Aachen: Die Gefahren im Netz sind allgegenwärtig

Aachen: Die Gefahren im Netz sind allgegenwärtig

Der moderne Bankräuber kann heutzutage von der Couch aus arbeiten. Er braucht weder Masken, noch Waffen oder Fluchtwagen. Der Weg zum schnellen Geld: das Internet. Im Februar wurde bekannt, dass eine Gruppe von Kriminellen die Arbeitsrechner von Bankangestellten gehackt hat.

Darüber konnten die Bankräuber innerhalb von zwei Jahren 100 Banken in 30 Ländern um insgesamt eine Milliarde Dollar erleichtern, über 904 Millionen Euro. In der Regel werden die Banken nicht direkt Opfer der Internetkriminalität. Es sind vor allem Privatnutzer, die beim Online-Banking auspioniert und bestohlen werden. Es kann jeden treffen.

Bei dem Forum unserer Zeitung, „Recht im Zentrum“, haben Experten, die sich täglich mit Internetkriminalität auseinandersetzen, über mögliche Schutzmaßnahmen gesprochen. Mit Witz und klarer, verständlicher Sprache haben die Referenten verschiedene komplexe Sachlagen erklärt und Sicherheitstipps gegeben.

Teil des Problems: die Nutzer sind oft zu gutgläubig. „77 Prozent der Deutschen nutzen täglich das Internet“, sagt Manfred Kutsch, Moderator der Veranstaltung, „die wenigsten informieren sich über Risiken und Präventionsmaßnahmen.“

Deshalb sei Online-Banking ohne besondere Schutzvorkehrungen in etwa so sicher „wie mit einem Auto mit vier verschiedenen Reifen und unterschiedlich abgefahrenen Profilen bei Glatteis den Berg hochzurasen“, sagt Ulrich Trommer von der Polizei Aachen Ein Anti-Viren-Programm ist Grundvoraussetzung. Aber eben auch kein Allheilmittel.

„Meistens werden Computer über sogenannte Phishing-E-Mails infiziert“, sagt Trommer, „die erwecken den Anschein, sie seien offiziell oder wichtig.“ Beispielsweise von einem Staatsanwalt, von der Bank, oder Onlinemärkten wie Ebay oder Amazon. Der Empfänger werde dann gebeten, den Anhang zu öffnen oder einem Link zu folgen. Durch den Schockmoment der „dringenden Anfrage“ werde der Bitte oft gefolgt.

Der Anhang einer Phishing-Mail lasse sich „scheinbar“ nicht öffnen, sagt Trommer. Der Computer sei dann trotzdem mit einem Trojaner infiziert. Als Trojaner bezeichnet man Spähsoftware. Das heißt Programme, die verdeckt arbeiten und vorerst nur die Daten des Nutzers sammeln und weiterleiten.

„Die Versender der infizierten E-Mail nutzen die Daten meist nicht selbst“, sagt Axel Körtgen, von der Staatsanwaltschaft Aachen, „Daten werden gespeichert, ausgewertet und schließlich verkauft.“ Nicht selten werde Online-Banking ausgespäht.

Die E-Mail mit der schädlichen Software kann den Nutzer aber auch auffordern, unter einem Link „dringend“ seine Account-Daten, beispielsweise von Ebay oder Amazon, zu aktualisieren. „Werden die Zugangsdaten dann neu eingegeben“, sagt Trommer, „dann werden sie für den Cyber-Gangster sichtbar.“ Der Account könne dann für kriminelle Machenschaften genutzt werden.

Aber wie kann man sich vor dem Internetbetrug schützen? Die Experten kennen nicht nur die Pro­bleme, sie kennen auch die ein oder andere Lösung. Neben den technischen Sicherungsmöglichkeiten ist man für Infektionsprävention auch selbst verantwortlich. „Die beste Prävention ist ein gesunder Skeptizismus“, sagt Stefan Becker, Landeskriminalamt NRW.

Anhänge in E-Mails von Kreditinstituten oder Internetplattformen sollten nur geöffnet werden, wenn auch eine Nachricht erwartet wird. „Im Zweifel einfach löschen“, sagt Stefan Becker. Für sicheres Online-Banking rät Becker zu einem HBCI-Kartenlesegerät Klasse 3. Das Gerät wird per Kabel mit dem Computer verbunden. Dann gibt man die Karte ein, in etwa wie am Bankautomaten.

Die Bandbreite der Gefahren und Sicherheitsmethoden hätten aber den Rahmen der Veranstaltung gesprengt. Nutzer sollten sich unbedingt über Gefahren und Sicherheitsmethoden informieren.

(nvw)