Gevelsberg/Aachen: Der Deutschland-Wanderer: Von Aachen bis Zwickau

Gevelsberg/Aachen: Der Deutschland-Wanderer: Von Aachen bis Zwickau

Karlheinz Pieper ist im Februar 70 Jahre alt geworden. Eigentlich Zeit, sich Ruhe zu gönnen. Doch Pieper will die Schuhe schnüren, sich aufmachen zu einer Deutschland-Wanderung der besonderen Art. Titel: Von Aachen bis Zwickau.

Der Gevelsberger startet am 17. Juni in Bonn, der alten Bundeshauptstadt, und will am 3. Oktober in Berlin ankommen. Quer durch die Republik wird Pieper zwischen dem alten und dem neuen Tag der deutschen Einheit wandern, insgesamt rund 1600 Kilometer.

Dabei ist Pieper keinesfalls ein Wandersmann. „Die einzige Strecke, die ich immer mal gewandert bin, ist die zwischen Werl und Soest.” Die ist etwa 15 Kilometer lang. Und so wählte er denn Tagesetappen, die in etwa dieser Distanz entsprechen. Alleine wird Pieper sich auf den Weg machen, begleitet von einem etwas ungläubigen Kopfschütteln seiner Lebensgefährtin.

Für seine Siebensachen hat der 70-Jährige einen Fahrradanhänger für Kindern umgebaut und mit einer dichten Plane versehen. Darin sind Zelt, Schlafsack und Luftmatratze untergebracht - Hotels oder Pensionen sind auf seinen Karten nicht vorgemerkt. Karlheinz Pieper setzt auf die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen und einen Platz in deren Gärten oder Vorgärten.

„Ich habe keine Berührungsängste”, sagt er. Seine Arbeitsbiografie ist der beste Beweis: Der gelernte Konditor war auch Taxifahrer und Barkeeper. Drei Übernachtungen sind allerdings schon gesichert. Denn Pieper hat für die Deutschland-Tour den Besuch bei seinen drei Töchtern eingeplant. Eine wohnt in Dülmen, eine in Hamm und eine in Erlangen.

Auch die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 streift er auf seinem Wanderweg. Denn am 18. Juli will Pieper unbedingt beim „Still-Leben Ruhrschnellweg” dabei sein. Einen Tisch auf der A40 hat er zwar bei der Verlosung nicht bekommen, abwandern will er die vom motorisierten Verkehr befreite Autobahn im Revier an jenem Tag aber auf jeden Fall. Und zwar von Bochum nach Dortmund. Wenn auch nicht er persönlich, so ist denn doch Piepers Herzensgemeinschaft auf der A40 vertreten. Es ist der Verein Deutscher Sprache (VDS), die er mit Inbrunst bewahrt. Mit „Einer, der seiner Mutter Sprache mag” pflegt er seine Schreiben abzustempeln. Karlheinz Pieper - einer, der seines Vaters Land erwandert.

Die geschichtsträchtigen Termine waren schon einmal Anfang und Ende einer seiner Touren. 1963 hatte sich Pieper bewusst am 17. Juni mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht, um einen Termin am 3. Oktober einzuhalten. 4500 Kilometer strampelte er seinerzeit ab. Ziel war das sauerländische Gleierbrück. „Ich hatte mich dort mit meinem Bruder und anderen Freunden zum Doppelkopf-Spielen verabredet”, sagt Pieper. Damals, zwei Jahre nach dem Mauerbau, ahnte niemand, dass diese Datumskombination einmal historische Bedeutung erlangen würde.

Mehr von Aachener Zeitung