Aachen: Die illegalen Einreisen über die A44 nehmen wieder zu

Aachen : Die illegalen Einreisen über die A44 nehmen wieder zu

An der belgisch-deutschen Grenze steigt die Zahl der illegalen Einreiseversuche. Wie eine Anfrage unserer Zeitung bei der Bundespolizei ergab, wurden vergangenes Jahr etwa 2100 Menschen bei der illegalen Einreise aufgegriffen, gegen 58 Schleuser wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Tendenz für das laufende Jahr sei steigend, teilte ein Behördensprecher mit.

Nach einem aktuellen Bericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), der unserer Zeitung vorliegt, wird mittlerweile fast jeder vierte Asylantrag in Nordrhein-Westfalen gestellt. Das legt den Verdacht nahe, dass die A 44 zur Hauptschleusungsroute nach Deutschland geworden ist.

Trotz der eindeutigen Zahlen geht das Bundesinnenministerium davon aus, dass die A 44 lediglich „regional einen Schwerpunkt bei der Feststellung unerlaubter Einreisen an der deutsch-belgischen Grenze“ bildet, wie eine Sprecherin von Minister Horst Seehofer (CSU) auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.

Im Jahr 2014 hatte die für die Überwachung des belgisch-deutschen Grenzübergangs auf der A 44 zuständige Bundespolizeiinspektion Aachen insgesamt knapp 3000 illegale Einreiseversuche festgestellt, obwohl 2014 bundesweit weniger Asylanträge (203.000) gestellt worden waren als 2017 (223.000). Möglicherweise hat das auch mit einem sich verschärfenden Personalmangel in der Aachener Inspektion zu tun.

Die Dunkelziffer derer, die vollkommen unbemerkt über Belgien nach Deutschland einreisen, liegt sehr wahrscheinlich also erheblich höher, glaubt Michael Schaffrath von der Aachener Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Wie viele Menschen über die niederländische Grenze nach Deutschland kämen, sei mangels Kontrollen überhaupt nicht festzustellen.

Im Moment seien 70 Prozent der 290 Planstellen in Aachen besetzt, also 203, heißt es offiziell. Weil aber die Inspektion fast täglich Beamte zum Flughafen Köln/Bonn abstellen muss, stehen nach Recherchen unserer Zeitung nur etwa 170 Polizisten zur Verfügung. An einigen Tagen ist es kaum möglich, auch nur eine einzige Streifenwagenbesatzug für den Außeneinsatz abzustellen. Offiziell wird das allerdings nicht bestätigt.

700 Polizisten zu wenig in Aachen

Das Bundesinnenministerium erklärte, „der personelle Auffüllungsgrad der Bundespolizeiinspektion Aachen ist in der Tat nach wie vor vergleichsweise eher niedrig“. Gleichzeit sei aber sichergestellt, dass die für die gesamte Region Aachen, Düren, Heinsberg zuständig Inspektion „anlass- und lagebezogen in erforderlicher Weise unterstützt“ werde. Eine Sprecherin Seehofers stellt der Inspektion „erst ab Frühjahr 2019“ mehr Personal in Aussicht.

Nach Berechnungen des Bundesvorstandes der GdP müsste die Inspektion Aachen über 870 Planstellen verfügen, um ihre gesetzlich festgeschriebenen Aufgaben gewährleisten zu können, also 580 mehr Planstellen als im Moment — und 700 Stellen mehr, als tatsächlich zur Verfügung stehen. Zu den Aufgaben der Inspektion gehört, 204 Kilometer Grenze zu überwachen, die Sicherheit an 44 Bahnhöfen und drei Flugplätzen sicherzustellen.