Düsseldorf: Die Jagd nach Schlangen und Spinnen: Die Reptilienfänger der Feuerwehr

Düsseldorf : Die Jagd nach Schlangen und Spinnen: Die Reptilienfänger der Feuerwehr

Es ist ein nicht alltägliches Haustier, das sich die Feuerwehrleute der Wache 4 in Düsseldorf halten. Seit etwa zehn Jahren lebt dort eine Kornnatter in einem großen Terrarium. „Die Schlange haben wir als Jungtier mal eingefangen“, sagt Berufsfeuerwehrmann Sebastian Schreiner.

Er gehört der bundesweit einmaligen Reptilienfachgruppe der Feuerwehr Düsseldorf an. Gerufen wird sie immer dann, wenn irgendwo im Land ein giftiges oder für die Region nicht heimisches Tier aus einem Terrarium entkommt und Experten benötigt werden, um es wieder einzufangen. So wie die ungiftige Kornnatter, die, obwohl sie schon so lange bei der Feuerwehr ist, keinen Namen hat. „Sie ist einfach unsere Kornnatter. Und gut ist“, sagt der 37-Jährige.

2006 wurde die sechs- bis achtköpfige Gruppe der Reptilienjäger aufgebaut. Seitdem hatten sie Hunderte Einsätze — jedes Jahr sind es zwischen 50 und 60. In den vergangenen Jahren waren es jeweils 55 und 2018 sind es bislang auch schon wieder 25. „Es ist schon auffällig, dass die Zahl dieser Einsätze seit Jahren konstant bleibt“, sagt Schreiner. Hinzu käme aber eine Dunkelziffer, die deutlich höher liegen dürfte, schätzt er. „Viele melden es einfach nicht, wenn ihnen ein solches Tier abhandenkommt“, sagt er.

Nachbarn rufen die Feuerwehr

Ein Grund für dieses Verhalten: Sie fürchten, für den Feuerwehreinsatz aufkommen zu müssen. Ohnehin seien es nicht immer die Besitzer, die die Feuerwehr alarmieren, sondern direkte Nachbarn oder Anwohner. So ist es auch bei der Kornnatter gewesen. „Sie tauchte damals in einem Hausflur auf. Ein Anwohner hatte uns verständigt. Der Besitzer hat sich nie gemeldet“, sagt Schreiner.

Die Reptilienfachgruppe fährt nicht für jede Blindschleiche raus. Sie bitten die anderen Feuerwehren immer, ihnen ein Foto des Tieres zu schicken. Sie helfen dann zunächst bei der Bestimmung und geben per Telefon Handlungsanweisungen. „Sonst besteht auch die Gefahr, dass das Tier weg ist, bis wir da sind“, sagt Schreiner. Sollte sich aber herausstellen, dass es sich um etwas Gefährliches handelt, fahren die Reptilienjäger persönlich raus.

In Kamp-Lintfort scheint das momentan nicht der Fall zu sein. Dort sorgt seit Tagen eine Schlange für Aufsehen. Ein Anwohner hatte das etwa zwei Meter lange Reptil mit seiner Wildkamera in seinem Garten gefilmt. Experten des nahen Terra-Zoos in Rheinberg sagten anhand der Aufnahmen, dass es sich vermutlich um eine ungiftige, aber nicht einheimische Schlangenart handeln müsse. Die Stadt empfahl Anwohnern, im Freien verstärkt auf Geräusche oder Bewegungen in Sträuchern und anderen Gewächsen zu achten. Die Suchaktion von Feuerwehr und Polizei blieb bislang erfolglos. Schreiner und seine Kollegen verfolgen die Entwicklung in Kamp-Lintfort aus der Ferne. „Unsere Hilfe ist dort nicht nötig“, sagen sie. Bislang jedenfalls.

Die Haltung gefährlicher Tiere ist in Privathaushalten in NRW nicht verboten. Dabei können die gefährlichen Exoten zur tödlichen Gefahr für ihren Besitzer und andere werden. So wurde vor einigen Jahren in Kerken ein Halter von einer Puffotter gebissen und lebensgefährlich verletzt. Der Mann war beim Wechseln des Wassers im Terrarium von dem Reptil gebissen worden. In Duisburg wurde zudem ein Mann von einer Klapperschlange gebissen. Die Polizei musste das Gegenmittel mit einem Hubschrauber aus München einfliegen.

Viele Halter sind nicht sachkundig

Experten gehen von einer hohen Zahl nicht sachkundiger Haltungen von gefährlichen Tieren in NRW aus. Vor vier Jahren wollte der damalige Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) dies zwar per Landesgesetz verbieten lassen. Er scheiterte aber am Widerstand der kommunalen Spitzenverbände, die die Regelung ablehnten mit der Begründung: Die örtlichenBehörden könnten dies nicht überwachen. Seitdem liegt das Vorhaben auf Eis.

Das sei nicht nachvollziehbar, findet Schreiner. Er plädiert für eine Art Führerschein für Halter giftiger Tiere. „Es kann nicht sein, dass es sowas noch nicht gibt. Jeder Halter eines größeren Hundes muss einen entsprechenden Test ablegen“, betont er. Auch Schreiner hat bis vor einigen Jahren Reptilien bei sich zu Hause gehalten. Dann habe sich aber seine Einstellung geändert. „Ich habe die Tiere in freier Wildbahn gesehen. Seitdem bin ich nicht mehr davon überzeugt, dass Reptilien in Privathaushalten in kleinen Terrarien ordnungsgemäß gehalten werden können.“