Schleiden: Der Wolf und das liebe Vieh: Naturschützer diskutieren mit Tierhaltern

Schleiden : Der Wolf und das liebe Vieh: Naturschützer diskutieren mit Tierhaltern

Naturschützer freuen sich auf die Rückkehr des Wolfes in unsere Region. Sie wissen aber auch: Manche Bürger sind weiterhin skeptisch, einzelne Berufsgruppen schauen sogar mit großer Sorge auf die Beutegreifer. Deshalb hatte der Nabu am Donnerstagabend in das Nationalpark-Zentrum Eifel eingeladen.

Hier diskutierten die Naturschützer mit Vertretern von Landwirtschaftsverbänden, Jägern und einem Sprecher des NRW-Umweltministeriums über Probleme, die der Wolf verursachen könnte.

In einem Punkt waren sich die Podiumsteilnehmer einig: Der Wolf gehört zu unserem Öko-System. Seinen hohen Schutzstatus in Deutschland stellte niemand ernsthaft in Frage. Doch Wölfe regulieren halt nicht nur den hohen Wildbestand, sie reißen vereinzelt auch Nutztiere, selbst Rinder. „Meine Begeisterung über die Rückkehr der Wölfe hält sich deshalb in Grenzen“, erklärte Franz Weyermann vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband und forderte: „Die von ihnen verursachten wirtschaftlichen Schäden dürften nicht bei den Tierhaltern abgeladen werden.“

Ähnlich sah es Andreas Schenk, Sprecher des Bundesverbandes Berufsschäfer. Die Rückkehr des Wolfes werde die hauptsächlich von der Agrarpolitik verursachte Existenzkrise seiner Branche weiter verschärfen. „Nicht nur der Wolf, sondern auch die Schäfer sind vom Aussterben bedroht“, betonte Schenk.

Um dem Riss von Nutzvieh vorzubeugen, unterstützt die öffentliche Hand in Bundesländern mit einer dauerhaften Wolfspopulation Präventionsmaßnahmen wie die Anschaffung von Herdenschutzhunden und Elektrozäunen. „Diese Leistungen sind allerdings ungenügend“, beklagten sowohl Schenk als auch Weyermann. Auf den Unterhaltskosten der Schutzvorrichtungen blieben die Tierhalter nämlich sitzen. „Die aber machen etwa 95 Prozent der Gesamtkosten aus“, erklärte Schenk. „Jeder Herdenschutzhund schlägt beispielsweise jährlich mit rund 2500 Euro zu Buche. Ein Schäfer braucht aber mehrere dieser Tiere. Finanziell treibt ihn das schnell in den Ruin.“

Schenk beklagte zudem, dass im Wolfserwartungsland NRW zwar von der Landesregierung Nutztierrisse kompensiert werden, Präventionsmaßnahmen jedoch nur dort gefördert werden sollen, wo sich die Caniden fest angesiedelt haben. „Warum muss es erst Risse geben und Wölfe auf den Geschmack von Nutztieren gekommen sein?“, wollte Schenk von Peter Schütz, Sprecher des NRW-Umweltministeriums, wissen.

Schütz verteidigte die bisherigen Richtlinien, erklärte aber, die Politik sei länderübergreifend dabei, bundeseinheitliche Regelungen zu schaffen. Gleiches gelte auch für die von Gregor Klar, dem Vertreter des Landesjagdverbandes NRW, aufgeworfene Frage, wie häufig ein Wolf in eine Nutztierherde eingebrochen sein müsse, um als „Problemwolf“ definiert zu werden und er „lethal entnommen“, sprich abgeschossen werden dürfe.

Nur nicht füttern

Dem stimmte Josef Tumbrinck zu. Der Vorsitzende des Nabu in NRW verwies jedoch darauf, dass ein „Problemwolf“ keineswegs auch für die Bevölkerung gefährlich sein muss. „Seit der Rückkehr der Beutegreifer nach Deutschland hat es hier keinen einzigen Fall gegeben, in dem sich ein Wolf einem Menschen aggressiv genährt hat“, betonte Tumbrinck. Das gelte auch für „Kurti“, den einzigen bisher abgeschossenen „Problemwolf“ . Das Tier hätte nur die Scheu vor Menschen verloren gehabt. Tumbrinck warnte deshalb nochmals davor, Wölfe anzufüttern.

Von einer gerne durch Boulevard-Medien verbreiteten Wolfs-Hysterie war bei der Veranstaltung wenig zu spüren. Die Diskussion mit dem Publikum verlief sachlich und ruhig. Nur eine einzige Besucherin wollte wissen, was sie den tun müsse, wenn ihr eines der extrem scheuen Tiere zufällig über den Weg laufe. Die Antwort von Michael Röös, dem Leiter der Nationalparkverwaltung Eifel, fiel kurz und knapp aus: „Freuen Sie sich einfach.“ Vertreiben ließen sich die Tiere ziemlich leicht. Denn eigentlich seien Wölfe „Feiglinge“.

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