen des 17. Juni 2010 von Osthessen nach Düsseldorf. Während W. im Auto wartete, verschafften sich die beiden anderen unter dem Vorwand, von der Post zu sein, Zugang zu der Wohnung der Opfer. Da die 81-jährige Mutter von W. überleben sollte, sperrten sie die Frau in einen Nebenraum ein. Danach töteten sie den Rentner und seine Tochter mit gezielten Kopfschüssen. Beide hatten im Vorfeld der Tat die Enterbung von W. vorangetrieben.

Hinweise auf eine Beteiligung des seit 30 Jahren in Hessen lebenden W. erhielten die Ermittler durch eine Stimmenaufnahme der Täter, die das 39-jährige Opfer kurz vor den tödlichen Schüssen mit ihrem Mobiltelefon unbemerkt aufgenommen hatte. Darauf waren Stimmen mit hessischem Akzent zu hören. Im Nachhinein stellte sich zwar heraus, dass es die Stimmen der Mittäter waren, die Spur nach Hessen erwies sich allerdings als richtig. Unweit vom Tatort wurde zudem das Auto des Mannes auf dem Überwachungsvideo eines Hotels gefilmt. Auf dem Rückweg nach Hessen fuhr W. dann noch in eine Radarfalle.

Mutter ahnte Beteiligung des Sohnes

Einige Tage nach der Tat erinnerte sich die Mutter nach Angaben der Ermittler daran, dass sich ihr Sohn zuvor darüber informiert habe, ob die Post bei ihnen vormittags oder nachmittags komme. Da die Mörder mit dem Vorwand, von der Post zu sein, geklingelt hatten, vermutete die Frau bereits seit längerem, dass ihr Sohn an dem Verbrechen beteiligt ist. Dadurch sei eine „sehr brisante Situation” entstanden und die Mutter habe den Kontakt zu ihrem Sohn abgebrochen, sagte Ermittler Moll.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden Anfang der Woche Haftbefehle gegen die drei Männer gestellt. Ihnen wird nun gemeinschaftlicher Mord in Verbindung mit Heimtücke und Habgier vorgeworfen.