Köln: Der Straßenkarneval beginnt und mit ihm die Bewährungsprobe

Köln : Der Straßenkarneval beginnt und mit ihm die Bewährungsprobe

Weiberfastnacht läutet den Straßenkarneval ein und ist eigentlich eine recht vorhersehbare Sache: Jagd auf Krawatten, Sturm auf die Rathäuser, ziemlich volle Kneipen. In diesem Jahr ist allerdings ein neues Thema prominent hinzugekommen: die Sicherheit.

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht wurde in mehreren Städten an Sicherheitskonzepten geschraubt. Gerade in Köln lautet der Tenor: So etwas darf sich nie wiederholen. Köln versuche, „den Schaden wiedergutzumachen, den das Sicherheitsgefüge dieser Stadt an Silvester leider genommen hat”, erklärte jüngst Stadtdirektor Guido Kahlen. Die parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte, „die Weltöffentlichkeit” werde sehr genau darauf schauen, „wie Köln diese Herausforderung managt”.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) rief die Narren auf, sich nicht verunsichern zu lassen. „Es wäre völlig falsch, sich einschüchtern zu lassen, sei es durch Terrorgefahr oder die Ereignisse der Kölner Silvesternacht”, sagte er den „Ruhr Nachrichten” (Mittwoch). Es gebe keine konkreten Hinweise auf Anschläge oder Bedrohungen, weder gegen den Karneval im Rheinland noch in anderen Regionen.

In Köln will die Polizei daher an Weiberfastnacht, also am Donnerstag, mit 2500 Beamten in den Straßen präsent sein - die Zahl der Kräfte werde sich damit verdoppeln, erklärte der neue Polizeipräsident Jürgen Mathies. Die Stadt setzt zudem mehr als 300 zusätzliche Ordnungskräfte in Bewegung. Hintergrund ist auch, dass Weiberfastnacht bereits in den vergangenen Jahren der kritischste Tag war, an dem viele Anzeigen bei der Polizei eingingen. Oft artet das Fest in ein Saufgelage aus.

Einige Sicherheitsmaßnahmen in den großen Städten ähneln sich dabei. In Mainz sollen mehrere Stationen entlang des Rosenmontagszugs mit jeweils zwei Polizisten als Anlaufstellen für hilfesuchende Frauen dienen. Düsseldorf setzt auf mehr Videoüberwachung und will einen Anlaufpunkt mitten in der Altstadt einrichten, um Anzeigen und Hinweise aufzunehmen.

Die Stadt Köln hat eine Anlaufstelle für Frauen eingerichtet, die im närrischen Gedränge belästigt oder bedroht wurden. Der sogenannte „Security Point” steht seit Mittwoch rund 50 Meter neben dem Kölner Dom und ist an Weiberfastnacht und Rosenmontag von 11.11 Uhr bis Mitternacht geöffnet.

Betroffene sollen hier jedoch nur in Empfang genommen werden. Weibliches Sicherheitspersonal bringt sie dann in einen Raum im Nachbargebäude, wo Psychologen und Sozialarbeiter warten - so haben es die Stadt, beteiligte Initiativen und Kölner Frauen-Karnevalsvereine abgesprochen.

In der Kölner Silvesternacht hatten am Hauptbahnhof in der Nähe des Doms Gruppen von Männern Frauen umzingelt, bestohlen und sexuell bedrängt. Zeugen hatten die Angreifer als Männer beschrieben, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum” stammen.

Besonders eindringlich warnt die Polizei vor Kostümen mit Waffenattrappen - weil das in der angespannten Situation zu Irritationen führen könne. Ein Düsseldorfer Einsatzleiter kündigte an: „Wenn einer mit einer sturmgewehrähnlichen Attrappe durch die Straßen läuft, dann wird er uns kennenlernen.” Auch ansonsten will etwa die Polizei in Köln bei Verstößen hart durchgreifen.

Auch den sogenannten Wildpinklern soll in diesem Jahr Einhalt geboten werden. Die „Roten Funken”, ein traditionsreicher Karnevalsverein, will den Kölner Dom an Weiberfastnacht symbolisch zeitweise mit einer Menschenkette bewachen, wie er am Mittwoch mitteilte. Zudem seien die Funken mit rund 10 000 sogenannten Einwegurinalen zum Verteilen ausgestattet. Oberbürgermeisterin Henriette Reker, selbst bei dem Verein aktiv, hat angekündigt, für die „Funkenkette” ebenfalls ihre Funkenuniform überstreifen zu wollen. Weil die Außenfassade des Doms in den vergangenen Jahren immer wieder angepinkelt worden war, hat die Kirche bereits erklärt, besonders gern genutzte Ecken an Karneval einzäunen zu wollen.

Das Kölner Motto ist in diesem Jahr übrigens „Mer stelle alles op der Kopp” - Wir stellen alles auf den Kopf.

(dpa)
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