Ditib nach Bombendrohung in Köln: Angst in vielen Moscheegemeinden

Ditib nach Bombendrohung : Angst in vielen Moscheegemeinden

Die Türkisch-Islamische Union Ditib hat nach der Bombendrohung vom Dienstag gegen die Kölner Zentralmoschee um „Solidarität und Beistand“ für die verunsicherten Ditib-Gemeinden gebeten. Das Sicherheitsempfinden in vielen der 857 Ditib-Gemeinden in Deutschland sei empfindlich gestört, sagte der Bundesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union Ditib, Kazim Türkmen, am Mittwoch. Aber Deutschland sei Heimat und man wolle sich auch weiterhin einbringen.

Die Ditib stellte zugleich einen neuen Baustein für die Ausbildung von Imamen in Deutschland vor. Demnach sollen einige ihrer künftigen Religionsbeauftragten ab Herbst nach einem eigenen Konzept in Deutschland binnen gut zwei Jahren ausgebildet werden. Für zunächst 70 Bachelor-Absolventen der islamischen Theologie beginne diese Ausbildung demnächst in „überwiegend“ deutscher Sprache, kündigte Ditib-Bildungsbeauftragte Seyda Cem in Köln an.

Türkmen betonte, je mehr Imame in Deutschland künftig ihre Ausbildung machten, desto weniger Personal werde aus der Türkei entsandt. Von den bundesweit gut 1000 Ditib-Imamen seien derzeit schon gut 120 in Deutschland sozialisiert und mit deutschem Pass ausgestattet, hätten aber in der Türkei studiert. Bisher wird oft moniert, dass die meisten Imame aus dem Ausland geschickt werden, vor allem aus der Türkei für die Ditib-Moscheegemeinden.

Zu dem neuen Ausbildungsweg erläuterte Cem, die meisten der zunächst 70 Interessenten seien Deutsche, die hierzulande ihr Abitur absolviert und dann in der Türkei einen internationalen Studiengang islamische Theologie belegt hätten. Eine wenige hätten ihren Abschluss an deutschen Hochschulen gemacht. Die Ausbildung des religiösen Personals sei nach den Bedürfnissen der Ditib-Moscheegemeinden ausgerichtet, zu den Ausbildern gehörten aber auch externe Dozenten etwa von deutschen Hochschulen. Der Verband zahle die Ausbildung. Die Türkei komme allerdings über die Religionsbehörde Diyanet weiter für die Gehälter aller Ditib-Imame auf.

Die bundesweit größte Islam-Organisation wird wegen der Nähe zu Ankara kritisiert, viele fordern eine strukturelle, finanzielle und politische Lösung.

(dpa)
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