Aachen: Die Cybergangster werden immer raffinierter

Aachen : Die Cybergangster werden immer raffinierter

77 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen das Internet. Per Computer chatten oder telefonieren sie, kaufen ein, buchen Reisen und wickeln ihre Bankgeschäfte ab — und setzen sich damit Tag für Tag den Gefahren der digitalen Kriminalität aus.

Vor diesem Hintergrund findet am Mittwoch, 4. März, 18 Uhr, im Justizzentrum Aachen das Forum unserer Zeitung „Recht im Zentrum“ statt. Das Thema des Forums ist „Internetkriminalität — Erscheinungsformen und Präventionsmöglichkeiten“. Die Staatsanwaltschaft Aachen hat für das Forum vier hochkarätige Experten eingeladen, die Kurzvorträge halten werden und mit dem Publikum Fragen diskutieren.

Die Fachleute aus den Anklagebehörden Köln und Aachen sowie dem Landeskriminalamt und der Polizei erklären, wie Kriminelle Zugang zu privaten Computern bekommen und beantworten Fragen nach dem Schutz des PCs vor sogenannten Phishing-E-Mails und dem Ausspähen des Benutzerkontos. Ferner klären sie über Kreditkartenmissbrauch, Abofallen, Cybermobbing sowie Erscheinungsformen und Folgen des betrügerischen Onlinebankings auf.

Das Internet macht es Kriminellen so einfach, weil es leicht ist, im Netz seine Spuren zu verwischen. Die Täter setzen außerdem auf mangelnde Kenntnisse ihrer Opfer. E-Mails mit Schadstoffsoftware werden immer besser getarnt.

Wie gut die Deutschen sich mit dem Internet auskennen untersucht regelmäßig der (N)Onliner Atlas. Seit 2001 sammelt die Initiative jährlich Daten von rund 30.000 Deutschen. So weiß laut (N)Onliner Atlas 2014 nicht einmal die Hälfte der Deutschen, was eine „Cloud“ oder „Cookies“ sind. Immerhin konnten 76 Prozent der Befragten mit dem Begriff „Anti-Viren-Software“ etwas anfangen.

Die Erscheinungsformen der Interkriminalität sind vielfältig — als Beispiele von insgesamt 64.426 Fällen im Jahr 2013 seien genannt: Betrug, Ausspähen von Daten, Identitätsdiebstahl, Verstöße gegen das Verbreitungsverbot oder den Jugendmedienschutz, Urheberrechtsverletzungen, Cyber-Mobbing, Volksverhetzung oder das Verbreiten von Kinderpornographie. In jüngster Zeit werden die Methoden der Cybergangster zusehends raffinierter.

Das „Phishing“, also Versuche, über gefälschte Webseiten, Mails oder Kurznachrichten an persönliche Daten eines Internetbesuchers zu gelangen, bildet laut Bundeskriminalamt (BKA) weiterhin einen Schwerpunkt im Bereich der Cyberkriminaliät. Um 19 Prozent stiegen die Phishing-Fälle 2013 gegenüber dem Vorjahr an. 4096 Fälle ermittelte das BKA, bei einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 4000 Euro pro Fall.

Kriminelle hätten ihre Methoden an verbesserte Sicherheitsstandards angepasst, so die Fahnder. Insgesamt aber sind die Fallzahlen des Phishing rückläufig, im Jahr 2011 lagen sie noch bei 6422 registrierten Fällen. Für den Rückgang werden gestiegene Sensibilisierung der Anwender, verstärkte Schutzmaßnahmen und effektives IT-Management verantwortlich gemacht.

Auch Smartphones sind ein lohnenswertes Ziel für Kriminelle. Denn mit dem Handy wird von Unterwegs auf das Bankkonto zugegriffen, Nutzer sehen ihre E-Mail-Konten ein und melden sich bei sozialen Netzwerken an. Auch geschäftliche Mails werden per Smartphone abgerufen. Die darauf gespeicherten Zugangsdaten und Passwörter sind das Ziel der Kriminellen, die sich in die Geräte einhacken können. Viele Nutzer, so das BKA, seien sich der mobilen Betriebssysteme nur unzureichend bewusst.

Als auffällig bezeichnet das BKA die gestiegene Anzahl von Delikten, bei denen es sich nicht direkt um Internetkriminalität handelt, sondern bei denen das Internet als „Tatmittel“ registriert wurde. 257.486 Fälle verzeichneten die Ermittler 2013 in diesem Bereich, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei handelt es sich überwiegend um altbekannte Delikte wie Waren- und Kreditbetrug. Zu dieser Kategorie zählen Vorgänge, bei denen ein bestelltes Produkt nicht oder nur in minderwertiger Qualität geliefert wird.

Die Dunkelziffer im Bereich Internetkriminalität gilt als eklatant. Eine Untersuchung des Landeskriminalamtes Niedersachsen ergab, dass nur neun Prozent aller Delikte überhaupt angezeigt werden. Eine große Anzahl dieser Dunkelziffer-Fälle besteht allerdings aus Straftaten, die nicht über das Versuchsstadium hinausgekommen sind. Das gilt beispielsweise für Computersabotage oder Datenveränderungen. Oft scheitern Kriminelle an den Sicherheitsmaßnahmen, die am PC vorgenommen wurden.

Fragen des Publikums sind bei unserem Forum am 4. März im Justizzentrum Aachen möglich und erwünscht. Die Experten werden Rede und Antwort stehen. Anmeldungen zur kostenlosen Veranstaltung sind erforderlich.