„In heiterer Gelassenheit, Ihr Paul Kemen“: Die besten Meldungen des Polizeisprechers

„In heiterer Gelassenheit, Ihr Paul Kemen“ : Die besten Meldungen des Polizeisprechers

Er war jahrzehntelang das Gesicht der Aachener Polizei

Er war jahrzehntelang das Gesicht der Aachener Polizei - eins mit verschmitztem Lächeln. Die Meldungen von Pressesprecher Paul Kemen hatten etwas, das deutsche Behördenberichte eigentlich nie haben: Charme, Humor – und eine Fangemeinde. Hier unser „Best of Kemen“.

Ob ein elfjähriger Junge sich beim Polizeinotruf über „Zwangsarbeit“ beschwerte, ein Rabe als Autoaufbrecher überführt wurde oder in der Rotlichtmeile Antoniusstraße zwischenmenschliche Zwistigkeiten auftraten: Kemen schilderte Amüsantes, Bizarres und Berichtenswertes in dem ihm eigenen Stil. Zuweilen lakonisch-telegrammartig, zuweilen augenzwinkernd-heiter.

Dabei bewies der Pressesprecher nicht nur die Fähigkeit zu überaus liebens- und lesenswert geschilderten Ablaufbeschreibungen, sondern immer wieder gar zur Dichtkunst und der Kreation neuer Begrifflichkeiten – wenn er etwa eine Fußgängerin an einem „portablen Döner“ knabbern ließ.

Immer wieder auch ließ er seine Leser nicht nur an Eigenarten des Polizeialltags – wie lärmenden Laubbläsern vor dem Bürofenster oder mehrdeutigen Kantinengerichten – teilhaben. Gerne amüsierte er sich auch über das amtlich verordnete Behördendeutsch, etwa in Form kryptischer Abkürzungen.

So erfuhren seine Leser etwa im Mai 2014, dass der polizeiliche Aküfi (Abkürzungsfimmel) der Welt den Napoleon beschert habe: „Nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem Kaiser und Feldherrn. Napoleon ist neuerdings die polizeiinterne Abkürzung für ,Nachbereitung polizeilicher Einsätze online’“.

Auch überregionale Medien griffen seine Anekdoten nur zu gerne auf. Die eingangs erwähnte Abschrift des Telefonats eines Elfjährigen mit der Leitstelle, der von seiner Mutter zum Aufräumen seines Zimmers verdonnert worden war, ging durch den bundesdeutschen Blätterwald und wurde sogar international aufgegriffen, etwa von der BBC und der Huffington Post. Da war es nur logisch, dass unsere Zeitung dem wortgewandten Aachener den „Mullefluppet“-Preis verlieh, mit dem Öcher mit Herz und Humor geehrt werden.

Doch am 18. November passierte das, was seine Anhänger seit Jahren fürchteten. „In eigener Sache“ begann eine Meldung der Aachener Polizei: „Aachener Polizeisprecher verabschiedet sich von den Medien“. Nach 45 Dienstjahren, davon 20 in der Pressestelle, werde er in den Ruhestand wechseln. „20 Jahre waren wir gemeinsam auf einem See, jedoch nicht zwingend im selben Boot unterwegs“, bilanzierte Kemen, dankte für Wertschätzung und gute Zusammenarbeit.

Die Meldung endete, typisch für den Verfasser, mit einem menschlich-persönlichen Gruß: „Bleiben Sie rechtschaffen und vor allem gesund.“ Ein Wunsch, den unsere Onlineredaktion postwendend erwidern möchte. Alles Gute, lieber Paul Kemen. Tschö, wa, und bleiben Sie so!

(heck)
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