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75 Jahre Aachener Zeitung: Der Wandel ist gewaltig. Und das Tempo ist enorm.

75 Jahre Aachener Zeitung : Der Wandel ist gewaltig. Und das Tempo ist enorm.

Liebe Leserinnen und Leser, wir richten unseren Fokus auf das, was immer war. Heute ist. Und sein wird. Die Zeitung. Ihre Zeitung!

Ja, unsere Zeitung ist 75 geworden. Tägliche Begleiterin. Zuverlässiger Spiegel bewegter Zeiten. Der Region verbunden. Aus der Aachener Volkszeitung wurde die Aachener Zeitung. Von Anfang an der Demokratie verpflichtet.

Es gibt sie gedruckt und online. Entscheidend sind die Inhalte. Entscheidend ist die Haltung. Mit dieser Sonderausgabe ziehen wir eine Zwischenbilanz.

Und blicken voller Freude auf das, was kommt.

Sie hat sich verändert im Laufe von 75 Jahren. Von der Aachener Volkszeitung zur Aachener Zeitung. Vom reinen Papier zur digitalen Variante. Der Wandel ist gewaltig. Und das Tempo enorm. Wenn das jemand beurteilen kann, dann Sie. Viele von Ihnen haben die Veränderungen miterlebt. Vielleicht hat Ihnen nicht jede Veränderung gefallen. Dass Sie den Weg dennoch mitgegangen sind, dafür sind wir Ihnen sehr dankbar.

Auch Sie haben sich verändert, Sie wirken viel stärker ein auf das, was wir tun. Sie sind kritischer geworden und nehmen die Ergebnisse unserer täglichen Arbeit nicht mehr wie selbstverständlich hin. Daran mussten wir uns gewöhnen. Für eine Zunft, die anderen die Welt erklärt, war das kein einfacher Prozess. Trotzdem können wir heute aus Überzeugung sagen: Wir hören Ihnen viel aufmerksamer zu und machen Ihre Überlegungen zu unseren. Wir geben allen, die es ernst meinen mit unserer Demokratie und interessiert sind an einem seriösen Meinungsaustausch, eine Stimme. Wir meinen Sie!

Dass wir unser spezielles Angebot für Abonnenten „Freundeskreis“ nennen, bedeutet nicht, dass wir beste Freunde sein müssen. Es signalisiert vielmehr, dass wir ein Interesse an einer gelebten Partnerschaft haben. Die enormen He­rausforderungen dieser Zeit bewältigen wir nur gemeinsam. Wir finden, dass Ihr gesellschaftspolitisches Interesse und Engagement und unsere Idee von gutem Journalismus nicht die schlechtesten Grundlagen dafür sind. Der Idee von gutem Journalismus fühlen wir uns verpflichtet. Sie bleibt unser Versprechen.

Alles unterliegt einer ständigen Veränderung. Nichts bleibt, wie es war. Nicht die Zeitung. Nicht die Menschen. Nicht die Gebäude, in denen sie arbeiten. Auch werden Sie kein Grußwort namhafter politischer Größen in dieser Ausgabe finden. Wir wollen vielmehr von Menschen erzählen, die in unserer Region leben und wirken und mit denen Sie und uns eines verbindet: Auf der Basis der Vergangenheit die Gegenwart formen und Ideen für die Zukunft entwickeln. Geschichten über diese Menschen und Gespräche, die wir mit Ihnen geführt haben, prägen diese Beilage.

75 Jahre sind eine lange Zeit. Natürlich müssen wir auch zurückschauen. Wir wollen es aber nicht übertreiben mit der Vergangenheit. Wissen, woher man kommt. Diejenigen wertschätzen, die das Heute erst möglich gemacht haben. Nur wer die Tradition und die Wurzeln unseres Verlages kennt, kann dessen Zukunft verantwortungsvoll mitgestalten. Das ist keine angestaubte Plattitüde, sondern eine ziemlich moderne Botschaft an unsere jungen Journalistinnen und Journalisten, denen man mit Anekdoten aus der Historie heutzutage allerdings kaum noch imponieren kann.

Von einer gewissen Strenge der frühen Jahre ist nicht viel geblieben. Aus Ehrfurcht wurde Respekt. Irgendwie wirkt alles leichter, befreiter. Damals waren die Volontärinnen und Volontäre gut beraten, sich nicht allzu ungeschickt anzustellen, wenn sie einem Verleger, einem Mitglied der Chefredaktion oder anderen Führungskräften begegneten. In der Regel waren das Männer. Um bei der Wahrheit zu bleiben: Es waren ausschließlich Männer. Oben in der vierten Etage saßen die Geschäftsführer. Manch einer, der hinauf beordert wurde, wird sich gewünscht haben, dass der Fahrstuhl einfach mal steckenbleibt.

Die anfängliche Bedeutungsschwere entsprach dem Ernst des publizistischen Auftrags im Nachkriegsdeutschland: Es waren die Verleger Jakob Schmitz, Josef Hofmann, Albert Maas und Johannes Ernst, die den Wiederaufbau einer freien Presse mit der Aachener Volkszeitung maßgeblich vorantrieben. „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenrechte und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit“ – das waren die journalistisch-ethischen Grundregeln, denen sich die Gründerväter verpflichtet fühlten, und die erst viel später, im Jahr 1973, Berücksichtigung im Pressekodex des Deutschen Presserates fanden. Es sind diese unverrückbaren Grundpfeiler, die den Bogen spannen von damals zu heute. Sie sind über Generationen hinweg der Kitt, der alles zusammenhält.

 März 1951: Bischof Joseph van der Velden (2.v.r.) mit den Herausgebern der Aachener Volkszeitung (v.l.): Josef Hofmann, Jakob Schmitz, Johannes Ernst und Albert Maas.
März 1951: Bischof Joseph van der Velden (2.v.r.) mit den Herausgebern der Aachener Volkszeitung (v.l.): Josef Hofmann, Jakob Schmitz, Johannes Ernst und Albert Maas. Foto: MHA/Archiv

Der Neubau, der an der Dresdener Straße entsteht, ist auch Ausdruck der neuen Zeit. Nicht mehr lange, dann werden große Teile des alten Gebäudes abgerissen. Natürlich entbehrt der Umzug im nächsten Jahr zumindest mit Blick auf das alte Gemäuer nicht einer gewissen Symbolik, doch die Tageszeitung liegt trotz sinkender Auflage nicht am Boden. Die Zukunft, das ist kein Geheimnis, gehört dem digitalen Geschäft. Und das zieht an. Letztlich geht es immer um verantwortungsvollen Journalismus. Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Zukunft sieht gar nicht schlecht aus.

Klassische lange Flure wird es im neuen Gebäude nicht mehr geben, alles ist offen, so wie die Menschen, die dann dort arbeiten. Auch trennende Wände sind nicht mehr vorgesehen, was glücklicherweise die Gefahr minimiert, dass irgendwer auf die Idee kommt, eine Ahnengalerie bedeutender Männer zu installieren. Es reicht, wenn man sie in guter Erinnerung behält.

Es weht ein neuer Geist. Der Geist des Teams. Ein Frau-Mann-Geist. Und er trägt auch mal Turnschuhe.