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Köln: „Der ist doch gefährlich und macht uns platt”

Köln : „Der ist doch gefährlich und macht uns platt”

Es ist eine sehr beklemmende Stimmung im Saal 210, als der groß gewachsene Thomas A. auf der Anklagebank Platz nimmt. Der 45-jährige Ex-Söldner fixiert die Staatsanwältin, den Richter.

Anschließend mustert er Journalisten und Zuschauer. Der mutmaßliche Dreifachmörder von Overath schaut grimmig drein - ihm möchte man nicht nachts auf der Straße begegnen. Doch Thomas A. fühlt sich offensichtlich eher unwohl in seiner Haut; denn die Fesseln an Händen und Füßen machen dem ehemaligen Kölner Taxifahrer zu schaffen. Immer wieder rüttelt der bekennende Rechtsextremist an ihnen, versucht, sich bequemer hinzusetzen. Als der Vorsitzende Richter Paul Schwellenbach die Personalien feststellt und den Angeklagten anspricht, kommt es zum ersten Eklat.

„Alle Auskünfte zu meiner Person nur über meinen Anwalt. Ich muss hier überhaupt nichts sagen”, raunt Thomas A. Im gleichen Atemzug stellt der 45-Jährige klar, dass er nur aussagen will, wenn seine Handfesseln abgenommen werden. Der Richter bleibt gelassen: „Das werden wir noch entscheiden.” Die Wachtmeister hoffen, dass er gefesselt bleibt: „Der ist doch gefährlich und macht uns platt”, sagt einer.

Thomas A. schneidet Grimassen. Während Staatsanwältin Margarete Reifferscheidt die Anklage vorträgt, gibt sich der 45-Jährige gelassen. Auch als die furchtbaren Details erläutert werden, wirkt er gedanklich abwesend. „Sie haben den Anwalt als Repräsentanten einer verhassten Berufsgruppe getötet”, betont die Anklägerin. Thomas A. lächelt und schneidet Grimassen - auch als die Staatsanwältin die besondere Schwere der Schuld feststellt.

Damit wäre bei lebenslanger Haft eine Entlassung nach 15 Jahren unmöglich. Der 19-jährigen Jennifer D. wirft Reifferscheidt vor, die menschenverachtende Haltung ihres Freundes geteilt zu haben. Die Verkäuferin aus Geilenkirchen steht zum Auftakt des Prozess im Mittelpunkt der einfühlsamen Befragung des Vorsitzenden Richters.

Die damals drogenabhängige 19-Jährige lernte Thomas A. durch ihren Ex-Freund Markus kennen. Ihr erster Eindruck sei negativ gewesen: „Er war ungepflegt und ungewaschen”, sagt sie. Doch nach intensiven Gesprächen verliebte sie sich in den 45-Jährigen: „Er hörte mir zu und half mir bei meinen Problemen. Er war fasziniert von meinem germanischen Körperbau.”

Später wurde sie ihm hörig, hieß es aus Ermittlerkreisen. „Ich konnte nicht mehr von ihm lassen”, stammelt sie, während sie ihr kreidebleiches Gesicht in ihren Händen vergräbt.

Bei einem Spaziergang in einem Geilenkirchener Park wurden Thomas A. und Jennifer D. ein Paar. „Ich will das du meine Freundin wirst.” Die 19-Jährige willigte ein, ging in die Wohnung ihres Ex-Freundes und nahm ihre Sachen mit. In den nächsten Tagen sei sie „superglücklich” gewesen: „Wir lagen einfach auf einem Rasen am Rheydter Bahnhof und haben uns gesonnt. So etwas habe ich sonst noch nie getan.”

Ihre Eltern seien dagegen „entsetzt” von dem neuen Freund gewesen. Auch die Freundinnen von Jennifer D. hatten ihr von Thomas A. abgeraten. „Der ist durchgeknallt”, hätten ihr einige Personen in Übach-Palenberg und Geilenkirchen gesagt. Obwohl der 19-Jährigen zu Prozessbeginn die Tränen kommen, schildert sie die ehemalige Beziehung zu Thomas A. in ruhigen Sätzen. Als sie zum Tattag, dem 7. Oktober 2003 kommt, beginnt sie zu zittern und bricht in Tränen aus. Sie beteuert, dass sie von Mordplänen nichts wusste.

Auf dem Weg zur Kanzlei in Overath habe sie ihren Ex-Freund gefragt: „Was tun wir denn beim Anwalt.” Thomas A. habe geantwortet: „Das siehst Du gleich.” Jennifer D. fügt hinzu, sie habe sich „in dem Moment nicht viel gedacht.” Das Paar kam gerade von einer Tour in Ostdeutschland zurück.

Auf mehrfaches Nachfragen sagt die 19-Jährige mit stockender Stimme: „Ich habe sie gefesselt” - und meint damit den 61 Jahre alten Anwalt und seine 26-jährige Tochter. Thomas A. habe sie dazu aufgefordert. Als sie den Raum wieder verlassen habe, habe sie nur zwei Schüsse gehört - der Ex-Söldner hatte beide mit einer Pumpgun getötet. Vorher hatte er laut Anklage die Ehefrau des Anwaltes erschossen. Als sie ihn danach auf der Straße auf die Schüsse ansprach, sagte er nur: „Halt die Schnauze.”