Aachen: Die Studenten lenken ein, der AVV bekommt sein Geld

Aachen: Die Studenten lenken ein, der AVV bekommt sein Geld

Die Debatte läuft noch gar nicht lange, als Ye-One Rhie sich zu Wort meldet, um eine grundlegende Erkenntnis zu formulieren. Ye-One Rhie vertritt die Belange der Juso-Hochschulgruppe, an diesem Abend macht sie das im Studierenden-Parlament der RWTH.

Es hat zu entscheiden, ob Aachens Studenten auch in den kommenden Jahren ein Semesterticket haben werden. Dafür wurde eine Sondersitzung einberufen.

Ye-One Rhie bekommt das Mikrofon gereicht und sagt: „Wir diskutieren jetzt aber eigentlich nur über das, was wir schon im Dezember hätten haben können, oder?” Und weil sich kein Widerspruch regt, sagt Ye-One Rhie noch, dass das Ganze sicher auch einfacher zu bewerkstelligen gewesen wäre, dass man sich viel hätte ersparen können. „Theater möchte ich es nicht nennen”, sagt Ye-One Rhie.

Das Studierenden-Parlament hat am Montagabend gegen 21.30 Uhr entschieden, das Angebot des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) zur Verlängerung des Semestertickets für drei Jahre anzunehmen. Vorausgegangen war eine Abstimmung über zwei Anträge, von denen einer Semesterticket-Besitzern die Mitnahme eines Erwachsenen werktags ab 19 Uhr und am Wochenende ganztägig gestattet. Das Parlament votierte für das Angebot, es kostet pro Semester 2,38 Euro zusätzlich.

Insgesamt bezahlen die Studenten in den kommenden drei Jahren für ihr Ticket 147,20 Euro pro Semester. Das Angebot des AVV setzt sich folgendermaßen zusammen: 71,54 Euro kostet die Beförderung im AVV-Gebiet, 30,88 Euro das Anschlussticket für die Bahnverbindungen nach Köln und Düsseldorf, 42,40 Euro die landesweite Bus- und Bahnnutzung und 2,38 Euro eben die Mitnahme eines weiteren Erwachsenen. Zudem dürfen Semesterticket-Besitzer bis zu drei Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren mitnehmen.

Von 41 Parlamentsmitgliedern stimmten 39 für die Annahme des AVV-Angebots, es gab eine Nein-Stimme und eine Enthaltung. Das Ergebnis ist überraschend eindeutig in Anbetracht der wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen Studentenvertretung der RWTH (AStA) und AVV, die der Sondersitzung vorausgegangen waren. Der AStA hatte sich geweigert der zunächst vom AVV vorgeschlagenen Preiserhöhung zuzustimmen. Es wurde ein weiteres Angebot vorgelegt und abgelehnt. Die Studentenvertretung warf dem AVV „Preistreiberei” vor, dessen Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich sagte, die Gegenseite hebele das Solidaritätsprinzip aus.

Das nun angenommene Angebot unterscheidet sich wenig von dem zuerst unterbreiteten. Der Preis für die Beförderung im AVV-Gebiet wurde in beiden mit 71,54 Euro angegeben, allein die Kosten für Bahn-Anschlusstickets und landesweite Nutzung variieren ein wenig. Im ursprünglichen Angebot hatte das Ticket im ersten Jahr 143,45 Euro und im zweiten Jahr 146,64 pro Semester gekostet. Jetzt sind es 147,20 Euro pro Semester, dafür gibt es die Möglichkeit, jemanden mitzunehmen.

Ye-One Rhies Kritik, dass man auch früher zu einer Lösung hätte kommen können, blieb eine Ausnahme. Es war ein Abend der versöhnlichen Worte. „Wir haben das Vertrauen zueinander wieder hergestellt. Es ist ein gutes Angebot”, sagte AStA-Vorsitzender Bela Brenger. Sistenich lobte das eindeutige Ergebnis und die sachliche Diskussion. Er sagte: „Es ist legitim, dass die Studentenvertreter für ihre Belange gekämpft haben.”

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