"Docfest on Tour": Filmfest im Energeticon zum Bergbau-Ende

„Docfest on Tour“ am 30. Juni : Filmfestival zeigt die Sicht auf das Bergbau-Ende

Umbrüche der Energiewirtschaft bestimmen Gegenwart und Vergangenheit der Region. „Docfest on Tour“, die Reihe mit besonderen Filmen und Orten, bringt nun das Ende der Steinkohle vor 30 Jahren mit dem aktuellen Ende der Braunkohle am Alsdorfer Museum Energeticon zusammen.

Es sind scheinbar widersprüchliche Bilder: Zigtausende engagierte Menschen protestieren in der sehr erfolgreichen Langzeit-Doku „Die rote Linie“ für den Erhalt des Hambacher Forstes und für einen rechtzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle. Ähnlich engagiert streikten vor 30 Jahren in „4 im Revier“ Alsdorfer Arbeiterinnen und Arbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in den wirtschaftlich überkommenen Steinkohle-Zechen. Die legendäre erste deutsche Doku-Soap lief in 21 Teilen bei Kanal 4, einem „Programm-Fenster“ bei RTL – eine andere Medien-Geschichte.

Mustafa Yanin, an dessen Ausbildungsende in Alsdorf es hieß „Die Zeche schließt“, ist immer noch ein begnadeter Erzähler. Vor 30 Jahren hätten ihn die Filmleute schon etwas genervt. „Was habt ihr erlebt?“, fragten sie fast täglich und dann wurde es vor der Kamera nachgespielt. Viele Geschichten aus dem Bergmanns- und Privatleben. Heute wird diese Machart inflationär genutzt und ist als „scripted reality“ in Verruf gekommen.

Unter dem Motto „Energieerzeugung im Revier – Wohlstand und Widerstand“ bringt die Reihe „Docfest on Tour“ am 30. Juni in Alsdorf Protagonisten und Filmemacher dieser (medien-)historischen Ereignisse zusammen. An vier sehr originellen „Kinos“ vom Güterwagon bis zum ehemaligen Fördermaschinenhaus beleuchten Dokumentarfilme die Aspekte von Energiewenden. Energeticon-Leiter Thomas König schlug Docfest-Organisator Michael Chauvistré diesen Ort vor. Und tatsächlich: Auf raffinierte Weise durchdringen sich Themen, Ort, Geschichte und selbst Filmprojektion: Für die Dokumentation „Das Grubenunglück auf Grube Anna 2 in Alsdorf 1930“ müssen die Betrachter beispielsweise im „Fahrradkino“ auf einem Rad selbst CO2-neutral in die Pedale treten, damit der Film läuft.

Zum Filmprogramm gibt es die „DocTalks“, Gespräche mit den Filmemachern und Beteiligten, moderiert von Michael Chauvistré. Mit Regisseur Wolfgang Quest über seine Dokumentation „Vorbei die Zeit der schwarzen Kerle“ zur Schließung der letzten Zeche des EBV, Emil Mayrisch, im Jahr 1992. (14.10 Uhr). Um 17.30 Uhr sprechen dann Dieter und Inge Zeppenfeld und Tom Meffert für die damalige Zinnober-Filmproduktion mit Protagonisten zu „4 im Revier“. Und beim Filmgespräch zu „Die rote Linie“ (20.30 Uhr) treffen die Regisseurin Karin de Miguel Wessendorf und der Waldpädagoge Michael Zobel auf Boris Linden von der Zukunftsregion Rheinisches Revier und Manfred Maresch von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.

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