Andreas Englisch in Aachen: Der frohe Botschafter aus dem Vatikan

Andreas Englisch in Aachen : Der frohe Botschafter aus dem Vatikan

Irgendwann während der Papst-Reise nach Brasilien hat es Andreas Englisch dann für ein paar Minuten zur Copacabana gezogen. Als der Vatikan-Korrespondent dann herrlich abgekühlt wieder aus den Fluten stieg, war er vorübergehend ein armer Mann.

Klamotten, Papiere und vor allen Dingen seine Vatikanakkreditierung, mit der er Zutritt zum Dienstflieger von Papst Johannes Paul II. erhält, waren weg. Eine halbe Stunde später allerdings meldete sich der Dieb. Reumütig. Er hatte den Verdacht, dass er einen Priester bestohlen hatte, bat Englisch um Absolution und den Segen.

Das ist nur eine der vielen Anekdoten, die Andreas Englisch in Aachen am Dienstagabend erzählte. Angekündigt wird der 55-Jährige immer als profunder Vatikan-Kenner. Er schreibt Bücher über den kleinen Staat, hält Vorträge, sitzt in Talkshows und kommentiert fürs Fernsehen vom Petersplatz. Englisch hat die Gabe, sehr pointiert und ausschmückend zu erzählen. Seinen Zuhörern vermittelt er schon nach kurzer Zeit den Eindruck, dass er in den päpstlichen Gemächer ein- und ausgeht. Der gelernte Journalist ist ein sehr unterhaltsamer Geschichtenerzähler. Und natürlich erwähnt er, dass auch die Päpste, die auf Johannes Paul II. folgten, ihn mit dem folgenlosen Diebstahl an der Copacabana ein bisschen aufzogen. Man kennt sich.

Englisch zog der Sprache wegen 1987 nach Rom, aus dem geplanten Kurz- ist ein Langzeitaufenthalt geworden. Seitdem berichtet er für viele Medien aus dem Kirchenstaat. Wer aber an diesem Abend gehofft hatte, tiefer gehende Einblicke zu erhalten, was hinter den Vatikan-Mauern passiert, wurde enttäuscht. Laufende Diskussionen über den fortgesetzten  Missbrauch der Amtskirche, Zölibat oder den Umgang mit Frauen oder Homosexuellen erwähnte Englisch nicht.

An diesem eher humorigen Abend blieben die ernsten Themen außen vor. Englisch trat auf als froher Botschafter des Vatikans und des Pontifikats von Papst Franziskus. Aus seiner Begeisterung für den Argentinier jedenfalls machte er keinen Hehl.

Feinde innerhalb der Kurie hat sich der Südamerikaner schnell gemacht, als er ankündigte, die hoch dubiose Vatikanbank, in der Milliarden Schwarzgeld vermutet werden, reformieren zu wollen. So beschreibt es Englisch. Innerhalb der Vatikanmauern werde Franziskus von der ersten Sekunde an kritisch beäugt. Der Papst verzichte konsequent auf Statussymbole, predige und lebe Enthaltsamkeit. Der Luxus-Dienstwagen wurde schon ein paar Stunden nach seiner Amtseinführung 2013 verkauft, in den prunkvollen apostolischen Palast zog es ihn nicht, vielmehr empfängt er wichtige Gäste in seinem Apartment im vatikanischen Gästehaus. Gegessen wird in der Mensa, deren Weinkarte er gestrichen hat. Er lässt sich nicht mehr wie seine Vorgänger  von Ordensschwestern bedienen. Und auf seinen Dienstreisen „möchte er ganz normale Menschen an seiner Seite“ wissen. Mal gehört eine Wäschefrau, mal ein Fahrstuhlbediener zur Delegation. „Dafür muss dann ein Kardinal aus der Delegation weichen“, so beschreibt es jedenfalls Englisch.

„Wir hätten nie für möglich gehalten, dass so ein charismatischer Papst gewählt wird, der den Laden mit seinen Entscheidungen so aufmischt“, sagt er. Seine Einschätzung am Ende des launigen Vortrags: „Mit diesem Papst hat die katholische Kirche wieder eine Chance.“

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