Gangelt: Der geheimnisvolle Spargel aus Gangelt

Gangelt: Der geheimnisvolle Spargel aus Gangelt

Da liegen sie, die weißen Stangen. In zwei blaue Kisten hat Herbert Dahlmanns den Spargel sortiert. Aus der einen Kiste greift er wahllos eine Stange heraus. „Beißen Sie mal unten rein“, sagt er. Kein Problem.

Das Ergebnis verwundert zunächst nicht: Der Spargel ist knackig. Und er schmeckt — so wie er frisch vom Feld eben schmeckt. Das Besondere: Dieser Spargel ist nicht geschält. Aber seine Schale ist so dünn, dass man ihn trotzdem ohne Probleme essen kann. Das dürfte jeden Spargelesser wundern, denn eigentlich muss man die Stangen vor dem Kochen gründlich schälen. Denn die normale Spargelschale ist ungenießbar, weil zäh und reißfest.

Auch Spargelbauer Dahlmanns war ziemlich verwundert, als er merkte, dass man den Spargel von einem seiner Felder mit Schale essen kann. „Ich habe das zuerst selbst nicht geglaubt“, sagt er. Auf dem 1,25 Hektar großen Feld hatte er eine Spargelsorte angepflanzt, die er bis dahin noch nie verwendet hatte. Im vergangenen Jahr stach er die Pflanzen zum ersten Mal.

„Die Schale war schon im vergangenen Jahr sehr dünn“, sagt er. Auf die Idee, dass man sie einfach mitessen kann, kam er aber erst in der laufenden Saison. „Ich prüfe meinen eigenen Spargel natürlich, da beißt man auch mal in eine Stange rein“, sagt er. Irgendwann kochte er die Stangen samt Schale. Das Ergebnis überzeugte ihn. Nun preist er den Spargel, den man nicht schälen muss, auch bei seinen Kunden an.

Dahlmanns ist zwar nicht der Züchter dieser Spargelsorte. Aber vielleicht der Entdecker ihrer außergewöhnlichen Eigenschaft. „Ich habe noch nie davon gehört, dass es weißen Spargel gibt, den man mit Schale essen kann“, sagt er. Er hat sich umgehört und im Internet recherchiert.

Selbst bei der Landwirtschaftskammer NRW ist solch eine Sorte nicht bekannt, wie man unserer Zeitung gegenüber am Montag bestätigte. Um welche Spargelart es sich handelt, möchte Dahlmanns aber nicht verraten. Er fürchtet, dass die Firma, von der er die Pflanzen bekommt, ihn für Aussagen über Eigenschaften der Sorte in Regress nehmen könnte. Er sprich lieber von „seinem Spargel“.

Und der komme bei seinen Kunden gut an. Kein Wunder. Man hat weniger Arbeit und Abfall. Etwa 30 Prozent wandern normalerweise in die Tonne. Die Stangen müssten bloß ein paar Minuten länger kochen, sagt Dahlmanns.

Lange wird er diese Spargelsorte nicht mehr ernten. Die Pflanze sei noch zu jung, um sie während der kompletten Saison zu stechen. Vielleicht noch zwei Wochen, meint er. Ob die Schalen im nächsten Jahr wieder genauso dünn sein werden, weiß Dahlmanns nicht — abwarten.

Er plant aber schon, die geheime Spargelsorte im kommenden Jahr auf einer weiteren Fläche anzubauen. Insgesamt hat er 20 Hektar Felder, davon dreieinhalb Hektar Spargel. „Ein Minibetrieb“, wie er sagt. Deshalb geht sein Spargel auch nicht in den Großhandel. Er verkauft ihn am Hof, hat einige Stände und beliefert ein paar Restaurants.

Nur die Profiköche wollen den Braten von dem ungeschälten Spargel noch nicht ganz trauen. „Sie schälen ihn trotzdem“, sagt Dahlmanns. Da sei die Hemmschwelle wohl noch zu groß, glaubt er.

Mehr von Aachener Zeitung