Köln: Die „schäl Sick“ von Köln wird schick

Köln : Die „schäl Sick“ von Köln wird schick

Das Kernstück des neuen Rheinboulevards in Köln wird am Montag freigegeben. Zumindest ein bisschen. Die 500 Meter breite Freitreppe soll einmal 10.000 Menschen Platz bieten. Nun eröffnet der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roter (SPD) den unteren Teil.

Ab 15 Uhr kann dann jeder, der möchte, am Rhein entlang flanieren oder auf den fünf unteren Stufen sitzen. Der obere Teil hinter mobilen Absperrungen bleibt solange gesperrt, bis die Bauarbeiten für die Promenade abgeschlossen sind, sagt Joachim Bauer vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen unserer Zeitung.

Hinter den mobilen Absperrungen folgen noch einmal fünf große Stufen zum Sitzen, dahinter entsteht der eigentliche Boulevard: eine fünf Meter breite Allee für Fußgänger und Radfahrer. Die ist aber bislang nur zu erahnen. In dem letzten Bauabschnitt prägen noch Bagger und Schutt das Bild. Ende des Jahres soll das gesamte Projekt fertig sein. Früher als gedacht. „Wir hatten mit mehr Hochwassern gerechnet, weil die nicht kamen, ging alles schneller“, sagt Bauer, der dem Rheinboulevard eine hohe Bedeutung beimisst. „Er wird das rechtsrheinische Köln enorm aufwerten“, prophezeit er.

Das 24,8 Millionen teure Projekt entstand im Rahmen der Regionale 2010. Tatsächlich ist es Ziel der Stadt Köln, mit dem Prestigebau „die beiden Uferseiten des Rheins auf Augenhöhe zu bringen“ — so heißt es beim Spatenstich im Juni 2010. Die „schäl Sick“, wie der Kölner die „falsche“, rechte Rheinseite nennt, wird schick. Bislang gab es an der Stelle, an der nun die Freitreppe entsteht, ein Ufermäuerchen. Auch das war bei Kölnern und Touristen gleichermaßen als Sitzgelegenheit beliebt — bietet die Stelle zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke doch die beste Sicht auf das Stadtpanorama. Und ehrlicherweise ist das Schönste an der Freitreppe auch eben jener Ausblick auf den Dom, das Rathaus, die Altstadt. Es wird sicher der neue Lieblingsplatz von Fotografen und Touristen.

Zu den Kölner Lichtern wollte die Stadt die Treppe noch nicht eröffnen. Schließlich müsse man dann auch die Sicherheit der Besucher gewährleisten. Das ist neben einer Baustelle nicht unbedingt leicht, wie Bauer erklärt. Vor dem Hauptfeuerwerk sollen dort aber bengalische Lichter brennen. Auch für Silvester 2015 will er keine Versprechungen machen. „Ich weiß noch nicht, ob wir vor oder nach dem Jahreswechsel öffnen“, sagt Bauer. Wenn man öffne, werde die Stadt mit Sicherheitspersonal den Zugang zum Boulevard regeln.

Die Treppe gehört den Bürgern

Vorschläge, wonach man die Treppe einige Male im Jahr — etwa an Silvester — vermieten könne, sind vom Tisch. Die Stadt habe die Brücke bezahlt, dann solle sie auch den Bürgern zugute kommen, erklärt Bauer. Der Rat der Stadt hatte sich gegen die kommerzielle Nutzung ausgesprochen.

Teuer kann die Treppe für die Bürger dennoch werden, indirekt. Die Reinigungskosten wurden zunächst mit 800 000 Euro, inzwischen „nur“ noch mit 600.000 Euro pro Jahr veranschlagt. Anfangs hatte das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen den schlimmsten Fall angenommen. „Wir gehen in dem ersten Rechnungsmodell davon aus, dass wir wöchentlich Graffiti entfernen müssen“, sagt Bauer. Natürlich könne es sein, dass sich die Besucher „besser benehmen“ und so weniger Reinigungskosten entstehen. Das werde eine Testphase von eineinhalb Jahren zeigen.

„So eine Treppe gibt es nirgendwo“, sagt Bauer stolz. Aus diesem Grund habe man leider keine Vergleichsmöglichkeiten. Warum die Stadt sich denn ausgerechnet für den hellen Beton entschieden hätte — das wollten viele Kölner wissen, als die Reinigungskosten öffentlich wurden. In der Stadt bekam der „Treppenwitz“ eine ganz neue Bedeutung. Der beinahe weiße Beton habe durchaus Sinn, erklärt Bauer. Er ist besonders hart und widerstandsfähig. Das sei notwendig, weil man von einem sehr hohen Besucheraufkommen ausgehe. Mit eingeplant ist auch eine Sperrung der Treppe bei Hochwasser, erklärt Bauer. Das geschieht aus Sicherheitsgründen, weil bei Hochwasser die unteren Stufen überflutet werden.

Zwischen den neuen hellen Betonstufen werden Besucher auch das ein oder andere alte Mäuerchen entdecken, erklärt Bauer außerdem. Die Denkmalschutzbehörde untersucht das historische Gebiet noch bis zum Spätsommer. Teile des römischen Kastells „Castrum Divita“ liegen hier, später befand sich in dem Areal eine preußische Kaserne. 300 Leichname wurden von Experten des Römisch-Germanischen Museums geborgen. Die Skelette werden untersucht und sollen anschließend auf dem Deutzer Friedhof wieder begraben werden.