Köln: Dopingforschung: Interview mit Mario Thevis von der WADA

Köln : Dopingforschung: Interview mit Mario Thevis von der WADA

Mario Thevis ist forensischer Chemiker und Universitätsprofessor für präventive Dopingforschung an der Sporthochschule in Köln und gehört zum Expertenteam der World-Anti-Doping-Agency (WADA). Im Interview mit Wir Hier erklärt der Experte, was Doping ist und welche Sportarten davon betroffen sind.

Wir Hier: Was ist Doping?

Thevis: Doping beschreibt den Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Etwas vereinfacht und verkürzt dargestellt ist es in der Regel der Missbrauch von Substanzen, meist Medikamente, oder der Einsatz verbotener Methoden wie zum Beispiel Bluttransfusionen mit dem Ziel der Leistungssteigerung oder der Manipulation.

Wir Hier: Welche Doping-Mittel sind dabei die am häufigsten genutzten Substanzen?

Thevis: Die am häufigsten in Dopingkontroll-Proben aufgefundenen verbotenen Substanzen gehören zu den anabolen Wirkstoffen, meist sind das anabole Steroide, und außerdem zu den Stimulanzien. Zudem werden nicht selten sogenannte Peptidhormone wie zum Beispiel Erythropoietin oder Wachstumshormone und verwandte Verbindungen festgestellt.

Wir Hier: Welche Gefahren sind mit der Einnahme verbunden?

Thevis: Mit dem nicht therapeutischen Gebrauch jeder dieser Substanzen gehen Risiken leichter sowie schwerer Nebenwirkungen einher. Meist treten diese erst langfristig auf, aber auch akute gesundheitliche Probleme sind beschrieben worden, insbesondere im Falle der Stimulanzien.

Wir Hier: Welche Sportarten sind besonders betroffen von der Einnahme verbotener Substanzen?

Thevis: Kaum eine Sportart kann grundsätzlich vom Risiko des Dopings ausgenommen werden, aber in Sportarten, die im Speziellen Kraft und Ausdauer erfordern, kann mittels Dopingmaßnahmen ein besonders großer Vorteil für die Sportlerin oder den Sportler erreicht werden. Daher muss hier die Anfälligkeit als erhöht angesehen werden.

Wir Hier: Sind Todesfälle aufgrund der Einnahme von Dopingmitteln in Deutschland bekannt? Wenn ja, wie viele?

Thevis: Es ist kompliziert, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen einer möglichen Einnahme eines Dopingmittels und einer gesundheitlichen Komplikation herzustellen, da die Dopingmaßnahme selten zugegeben wird. Todesfälle, die zweifellos als Folge des Dopings zu bezeichnen sind, sind daher sehr selten.

Wir Hier: Gibt es Dopingfallen, bei denen man auf den ersten Blick nicht davon ausgeht, dass es leistungssteigernde Wirkungen mit sich bringt?

Thevis: Es gibt eine Vielzahl an Dopingfallen, die unter anderem auf unseriöse Quellen von Nahrungsergänzungsmitteln zurückzuführen sind. Hier werden gelegentlich vermeintlich unbedenkliche Produkte mit verbotenen Substanzen angereichert, die der Verbraucher dann unwissentlich konsumiert. Andere Dopingfallen, über die insbesondere in China und Mexiko berichtet wurden, resultierten zum Beispiel aus Nahrungsmittelkontaminationen, ausgelöst durch in der Tiermast illegal eingesetztes Clenbuterol.

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