Bonn: Der Event-Manager des Papstes

Bonn: Der Event-Manager des Papstes

Der Rheinländer ist gerade heraus. Und es gibt Momente, da ist Pater Hans Langendörfer ganz Rheinländer. Wie nah er dem Papst beim Besuch kommt? „Ich bin nah mit der Nase dran”, gibt der ernsthafte Mensch eine überraschend rheinische Antwort.

Der Jesuit und Papst Benedikt XVI. kennen sich schon lange. Nun ist der rheinische Diener Gottes ist so etwas wie der Event-Manager des Heiligen Vaters. Die Fäden für den ersten Staatsbesuch des Papstes in Deutschland vom 22. bis 25. September laufen auf deutscher Seite beim Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz zusammen.

Der Pater organisiert, wie er es schon beim Weltjugendtag vor sechs Jahren in Köln gelernt hat - unterstützt von seinem erfahrenen Team. Und er moderiert die Flut an Wünschen, Interessen, Anregungen. Das kann er. Integration, das ist eine seiner Aufgaben als Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz.

Benedikt besucht Berlin, Erfurt, das Eichsfeld in Thüringen und Freiburg. „Die Hamburger hätten auch gerne den Papst gehabt, die Dresdner hätten auch gerne den Papst gehabt”, sagt Langendörfer. Und dann gab es die Wünsche von den Medien, aus der Wissenschaft und den Bistümern. Die Enttäuschungen kann der Kirchenmann verstehen: „Meine Aufgabe war, dafür zu werben, dass der Papst von sich aus festgelegt hat, ich gehe an diese Orte.”

Erste Tuchfühlung mit Kardinal Ratzinger hatte Langendörfer 1996, als der damals neue Sekretär seinen Antrittsbesuch in Rom machte. Ratzinger leitete damals die mächtige Glaubenskongregation. Danach das Kennenlernen in vielen Begegnungen: „Ich glaube, ich weiß, wie er denkt.” Das können wohl nicht viele Menschen behaupten. Langendörfer macht nicht viel Aufhebens, empfindet das einfach nur als hilfreich.

Der Vater war Mediziner, der Großvater Oberstadtdirektor in Bonn. Der 59-jährige Jesuit ist waschechter Bonner, hat dort eine Pfarrei, seinen Freundeskreis. „Ich bin nicht weit herumgekommen”, sagt er - da ist sie wieder, die Spur leiser Selbstironie. Mit 21 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein, Priesterweihe, Wissenschaftler an der Universität Bonn, Bundeskanzleramt, Deutsche Bischofskonferenz. Er weiß, wie man unterschiedliche Welten zusammenbringt. Er knüpfte vor dem Papstbesuch auch Kontakte zu Grünen und Linken, wollte wissen, was die denken.

Rede im Bundestag, Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff, öffentliche Gottesdienste mit mehr als 200 000 Menschen - die Rädchen beim Papstbesuch müssen ineinandergreifen. Es geht um gute Begegnungen, um die Stärkung der Kirche in schwierigen Zeiten im Zeichen von Missbrauch und Sparzwang. „Das ist eine große Herausforderung. Das ist das Größte, was ich in meinem Leben bisher gemacht habe”, bemüht Langendörfer dann doch mal einen Superlativ.

Noch ist offen, ob es zu einer Begegnung zwischen dem Papst und Missbrauchsopfern kommt. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz hat sich viel mit dem Thema Missbrauch auseinandergesetzt. Er kennt viele Fälle und Schicksale. Ein Treffen wäre aus seiner Sicht eine bedeutungsvolle Geste, und für die Opfer Trost. Da spricht der Seelsorger.

Von seinem Büro in der zweiten Etage schaut man in einen gepflegten Garten und auf die Terrasse eines einladenden Hauses gegenüber. Viel Zeit bleibt dem Pater in diesen Tagen nicht, um die Seele baumeln zu lassen. Sein Arbeitstag hat fast 16 Stunden. Er beginnt jeden Morgen um sieben Uhr mit der Messe.

Der Papstbesuch ist wichtig, aber die Menschen in seiner Pfarrgemeinde bleiben es auch. Und so nimmt sich der Priester die Zeit und hält das Jahrgedächtnis für eine an Krebs gestorbene Frau. „Was wirklich wichtig ist im menschlichen Leben, soll nicht vor lauter Hektik und Aufregung verschwinden müssen. Da gebe ich mir schon etwas Mühe mit.”