Aachen: Der Tivoli: „Eine der teuersten Fehlentscheidungen“

Aachen: Der Tivoli: „Eine der teuersten Fehlentscheidungen“

Für seine Autobiografie hat Klaus Pavel ein kleines Experiment gewagt. Er hat Freunde und Familienmitglieder gebeten, schonungslos die Wahrheit aufzuschreiben. „Ich wollte erfahren, wie sie mich sehen.“ Große Überraschung hat es nicht gegeben. Die Selbstwahrnehmung deckt sich dann doch mit der Fremdwahrnehmung.

„Ich kenne ja meine Schwächen“, sagt er grinsend. Als besonders pflegeleicht wird der 81-Jährige allerdings nicht beschrieben. „Ich bin nie ein Diplomat gewesen.“ Das wäre ein möglicher Titel für das Erstlingswerk. Pavel hat sich dagegen schlicht für den Titel „Mein Buch“ entschieden. Auf dem Cover ist der Ehrenpräsident des Aachen Laurensberger Rennvereins strahlend in Siegerpose zu sehen, als sein Verein gerade den Zuschlag für die Weltreiterspiele 2006 bekommen hat.

Dass Reitstadion und Tivoli in direkter Nachbarschaft liegen, hält Klaus Pavel (kleines Bild) bis heute für eine gravierende Fehlentscheidung. Foto: Michael Jaspers/Andreas Steindl

Fast sechs Jahre lang hat der langjährige Geschäftsführende Gesellschafter der gesamte Rhein-Nadel-Gruppe an den 370 Seiten geschrieben. Der brasilianische Honorarkonsul presst sein schillerndes Leben zwischen zwei Buchdeckel. Das „sehr persönliche“ Werk erscheint allerdings in den nächsten Monaten nur in kleiner Auflage, Pavel will es nur nahestehenden Personen schenken.

Es ist keine Abrechnung, Pavel hat den Slogan „I did it my way“ gewählt. Er macht es auf seine Art. Aber dennoch oder vielleicht deshalb hält sich der verhinderte Diplomat auch nicht mit seinem Urteil zurück. In einem Kapital erinnert der langjährige ALRV-Präsident (1993-2010) an die Zeiten, als der bekannte Nachbar ein neues Stadion bauen wollte.

„Dazu brauchte Alemannia neue Flächen, und die gab es nur noch auf unserem Gelände“, blickt Pavel in den Rückspiegel. Gesprächs- und Verhandlungspartner war damals Jürgen Linden. Pavel sagt heute, es sei nie so ganz eindeutig gewesen, ob Linden ihm als Alemannias Aufsichtsratsvorsitzender oder Aachener Oberbürgermeister gegenüber gesessen habe. Pavel wollte die Flächen nicht abgeben.

„Man hatte immer noch nicht richtig erkannt, welch ein Aushängeschild der CHIO für Aachen wirklich war. Er hatte jedenfalls mehr internationale Leuchtkraft als ein regionaler Fußballverein, der sich nur mühsam in der zweiten oder dritten Liga halten konnte“, schreibt er in seiner Autobiografie.

Pavel schlug vergeblich ein Stadion vor den Toren der Stadt vor, wie es dann auch in München oder Mönchengladbach gemacht wurde. Der ALRV gab schließlich den Widerstand auf, man fürchtete den Gegenwind aus den Reihen der Stadt und der Alemannia-Fans. „Wir hatten keine Chance und mussten die bereits gepachteten Flächen wieder abtreten. Die Stadt Aachen ließ uns praktisch im Regen stehen.“ Stattdessen bekam der ALRV im Tausch andere benachbarte Areale.

Der Unternehmer hadert immer noch mit der Entscheidung für den neuen Tivoli. „Falsche Größe, falscher Platz.“ Leider habe er sich mit Jürgen Linden nicht einigen können. „Es war eine der teuersten Fehlentscheidungen der Stadt. Ohne diesen Beschluss zu unseren Lasten wäre Alemannia niemals so weit abgestiegen.“ Erst die überehrgeizige Finanzierung des neuen Stadions habe den Verein in diese Schieflage gebracht.

Der Träger des Goldenen Ehrenrings der Stadt Aachen bedauert die Entwicklung des Fußballklubs, sagt er. „Hätte die Stadt auf den ALRV gehört, sie hätte viel Geld gespart“, schreibt er. Inzwischen, so betont er bei einem Redaktionsbesuch, sei das Verhältnis zur Stadt von großer Wertschätzung geprägt. Die Kommune verstehe den Bedarf des Turnierveranstalters an weiteren Flächen um sich weiter zu entwickeln. Mit Linden habe er nie wieder über das Thema gesprochen, sagt Pavel. „Er hat sich ein Denkmal gesetzt, leider nicht das richtige. Es ist sehr schade für den Verein und auch die Stadt, dass es so weit gekommen ist.“

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