Düsseldorf: Ditib lässt Sitz im Beirat für Religionsunterricht nach Kritik ruhen

Düsseldorf : Ditib lässt Sitz im Beirat für Religionsunterricht nach Kritik ruhen

Die türkisch-islamische Union Ditib lässt nach Spitzelvorwürfen gegen Imame ihren Sitz im Beirat für den islamischen Religionsunterricht an NRW-Schulen ruhen. Für eine erfolgreiche Arbeit des Gremiums sei es nötig, „losgelöst von tagesaktuellen, politischen Diskussionen” arbeiten zu können, teilte der größte Islam-Dachverband in Deutschland am Dienstag mit.

Die Ditib reagiert damit auf eine Forderung von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Sie hatte von einem „Vertrauensverlust” gesprochen und von der Ditib verlangt, bis zur Aufklärung der Vorwürfe ihren Sitz ruhen zu lassen.

Der achtköpfige Beirat gibt seine Zustimmung zu Lehrplänen für den islamischen Religionsunterricht, außerdem ist er an der Genehmigung von Lernmitteln beteiligt. Mehrere Ditib-Imame werden verdächtigt, angebliche Anhänger des Predigers Fethullah Gülen in Deutschland nach Ankara gemeldet zu haben. Gülen gilt in der Türkei als Staatsfeind, seine Anhänger werden rigoros verfolgt.

„Die ausufernden Diskussionen um Ditib sind (...) geeignet, das Vertrauen in den Beirat zu belasten”, begründete nun der Moscheeverband. Man wolle aber später wieder in das Gremium zurückkehren. Ob es dazu kommt, hängt allerdings davon ab, ob die Vorwürfe lückenlos ausgeräumt werden können. Löhrmann hatte vor wenigen Tagen von der Ditib Aufklärung binnen zwei Wochen verlangt.

Zuvor hatte Integrationsminister Rainer Schmeltzer (SPD) eindeutige Schritte gefordert, mit denen sich Ditib von der türkischen Regierung und der ihr unterstehenden Religionsbehörde Diyanet lösen solle. Die rund 900 Imame der Ditib in Deutschland werden von Diyanet entsandt und bezahlt.

Dem NRW-Verfassungsschutz liegen Berichte an die Diyanet vor, in denen 28 Personennamen und 11 Institutionen gelistet werden, die angeblich Gülen nahestehen. Die Namen sollen Ditib-Imame geliefert haben.

(dpa)