Aachen: Die „Flexer-Bande” muss für viele Jahre ins Gefängnis

Aachen: Die „Flexer-Bande” muss für viele Jahre ins Gefängnis

„Das war handwerklich eine sehr gute Arbeit”, stellt der Vorsitzende Richter am Aachener Landgericht, Harald Brandt, neidlos in der Urteilsverkündung fest. „Exakte viereckige Löcher” habe der Frontmann der untereinander verschwägerten Flexer-Bande in die Kassetten der Geldautomaten geschnitten.

Diese einmal geöffnet, seien die Täter an erhebliche Summen Bargeldes in den völlig ungesicherten Bäuchen der EC-Automaten gelangt. Von Geilenkirchen bis Siegen, von Monschau über Düren bis ins westfälische Kamen hatte die fünfköpfige „Flexer-Bande” zugeschlagen und bei insgesamt zwölf Einbrüchen in Supermärkte - dort standen die angepeilten Automaten - satte 522.000 Euro erbeutet.

Für drei der fünf Täter ist nun Schluss mit lustig. Wegen schweren Bandendiebstahls verurteilte die Strafkammer den Kopf der Bande, den 47-jährigen und einschlägig vorbestraften W. K., zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sieben Monaten. Mit je fünf Jahren und sieben Monaten kamen der 26-jährige Neffe A. E. und Schwager D. (37) ein wenig besser weg. Sie hatten bei den Brüchen in die Supermärkte und Einkaufszentren - darunter zum Beispiel Wohnwelt Pallen oder auch der Rewe-Markt in Geilenkirchen sowie das Aachener Hirsch-Center - vorwiegend draußen gewartet und Schmiere gestanden.

Die höchste Einzelsumme, die sie aus den Automaten holen konnten, waren stattliche 182.000 Euro. „Und die Banken hatten nichts zur Sicherheit ihres Geldes beigetragen”, rüffelte Richter Brandt die Sorglosigkeit der Geldinstitute. „Vor dem Juni 2008”, begann der Richter seine Urteilsverkündung, „starteten sie eine gut geplante und professionell vorbereitete Serie von Einbrüchen.” Nachdem sie Bewegungsmelder meist mit Farbspray oder auch mit Sekundenkleber vor Geschäftsschluss außer Gefecht gesetzt hatten, stiegen sie zu später Stunde, in der Regel kurz vor Mitternacht, über die Flachdächer in die Supermarkthallen ein.

In der Tasche hatten sie eine kleine Flex für die schwierigen Ecken und ein großes Winkelschleifgerät fürs grobe Arbeiten sowie ausreichend Verlängerungskabel für die Stromzufuhr. Den Weg zurück hatten sie ebenso gut geplant.

Kisten oder spezielle Leitern sollten ihnen den Weg zurück vom Boden der Supermarkthallen auf das oft sechs bis acht Meter hohe Dach ermöglichen. Wieder einmal setzte Kommissar Zufall die umfangreichen Ermittlungen gegen die Bande in Gang, die im Frühjahr 2009 mit der Verhaftung von vieren der fünf Täter zum Teilerfolg führten.

Denn der „Hauptflexer”, ein bisher von der Bande nicht preisgegebener „Mister X”, ging bis heute nicht ins Netz. Bei einer Überwachung „in ganz anderer Sache” (Brandt) war einem Kripomann der polizeibekannte Wesim K. aufgefallen, als er nacheinander diverse Supermärkte auskundschaftete. Die Kripo verwanzte daraufhin den Bulli des Verdächtigen. Es war der Tatwagen der Bande; mit ihm fuhren sie zu den Einbrüchen.