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Aachen: Der lange, schwieriger Weg zu einer europäischen Universität

Aachen : Der lange, schwieriger Weg zu einer europäischen Universität

In der Diskussion über die europapolitischen Vorschläge von Emmanuel Macron geht seine Idee einer europäischen Universität häufig unter. Das mag daran liegen, dass Konkretes fehlt; deshalb hofft RWTH-Rektor Ernst Schmach- tenberg, dass der französische Präsident sein Konzept konkretisiert, wenn er am 9. Mai an der Aachener Universität mit Studenten spricht.

Im Gespräch mit der Kölner Historikerin Gudrun Gersmann und dem Leiter des Institut Français d‘Histoire en Allemagne in Frankfurt, Pierre Monnet, versuchte Schmachtenberg jetzt, den Charakter der Idee Macrons auszuleuchten.

Monnet skizziert Macrons Leitidee so: 20 europäische Universitäten aus verschiedenen EU-Ländern, die bis 2024 in Netzwerken zwei Auslandssemester anbieten, in denen man unter anderem neben der Muttersprache und Englisch eine dritte Sprache lernt und ein einheitliches Diplom ablegt. Wie das geschehen soll, bleibt bislang offen; einfach wird es nach Überzeugung der drei Wissenschaftler jedenfalls nicht, zumal es in Frankreich das Nebeneinander von Grandes Écoles als Eliteschmieden und den Universitäten gebe und in Deutschland ein sehr heterogenes Hochschulsystem mit Universitäten und Fachhochschulen in der Kompetenz von 16 Bundesländern.

Europa sei und bleibe vielfältig, sagt Monnet, in seinen Mentalitäten, Kulturen und Sprachen. In der heutigen Weltlage sei es auch Aufgabe der Universitäten, eine Provinzialisierung Europas zu verhindern. Ernst Schmachtenberg plädiert für eine Bewegung von unten: „Die jungen Leute müssen sagen, was sie wollen. Wir brauchen einen Ideenwettbewerb, an dem sich alle Universitäten beteiligen können.“

Für Gudrun Gersmann ist die Universität ein kreativer Ort, an dem die Gesellschaft kritisch reflektiert wird, Monnet will mit und in den Hochschulen „die technologisierte Welt besser verstehen“, Schmachtenberg möchte der „Wildwest-Mentalität des Digitalen“ etwas entgegensetzen.

Dass die Universität seit dem 12. Jahrhundert per se europäisch ist, daran will Monnet keinen Zweifel lassen; nur von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1945 sei das anders gewesen. Jean Monnet, einer der Gründerväter des vereinten Europas, habe Anfang der 50er Jahre vor der Alternative gestanden, die Integration mit Wirtschaft oder Bildung zu starten. Es begann dann mit der Montanunion. „Viele Jahre später meinte Monnet, er hätte doch besser mit Bildung beginnen sollen.“