Region: Die 57. Explosion: Geldautomat hält Gangstern stand

Region : Die 57. Explosion: Geldautomat hält Gangstern stand

Die Reihe der gesprengten Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen geht mittlerweile stramm auf die Marke von 60 Fällen zu: In der Nacht zum Dienstag versuchten unbekannte Täter, einen Geldautomaten in Hennef bei Bonn durch eine Explosion zu knacken, wenn auch ohne Erfolg. Die FDP im Landtag übte derweil heftige Kritik an Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Der Automat in Hennef wurde zwar schwer beschädigt, an das Bargeld seien die Täter aber nicht gekommen, berichtete die Polizei in Siegburg. Das Foyer der Bankfiliale wurde erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden wird auf eine sechsstellige Summe geschätzt. Für die Bewohner des Hauses über der Bankfiliale habe keine Gefahr bestanden. Die Täter seien entkommen.

Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) handelt es sich um den mittlerweile 57. Fall der Serie von Automatensprengungen. Nordrhein-Westfalen wird seit Monaten von Banden heimgesucht, die Geldautomaten in die Luft jagen, um an das Bargeld zu kommen. Die Schäden summieren sich laut LKA auf mehrere Millionen Euro. Den Ermittlern zufolge kommen die Gangster vermutlich aus den Niederlanden über die Grenze.

Am 21. Oktober war ein Geldautomat in Titz im Kreis Düren Ziel eines solchen nächtlichen Raubzugs. Der Tresor hielt dem Sprengversuch allerdings stand. Die Täter flüchteten ohne Beute mit einem Audi in Richtung Jülich und der Autobahn 44. Der Fluchtwagen mit gestohlenem DN-Kennzeichen wurde Stunden später an der Anschlussstelle zur A52 in Elmpt ausgebrannt aufgefunden.

Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte im Landtag, dass aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse davon auszugehen sei, dass die Straftaten von unterschiedlichen Tätergruppen begangen werden. Dabei gehen die meist unbekannten Diebe fast stets nach der gleichen Masche vor: Zunächst bohren sie den Geldautomaten auf, dann füllen sie Gas ein und entzünden es über eine Lunte. Der Landesregierung zufolge ist die Tat schnell ausgeführt.

Die nicht enden wollende Serie von Geldautomaten-Sprengungen lässt auch die Kritik der Opposition an NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nicht abreißen. Jäger laufe der Lage einmal mehr hinterher, kritisierte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Marc Lürbke, am Dienstag. Der Fahndungsdruck müsse erhöht werden.

Das Landeskriminalamt wisse bereits seit 2011 von einer ähnlichen Serie in den Niederlanden und schon im vergangenen Jahr seien in Nordrhein-Westfalen 26 Geldautomaten in die Luft geflogen.

Dennoch habe sich die Polizei erst Ende Oktober mit Präventionsvorschlägen an Banken und Sparkassen gewandt. Lürbke berief sich dabei auf einen Bericht des NRW-Innenministeriums. Zu den Fahndungsmaßnahmen schweige sich der Bericht aus, kritisierte der Abgeordnete.

Aus Bankenkreisen hieß es am Dienstag, man nehme das Thema sehr ernst und stehe schon lange in engem Kontakt zur Polizei. Die Nachrüstung eines Geldautomaten mit einer Farbkartusche koste einen vierstelligen Betrag. Allein die Sparkassen haben in NRW 5100 Geldautomaten.

In dem Bericht des Innenministeriums heißt es, Ende November habe eine ergänzende Besprechung mit Vertretern des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes und dem Verband der Sachversicherer stattgefunden. Einige Geldinstitute waren dazu übergangen, die Bargeldverfügbarkeit einzuschränken, in dem sie nachts den Zugang zu den Automaten sperrten.

Eine zehnköpfige Sonderkommission „Heat” hat sich im Landeskriminalamt an die Fersen der Täter geheftet - bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

„Wir müssen den Tätern den Anreiz nehmen”, hatte Innenminister Jäger gesagt. „Warum kommen die denn zu uns? Weil die Banken in Belgien und den Niederlanden inzwischen ihre Automaten mit Farbkartuschen ausgerüstet haben. Ich hoffe, dass die hiesigen Banken das schnell nachholen.”

(dpa/red)