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Corona und die Natur: Der Wanderboom in NRW braucht Wegweiser

Corona und die Natur : Der Wanderboom in NRW braucht Wegweiser

Eigentlich wollen Sauerland und Eifel den Menschen ja Lust aufs Wandern machen – aber in der Corona-Krise sorgen die Touristen auch für Frust. Denn Geld verdienen können die Regionen mit den Gästen im Moment nicht. Dafür leidet aber die Natur unter den vielen Menschen.

Die Natur ruft – in der Corona-Pandemie umso mehr: Weil Einkaufszentren, Zoos und Kinos geschlossen bleiben, werden einige Wanderregionen in NRW regelrecht überrannt. Zum Teil kamen wanderfreudige Menschen seit dem vergangenen Frühjahr in solchen Scharen, dass die Tourismusbranche sich Sorgen um Wälder, Wege und Flächen machen musste. Das hat auch längerfristige Folgen vor allem für klassische Wanderregionen wie die Eifel, Ostwestfalen und das Sauerland. Sie kämpfen im Moment gegen Umsatzausfälle durch den Lockdown und gegen den Besucher-Ansturm gleichzeitig.

Frequenz

In den Wanderregionen sind die Menschen deutlich mehr unterwegs gewesen als sonst, teilt der Verein Tourismus NRW mit Sitz in Düsseldorf mit. Messbar ist der erhöhte Zuspruch auch anhand der Zugriffszahlen auf Webseiten. Beim Rothaarsteig in Südwestfalen etwa haben sich die Klicks auf die Homepage verdoppelt, sagt Katharina Schwake-Drucks, Sprecherin des Rothaarsteigvereins in Schmallenberg. Dazu sei wesentlich mehr Bewegung auf den Social-Media-Kanälen zu beobachten. Vor allem junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren, die auch längere Etappen am Tag bewältigten, sehe man in der Coronavirus-Pandemie häufiger.

In der Nordeifel haben die Downloads von Tourenbeschreibungen und die Anforderungen von Prospekten ebenfalls deutlich zugenommen. Im Teutoburger Wald hätten Besuchermagnete an manchen Tagen sogar wegen Überlastung gesperrt werden müssen, sagte Ronald Claaßen von der OstWestfalenLippe GmbH in Bielefeld.

Nicht nur Profiteure

Das Problem der Branche in der Corona-Pandemie ist, dass zwar viele Menschen kommen, Gastgeber aber wegen des Lockdowns gar nicht öffnen dürfen. Das bringe einige Betriebe in existenzielle Not. Es gibt aber auch kreative Ideen bei den lockdown-gebeutelten Gastgebern. „Sie lassen sich Aktionen einfallen, um mit den Gästen weiter in Kontakt zu bleiben, sie gewähren Einblicke hinter die Kulissen oder bieten ‚To-Go-Angebote’ an“, sagt Rothaarsteig-Sprecherin Schwake-Drucks.

Ein Beispiel ist das Landschaftsgasthaus Schanze bei Schmallenberg, das schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 sehr bald auf Fensterverkauf gesetzt hat. „Wir haben versucht, mit verpackten belegten Brötchen und Kaltgetränken die Leute glücklich zu machen“, sagt Inhaber Jochen Deimann. Später bot er dann auch Kalbsbratwurst und Burger an. Seine potenziellen Gäste hält er über die sozialen Medien auf dem Laufenden.

Es zeige sich auch im Rothaarsteig-Umfeld, dass Unternehmen, die sich schon vorher digital aufgestellt hätten, auch jetzt im Vorteil seien, beobachtet Katharina Schwake-Drucks. So habe das Hotel Astenkrone in Winterberg das Haus zumindest virtuell offen gehalten – mit Rezept- und Freizeittipps, digitalem Bingo oder Foto-Blicken hinter die Kulissen.

Steuerung

Die derzeit boomenden Wanderregionen versuchen immer stärker, die Besucher zu lenken – und zwar dorthin, wo sonst weniger los ist. Denn während auf den Hauptrouten beliebter Wanderwege oft viele Menschen unterwegs sind, ist es schon ein paar Meter weiter sehr ruhig – und eigentlich genauso schön. In der Eifel, am Rothaarsteig oder entlang des Natursteigs Sieg werden deshalb neben den Hauptwanderwegen sogenannte „Schleifen“ oder „Spuren“ angelegt, damit sich die Gäste etwas stärker verteilen. In der #rauszeitlust-Kampagne macht Tourismus NRW gezielt Werbung für Geheimtipps oder Orte abseits der bekannten Ziele. Auch in Ostwestfalen habe man bewusst nicht „Selbstläufer ins Schaufenster gestellt“, sondern alternative Möglichkeiten, sagt Claaßen.

Digitale Helfer

Ein Instrument des kurzfristigen Lenkens von Besucherströmen sind Socia-Media-Kanäle, sagt Patrick Schmidder, stellvertretender Geschäftsführer der Nordeifel GmbH. Dort könnten Tourismusvereine sehr schnell vom Besuch eines beliebten Ausflugsziels abraten – und Alternativen etwas abseits der bekanntesten Wanderwege aufzeigen.

(dpa)