Senioren aus sinkendem Auto gerettet: Der Held, der keiner sein will

Senioren aus sinkendem Auto gerettet : Der Held, der keiner sein will

Ein Parkmanöver an der Nobelmeile Königsallee hätte sie fast das Leben gekostet. Ein Ehepaar durchbricht mit seinem Wagen das Geländer und ist kurz davor, im Wassergraben in der Mitte der „Kö“ zu ertrinken. Helfer verhindern dies. Einer von ihnen ist Murat Alkan.

Bei der Frage, ob er denn ein Held sei, wehrt Murat Alkan (46) entschieden ab: „Ich will nicht als Held dastehen. Was ich gemacht habe, erwarte ich eigentlich auch von anderen“, sagt er leise, „Menschlichkeit, Zivilcourage.“ Videos zeigen, was er am Vortag auf der Düsseldorfer Königsallee vor den Augen Hunderter Schaulustiger mit einem weiteren Helfer vollbracht hat: Nachdem ein Auto in den Kö-Graben gestürzt war, rettete er zwei Senioren aus dem sinkenden Wagen.

„Ich habe einen Knall gehört und dann das Auto im Wasser versinken sehen - und zwei Köpfe darin“, berichtet er. Alkan, der auf der Kö für einen Sicherheitsdienst arbeitet, zögert nicht und stürzt sich sofort ins Wasser: „Manchmal muss man denken und dann handeln, manchmal muss man handeln ohne zu denken“, sagt er. „Ich hatte Angst, dass da ein Kind im Auto drin ist.“

Wie kalt das Wasser war, habe er wegen des Adrenalins zuerst gar nicht gemerkt. „Hinterher merkt man das dann schon.“ Zum Glück habe ihm die Polizei mit trockener Kleidung ausgeholfen.

Leicht sei die Rettungsaktion nicht gewesen: „Da war ein ganz schöner Sog. Zuerst ging die Tür nicht auf, dann ging der Gurt nicht auf - und der ältere Herr im Wagen stand unter Schock. Er ist wohl auch gehbehindert“, erzählt Alkan.

Aufnahmen von Passanten zeigen, wie er und ein weiterer Passant als Lebensretter schließlich doch die Beifahrertür öffnen können und dem älteren Ehepaar, sie 79, er 82, entschlossen unter die Arme greifen. Sie holen die Senioren aus dem Auto und ziehen sie an Land. „Ich freue mich, dass sie nicht verletzt sind - nur etwas unterkühlt“, sagt Alkan.

Gymnasiast Philip R. (13) wurde Augenzeuge der Rettungsaktion: „Die hätten das aus eigener Kraft nicht geschafft. Die Helfer haben sie die Böschung hochgezogen. Das Ehepaar wirkte ziemlich verstört, war erstmal ganz still und hat gar nichts gesagt.“

Das Malheur sei beim Einparken passiert, berichtet ein Polizeisprecher. Der Wagen durchbrach das eiserne Geländer, touchierte einen Fußgänger, der ebenfalls ins Wasser fiel und begann in dem Wassergraben in der Mitte der Nobel-Einkaufsmeile sofort zu sinken.

Fünf Menschen waren bei dem Unfall leicht verletzt worden. Die Feuerwehr konnte den Wagen am Dienstagabend mit einem Kran aus dem Wasser bergen. Die Fahrspuren und das zerstörte Geländer waren am Mittwoch zu besichtigen.

Eingebüßt hat der Solinger Alkan bei der Aktion allerdings sein Handy: „Das hatte ich noch in der Tasche. Aber das ist nicht schlimm, das kann man ersetzen.“

(dpa)