Aachen: Digital-Aktionswochenende „Aachen 2025“ mit umfangreichem Programm

Aachen : Digital-Aktionswochenende „Aachen 2025“ mit umfangreichem Programm

Wenn eine Regenrinne mit Sensor dem Hersteller signalisiert „Hilfe! Ich bin verstopft!“ und der Facharzt den Patienten aus der Ferne berät, ist sie da, die Revolution, die sich die Macher von „Aachen 2025“ am 28. und 29. September in Aachen dringend wünschen: „Wir wollen den digitalen Wandel in die Köpfe der Menschen bringen“, betont Günter Bleimann-Gather, Vorstand der Tema AG, der zu den Initiatoren eines „Digitalen Volksfestes“ gehört, das 2016 zum ersten Mal stattfand.

Das damals gegründete Netzwerk aus engagierten Unternehmen, Hochschulen, Institutionen und Initiativen hat nicht nur gehalten — es ist dichter geworden. Etwa 300 Aktive sind beteiligt, wenn es erneutum das Motto „Zuhause in der Zukunft“ geht. Bereiche wie Bildung, Kultur, Wohnen, Energie, Kommunikation, Produktion, Gesundheit, Mobilität, Einkaufen und Digitale Geschäftsmodelle prägen das umfangreiche Spektrum eines Programms der Begegnungen, das kaum Wünsche offen lässt. Ein besonderes Bonbon gibt es für Autoliebhaber. Sie dürfen im Technologiezentrum ein Modell mit gebündelter digitaler Intelligenz betrachten — den futuristischen „BMW Vision next 100“, gut bewacht und hoch versichert.

Mobilität für Menschen mit schwerer Behinderung ist ein Thema in der Forschung der RWTH. „Mein Mitarbeiter Dzenan Dzafic, der gerade bei mir promoviert, ist selbst betroffen“, berichtet Informatik-Professor Stefan Kowalewski. „Wir können das von ihm entwickelte Navigationssystem für den Elektro-Rollstuhl vorstellen.“

Erwartet werden rund 15 000 Menschen, die allerhand ausprobieren, fragen und anregen dürfen. Nur eins sollten sie sein: neugierig. „Vielfach gibt es noch Ängste, wenn der Begriff ,digital‘ ins Spiel kommt“, weiß Bleimann-Gather. „Das wollen wir ändern.“ Und Lothar Mahnke, Agit-Geschäftsführer, ergänzt: „In Europa hat nur Aachen diese Verbindung von Ingenieurwissenschaft und Digitalisierung.“

War zunächst der Katschhof für „Aachen 2025“ vorgesehen, hat man die Themenwelten nun auf fünf Orte verteilt: Das Gebäude der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) am Europaplatz, die Digital Church, vormals St. Elisabeth (Jülicherstraße 72a), das Kultur-Depot, (Talstraße), das Ludwig Forum (Jülicher Straße 97-100) und das Stadtbad Blücherplatz.

„Wir wollen vermitteln, dass Digitalisierung bedeutet, gesünder und sicherer zu leben“, betont Oliver Grün (Digital Hub). Die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung gehöre dazu, man blicke aber auch weit über den Tellerrand. „Nicht verstehen bedeutet, rückwärts zu gehen“, konstatiert Hajo Noerenberg von Regina. Während der Verbund aus 140 IT-Unternehmen bisher eher Fachtagungen organisiert hat, öffnet man sich nun all jenen, die schon immer wissen wollten, wie Spracherkennung oder Kryptographie, die Kunst der Verschlüsselung, funktioniert.

Spannung verspricht der Themenbereich „Künstliche Intelligenz“. Bei der Startveranstaltung im Audimax wird etwa Alexa — konzipiert als Online-Dienst — die Zuschauer begrüßen. Hier liegt „Aachen 2025“ voll im Bundestrend: „In Berlin hat man verkündet, Deutschland könne betreffs Künstlicher Intelligenz führend werden“, berichtet Ina-Marie Orawiec („Ox2architekten“). Ziel sei es, die Grenzen zwischen Künstlichkeit und Menschlichkeit zu verwischen — wie bei Alexa.

Erstgespräch bei der Jobsuche mit einem Computer? Hilfe für Menschen mit Sprachverlust? All das gibt es bereits. Was auf dem Gebiet der Medizin möglich ist, wird bei der Agit gezeigt. Wenn hier der Wagen des Telenotarztes vor der Tür steht, muss es sich nicht um einen Notfall handeln: „Jeder hat Gelegenheit, mit der Besatzung zu sprechen“, versichert Elke Breidenbach, Leiterin der Stabsstelle Regionale Entwicklung beim Zweckverband der Region Aachen. Informiert wird zudem über Möglichkeiten, per Telekommunikation Fachärzte zeitnah einzusetzen und Fälle per Videokonferenz „am Krankenbett“ zu besprechen — etwa mit Intensivmedizinern.

Historie und digitaler Wandel begegnen einander beim interaktiven Aachener Geschichtsbuch. Generationen verbindet die Aktion „Jugendliche und Senioren am Tablet“. Alles lässt sich im Internet verfolgen und kommentieren. „Digitaler Wandel kann nur aus der Bürgerschaft kommen“, so das Credo der fantasievollen Macher.

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