Therapien für den kranken Wald: Der Klimawandel macht Rettungsmaßnahmen nötig

Therapien für den kranken Wald : Der Klimawandel macht Rettungsmaßnahmen nötig

Um herauszufinden, wie es dem Wald geht, nehmen Fachleute in NRW in den kommenden Wochen insgesamt 10.000 Laub- und Nadelbäume unter die Lupe. Am Mittwoch startete die diesjährige Erhebung für den Waldzustandsbericht. Sorgen bereiten dem Landesbetrieb Wald- und Holz besonders die anhaltende Trockenheit und der hohe Befall durch Borkenkäfer.

Es seien erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die aktuellen Schäden aufzuarbeiten und den Wald fit für den Klimawandel zu machen, sagte der Umweltstaatssekretär Heinrich Bottermann zum Auftakt der Untersuchung in Arnsberg. Die Erhebung liefere eine wichtige Grundlage, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Seit Mittwoch messen Forstleute den Umfang der Bäume, bewerten den Befall von Schädlingen wie Insekten oder Pilzen und erfassen Nadel- oder Blattverlust sowie Vergilbungen. Daraus ergibt sich ein Bild über den Gesundheitszustand der vier Hauptbaumarten in NRW: Buche, Eiche, Fichte und Kiefer. Die Waldzustandserhebung wird seit 1984 jährlich gemacht. Die Ergebnisse werden jährlich im späten Herbst vorgestellt. Seit mehreren Jahren gehe es dem Wald immer schlechter – eine Folge des Klimawandels.

Angesichts der dadurch bedrohten Wälder ruft Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) einen nationalen Gipfel ein. „Für September lade ich zu einem nationalen Waldgipfel ein. Nur mit vereinten Kräften stemmen wir die Mammutaufgabe, die vor uns liegt, um unseren Wald zu retten – nicht nur für uns, sondern für die nachfolgenden Generationen“, sagte Klöckner unserer Redaktion.

Da es nach dem Dürresommer 2018 auch in diesem Sommer bisher zu wenig regnet, sehen Umweltverbände und Waldbesitzer vor allem Nadelwälder bedroht. Kiefern- und Fichtenwälder, die ohnehin mit Umweltgiften zu kämpfen hätten, bekämen zu wenig Wasser. Der Umweltverband BUND hatte unlängst in einem Zehn-Punkte-Plan gefordert, für mehr Mischwälder zu sorgen, die robuster sind. Zudem sollten mehr Flächen sich selbst überlassen werden, weil Naturwälder die Feuchtigkeit besser bewahren könnten.

„Aufräumen geht vor Aufforsten. Zuerst muss das viele Schadholz aus den Wäldern raus und Schädlinge wie der Borkenkäfer müssen eingedämmt werden“, sagte Klöckner. Bereits jetzt stelle der Bund den Ländern Gelder für den Abtransport des toten Holzes zur Verfügung. „Wenn wir Bäume pflanzen, müssen sie an die Standorte und die sich ändernden Klimabedingungen angepasst werden. Wir brauchen Setzlinge, die diesen Stress aushalten.“

Der Verband der privaten Waldbesitzer forderte „zur Sicherung der Klimaleistung des Waldes kurzfristig ein schnelles, unbürokratisches Bundesprogramm zur Wiederbewaldung und Erstaufforstung“, wie sein Präsident Hans-Georg von der Marwitz sagte. Zudem müsse die Klimaleistung des Waldes honoriert werden. „Wenn wir künftig über eine CO2-Abgabe für Verursacher nachdenken, ist es nur folgerichtig, dass diejenigen, die CO2 speichern, wie der Wald, berücksichtigt werden“, sagte er.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte den Bund auf, in seinen Wäldern mit dem notwendigen Waldumbau zu beginnen. „Die Monokultur-Nadelwälder müssen abgebaut und durch Mischwälder ersetzt werden. Die Bundesregierung sollte hier vorangehen und in allen Wäldern, die dem Bund gehören, den Waldumbau so schnell wie möglich vorantreiben“, sagte sie. Die Bundesregierung dürfe die Länder nicht allein lassen. „Sie muss den Waldumbau mit einem Waldzukunftsfonds in Höhe von einer Milliarde Euro in den nächsten zehn Jahren unterstützen“, forderte die Grünen-Politikerin. Zudem brauche es eine „Urwald-Offensive“. Fünf Prozent der Waldfläche sollten der Natur überlassen werden. Bisher liegt der Anteil der Naturwälder bei etwa der Hälfte.

Nordrhein-Westfalens Landesregierung will zehn Millionen Euro in die Aufforstung kranker Wälder investieren und damit ihre Ausgaben dafür verdoppeln. „Aufforsten, mehr Bäume haben, ist das Ziel, das Gebot der Stunde“, hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vergangene Woche bei einem Besuch im Königsforst in Bergisch Gladbach erklärt.

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