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Schrein geöffnet: Die Magie der Heiligen Drei Könige wirkt bis heute

Schrein geöffnet : Die Magie der Heiligen Drei Könige wirkt bis heute

Kaspar, Melchior und Balthasar - die Heiligen Drei Könige ruhen der Überlieferung zufolge im Kölner Dom. Am Montag wurde der Goldschrein mit den Gebeinen geöffnet, erstmals für eine ganze Woche. Die „Weisen aus dem Morgenland“ faszinieren noch immer.

Am Dreikönigstag zieht der Kölner Dom alle Register. Dann rumort es im Turm wie sonst nur an Weihnachten und Ostern, wenn Päpste sterben und Kriege enden. Die Glocken läuten, es gibt Weihrauch bis zum Umfallen, und diesmal schien auch noch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und tauchte das Innere der Kathedrale in die leuchtenden Farben des riesigen Gerhard-Richter-Fensters. Jedes Jahr am 6. Januar feiern die Katholiken weltweit eines ihrer höchsten Feste, Heilige Drei Könige. Und eben diese Könige ruhen der Überlieferung zufolge in Kölle am Rhein.

Der ganze Dom ist sogar nur für sie gebaut worden. Eine der größten Kirchen der Welt - nur für ein paar Knochen. Im Mittelalter ging eine solche Faszination von den Gebeinen aus, dass Köln zum größten Pilgerort nach Rom und Santiago de Compostela wurde. Auch heute ist die Magie noch nicht ganz verschwunden: Am Montag war der Dom jedenfalls proppenvoll. Erstmals wurde der goldene Schrein mit den Knochen - angeblich der größte seiner Art überhaupt - nicht nur für einen Tag, sondern für eine ganze Woche geöffnet. Bis einschließlich Sonntag kann man nun hinter einem Gitter die Schädel von Kaspar, Melchior und Balthasar sehen.

Nach einem Festgottesdienst mit Kardinal Rainer Maria Woelki zogen die Gläubigen in einer Prozession unter dem Schrein hindurch. Von den Königen geht eine gewisse Faszination aus. Man kennt sie von Krippen: Mit prachtvollen Kronen, Turbanen und exotischen Gewändern ausstaffiert, werden sie von Kamelen und mitunter sogar von Elefanten begleitet. Oftmals sind die Könige mit ihrem Gefolge die eigentlichen Hingucker.

Viele Legenden umranken die „Weisen aus dem Morgenland“. „Heilig gesprochen wurden sie nie, sie werden nur so genannt“, erläutert der Experte Prof. Manfred Becker-Huberti. „Dass es drei waren, wird nur davon abgeleitet, dass sie drei Geschenke mitgebracht haben sollen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und Könige sind es wohl auch nicht gewesen.“ Diese Bezeichnung werde erst seit dem 5. Jahrhundert verwendet - vermutlich weil im Alten Testament prophezeit wird, dass der Messias - der Retter - von Königen beschenkt werden wird. „Die Christen wollten einen weiteren Beleg dafür liefern, dass wirklich Jesus dieser Messias ist.“

Der einzige biblische Autor, der die Könige überhaupt erwähnt, der Evangelist Matthäus, nennt sie „magoi“. „Das kann man wohl am besten mit „Sterndeutern“ übersetzen“, sagt Becker-Huberti. Die „magoi“ waren Mitglieder der persisch-babylonischen Priesterkaste, die sich mit Astronomie und Astrologie beschäftigten.

Einen wahren Kern könnte der geheimnisvolle Stern haben, der die Könige geführt haben soll. Forscher haben herausgefunden, dass im Jahr 7 vor Christus eine Konjunktion stattgefunden hat, ein enges Nebeneinanderstehen der Planeten Saturn und Jupiter. Das kommt nur alle 800 Jahre vor. Was die Sache noch erstaunlicher macht: Nach heutigem Forschungsstand wurde Jesus nicht in dem Jahr geboren, das als Jahr 0 den Beginn der Zeitrechnung markiert, sondern einige Jahre früher.

Im Mittelalter wurde die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland auch als Theaterstück aufgeführt - es war der Vorläufer des Krippenspiels. Und noch etwas entwickelte sich aus diesen Vorführungen: Die Figur des Königs Kaspar blieb als Kasperle zurück. Die ursprünglich nach vorn herunterhängende Zipfelmütze geht direkt auf die Mützen zurück, mit der die Weisen auf frühen Abbildungen dargestellt wurden: Es war die typische Kopfbedeckung Kleinasiens, der möglichen Heimat der Sterndeuter.

Spannend ist natürlich die Frage, wie alt die Knochen sind, die im Kölner Schrein aufbewahrt werden. Alt sind sie auf jeden Fall: Sie wurden im Jahr 1164 als Kriegsbeute aus Mailand nach Köln geschafft. Wissenschaftlich untersucht worden sind die Knochen aber noch nie, nur die Stoffe, in die sie eingewickelt sind. Das Ergebnis: Es handelt sich um syrischen Damast, Purpur und Seide aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus. Also immerhin aus der Antike, wenn auch nicht aus der Zeit von Jesus.

Ein Aspekt macht die Könige bis heute aktuell: Schon im Mittelalter wurden sie den drei damals bekannten Kontinenten Europa, Asien und Afrika zugeordnet. Sie repräsentieren damit alle Menschen der Welt - und sie befinden sich auf einer Reise. In einer Stadt wie Köln, in der Menschen aus über 180 Nationen mit mehr als 150 verschiedenen Religionen zusammenleben, sind sie damit immer noch goldrichtig.

(dpa)